Auf der Anklagebank im Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Haßfurt saßen am Montag vier junge Leute im Alter von 17 bis 19 Jahren. Ihnen warf der Anklagevertreter gemeinschaftlich begangenen räuberischen Diebstahl vor, bei dem ein Messer mit im Spiel gewesen sein soll. Die Frage war nach der Beweisaufnahme, ob es sich bei der Tat um eine schwere oder eine einfache Erpressung rund um ein Rauschgiftgeschäft handelte, oder ob jemandem nur eine Abreibung verpasst werden sollte. Letztlich verurteilte das Schöffengericht die Angeklagten wegen schwerer räuberischer Erpressung mit einem Schaden von knapp 800 Euro zu unterschiedlichen Strafen. Das Urteil erlangte bereits Rechtskraft.

In einem Sitzungsmarathon hatte das Gericht keine leichte Aufgabe, weil es unterschiedliche Versionen von den Angeklagten serviert bekam, die letztlich hinsichtlich der Tatbeteiligungen und aufgrund ihrer Geständnisse oder Teilgeständnisse wieder "rund" wurden.

Staatsanwalt Stephan Jäger warf den vier Angeklagten vor, dass sie im September 2015 auf dem Sportgelände in Zeil durch gemeinschaftliches Handeln von einem 15- und einem 17-Jährigen 100 Euro und ein Handy erpresst hätten. Dabei soll der 15-Jährige, wie er in seiner Zeugenaussage angab, mit einem Messer bedroht worden sein. Durch Drohungen ist der 15-jährige laut Anklageschrift gezwungen worden, seine Kleider abzulegen, so dass er nur noch in Boxershorts dastand.

Ein 19-jähriger Angeklagter bestritt, von dem 17-Jährigen 100 Euro erpresst zu haben. Dieser habe ihm das Geld freiwillig gegeben, indem er sagte, dass er das Geld haben könne, wenn er ihn in Ruhe lasse.

Dass offenbar mehr hinter der Sache steckte, wurde dem Gericht durch die Aussage eines 18-jährigen Angeklagten deutlich, der in Fußfesseln aus einem Gefängnis vorgeführt wurde. Der 18-Jährige gab an, dass es bereits am Vortag zu einer Konfrontation mit dem 17-jährigen Opfer in einem anderem Ort gekommen war und schon hier, wie auch am Tattag, ein Schlagwerkzeug mitgeführt wurde. Einen Schläger aus Holz, ähnlich einem Baseballschläger, fand die Polizei in der Nähe des Tatortes. Wegen der "Vortagesgeschichte" hatte der 19-Jährige die Idee, den 17-Jährigen von Haßfurt nach Zeil zu locken, um ihn "abzuziehen" oder auch um ihm eine Abreibung zu verpassen.

Vermutlich wurde deshalb ein 17-Jähriger, der ebenfalls angeklagt war, aufgefordert, den 17-jährigen Zeugen von Haßfurt nach Zeil zu lotsen, um dort Rauschgift kaufen zu können. Daran hatte das spätere Opfer offensichtlich Interesse.

Als das 17-jährige spätere Opfer und sein 15-jähriger Kumpel in Zeil ankamen, offenbar um das Rauschgiftgeschäft zu tätigen, wurden sie von dem 17-jährigen Mitangeklagten empfangen und zum Übergabeort geführt. Dort wurden die beiden von mehreren Personen "umringt".

Hier kam es dann dazu, dass 100 Euro und ein Handy unfreiwillig die Besitzer wechselten und der 15-Jährige nur noch mit Boxershorts dastand.

Während sich die Täter mit seinem Kumpan beschäftigten, konnte der Jüngere wegrennen und in einer nahe gelegenen Gastwirtschaft die Polizei rufen. Mehrere Streifenwagen rückten an, wie die Verdächtigen von weiteren Bekannten von Haßfurt aus per Handy erfuhren. Sie suchten das Weite.

Wie der ermittelnde Kriminalhauptkommissar der Kripo Schweinfurt schilderte, konnte nach Sicherstellung eines Handys nachvollzogen werden, dass ein Rauschgiftgeschäft angebahnt werden sollte. Der Kripobeamte sagte weiter aus, dass sich einige der Angeklagten in der Tatnacht ein Alibi verschafften, indem sie zwei Mädchen aus dem Landkreis Bamberg baten auszusagen, dass sie zur Tatzeit zusammen waren. Das konnte der Kriminalhauptkommissar jedoch durch Vernehmungsgeschick schnell entkräften, so dass ihre Alibis platzten.

Sieben weitere Zeugen konnten ohne ihre Einvernahme entlassen werden. Franz Heinrich von der Jugendgerichtshilfe bescheinigte allen Angeklagten Reiferückstände und schädliche Neigungen; teils seien sie "Sorgenkinder der Jugendhilfe". Er schlug aber vor, Jugendstrafrecht anzuwenden.

Wie Richter Martin Kober feststellte, sind alle Angeklagten, außer dem 17-Jährigen, der das Rauschgiftgeschäft ankurbelte, laut Bundeszentralregister vorbelastet. Das Urteil des Jugendschöffengerichts lautete für einen 18- und einen 19-Jährigen ein Jahr und sechs Monate Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung; der 19-Jährige muss dazu 80 Arbeitsstunden ableisten. Acht Monate Freiheitsstrafe mit einer Bewährungszeit von drei Jahren erhielt ein weiterer 18-Jähriger, der auch jeden Wohnungswechsel melden muss. Allen Dreien wird für die Dauer von zwei Jahren ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt. Der 17-jährige "Lotse" muss 80 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten.