Es ist ein Tag des Innehaltens, des Mitgefühls und der Einkehr. Ein Tag, der in Friesen heuer ganz unter dem Eindruck der jüngsten furchtbaren Ereignisse in Paris, aber auch „vor unserer Haustüre“ stand: Schon seit jeher nimmt der Volkstrauertag in Friesen einen besonderen Stellenwert ein. In sehr berührender Art und Weise gedachte man auch heuer unter großer Anteilnahme der Bevölkerung der Opfer von Krieg, Zerstörung und Vertreibung. Im nunmehr dritten Jahr in Folge fand die Gedenkfeier zu abendlicher Stunde am Samstag vor dem Volkstrauertag statt, was ihr einen sehr stimmungsvollen Rahmen verlieh.
 
Der Gottesdienst wurde von Pater Waldemar in der Pfarrkirche zelebriert. Ein beeindruckendes Bild bot der anschließende Trauermarsch vom Gotteshaus zum - in ein sanftes Licht getauchten - Ehrenmal der gefallenen und vermissten Kameraden beider Weltkriege aus Friesen und Roßlach. Am feierlichen Zug nahmen Pater Waldemar und die Ministranten, die Ehrenzüge der Freiwilligen Feuerwehr Friesen und Roßlach, der Ehrenzug der Krieger- und Soldatenkameradschaft Friesen mit ihrem Kommandanten Bernhard Geiger, der Männerchor Cäcilia Friesen, der Musikverein Friesen sowie weitere örtliche Vereine mit ihren Fahnenabordnungen teil. Die Stadt Kronach wurde durch Stadträtin Marina Schmitt vertreten.
 
Am Ehrenmal bekundete Pater Waldemar Solidarität mit den Opfern beider Weltkriege, aber auch mit den weiteren Betroffenen von Gewalt und Terror. Insbesondere gedachte er auch der Opfer der Terroranschläge in Paris vom Vortag sowie den acht toten Babies von Wallenfels. Die politischen Verantwortlichen in Europa forderte er auf, gemeinsam gegen Krieg, Hass und Gewalt vorzugehen und sich mit ganzer Kraft für Freiheit und Gerechtigkeit einzusetzen.
 
„Gerade heute muss der Volkstrauertag mehr denn je ein Tag des Nachdenkens darüber sein, wie wir auf Gewalt reagieren und was wir für Freiheit und Menschlichkeit auf der Welt tun können“, appellierte Marina Schmitt. Wie seit 70 Jahren nicht mehr bewege uns gerade in diesen Wochen auch das unsägliche Leid von Menschen, die wegen grausamer Gewalttaten aus ihren Heimatländern fliehen mussten, nur um ihr Leben zu retten. Im Nahen Osten habe sich vor mehreren Jahren eine Völkerwanderung schwer traumatisierter Männer, Frauen und Kinder entwickelt – auf der Flucht vor den barbarischen Kämpfern des IS, die ihre Menschenverachtung nunmehr mitten im Herzen unseres Kontinents erneut brutal zur Schau gestellt hätten. Nachdem die Fluchtwelle auch Deutschland erreicht habe, stehe unser Land vor gewaltigen Herausforderungen. Täglich kämen Tausende zu uns, die vor allem eines wollten: Ein Leben in Frieden und Freiheit für sich und ihre Familien. „Ich bin stolz darauf, dass unser Land und die übergroße Mehrheit der Bürger trotz aller Schwierigkeiten diesen Menschen Unterschlupf gewährt haben“, betonte sie. Ihr selbst fehle jegliches Verständnis für die mangelnde Solidarität innerhalt der Europäischen Union. Jetzt müsse schnell gemeinsam gehandelt werden, denn nur gemeinsam könne man in Europa hilflosen Menschen ein Obdach gewähren und die Bekämpfung der Fluchtursachen - Gewalt und Terror - angehen. Wir alle seien aufgefordert, unseren Beitrag zum Erhalt des Friedens zu leisten. So seien für ein friedvolles, soziales Miteinander Achtung und Toleranz gegenüber den Mitmenschen unabhängig von ethnischer Herkunft oder religiösen oder persönlichen Weltanschauungen entscheidend – im Kleinen wie im Großen. Wer jetzt danach schreie, die Grenzen gegen Flüchtlinge abzuschotten, habe den Terror nicht verstanden. Es sei vielmehr höchste Zeit, sich dem Epizentrum dieser Bedrohung zu nähern. „Europa kann dem Ordnungszerfall in seiner Nachbarschaft nicht länger zuschauen. Ein bisschen Flüchtlingshilfe, der geringe politische und wirtschaftliche Druck und der ungebremste Waffenhandel – Sie werden die Gefahr nicht bannen“, zeigte sie sich sicher. Menschlichkeit und Frieden zu bewahren: Dieses Vermächtnis hätten uns auch die Kinder, Frauen, Männer und Soldaten hinterlassen, die in den beiden Weltkriegen des letzten Jahrhunderts ihr Leben verloren hätten. Ihr Dank galt Barbara Jakob für ihre sorgsame Pflege des Ehrenmals das ganze Jahr über.        
 
In Ehrfurcht vor den Kriegs- und Terroropfern legte Schmitt namens der Stadt Kronach zusammen mit dem Ehrenvorsitzenden Reinhard Schülein sowie dem Vorsitzenden Bernd Stöcker der Krieger- und Soldatenkameradschaft Friesen einen Kranz am Ehrenmal nieder. Beim abschließend vom Musikverein Friesen intonierten „Lied vom guten Kameraden“ erfolgten Salutschüsse. Am Samstag wie auch am Sonntag übernahmen Mitglieder der Krieger- und Soldatenkameradschaft Friesen die Ehrenwache am Ehrenmal.

hs