Eisenach bietet sehr viel Kultur auf relativ kleinem Raum. Deshalb ist es ein lohnendes Ziel für eine Studienfahrt – erst recht, wenn es zahlreiche unterrichtliche Anknüpfungspunkte gibt. Dies gilt in besonderer Weise für die achte Jahrgangsstufe. Die vier Klassen derselben wurden von einem frühwinterlichen Thüringen empfangen, nachdem die beiden Busse den langen Rennsteigtunnel verlassen hatten – ungewöhnlich für Mitte Oktober (14.10.)! Am Frauenplan in Eisenach angekommen, teilten sich die vier Klassen in zwei Gruppen. Die eine besuchte das Bach-, die andere das Lutherhaus, um dann eine Stunde später zu wechseln.

Musikgenuss

Bekannte Melodien von Johann Sebastian Bach, einem berühmten Sohn der Stadt, spielte den Jungen und Mädchen ein Abiturient vor, der in dem Geburtshaus Bachs ein freiwilliges kulturelles Jahr absolviert und sehr schnell den richtigen Ton für die Jugendlichen fand. Das Besondere dabei: Er spielte auf historischen Instrumenten! Beim anschließenden Rundgang durch das Bachmuseum waren vor allem die hängenden Sitzkugeln begehrt, in die man sich bequem setzen, schwingen und sich auf Bachs Musik einlassen konnte.

Bibel für alle

Bachs Musik noch im Ohr besuchten die Jungen und Mädchen das nahegelegene Lutherhaus, einem der ältesten und schönsten Fachwerkhäuser Thüringens. Bei Familie Cotta  hatte Luther als Lateinschüler in Eisenach, das er als „meine liebe Stadt“ bezeichnet hatte, gewohnt. In dem vor wenigen Tagen wiedereröffneten Lutherhaus bearbeiteten die Schülerinnen und Schüler einen Fragenkatalog zu der Dauerausstellung „Luther und die Bibel“, die verdeutlichte, dass „die Bibel für alle“ eine Herzensangelegenheit Martin Luthers war. Die Jungen und Mädchen erkannten schnell, wie wichtig es ist, sich beim Vokabellernen alle Wortbedeutungen anzueignen, denn auch Luther hatte sich jeweils für die im Kontext beste Übersetzungsvariante entscheiden müssen. Nach der Studienfahrt durften In einer der Religionsunterrichtsgruppen die Schülerinnen und Schüler Lehrer spielen, indem sie die Antworten in den Fragebögen korrigierten und bewerteten.

Konzentrierte Geschichte

Nach der Mittagspause in der Eisenacher Fußgängerzone fuhren die Achtklässler in Richtung Wartburg. Der abschließende steile Aufstieg durch den schneebedeckten (!) Wald wurde mit einem herrlichen Blick auf das Weltkulturerbe belohnt. In altersgerechten, anschaulichen Führungen setzten die Begleiter von der Wartburgstiftung gezielt Schwerpunkte: „Die heilige Elisabeth von Thüringen“, „Der Sängerwettstreit“ und Luther auf der Wartburg“. Großen Eindruck hinterließ der Festsaal im Obergeschoss des Palas, wie die Reaktion eines Schülers zeigte: „In solch einem tollen Saal würde ich auch gerne einmal mein Abiturzeugnis feierlich überreicht bekommen – so wie die Eisenacher Gymnasiasten!“
 
StD Richard Breitenbach