Schon beim Hinaufsteigen der Treppen im BRK-Seniorenhaus Kronach hört man die fröhlichen Klänge, die an diesem Nachmittag die Station 6 durchdringen und mit Leben erfüllen. Birgit Geßlein ist da und hat „natürlich“ ihr Schifferklavier mitgebracht. Mit ihrer heißgeliebten „Ziechkatz“ gibt die Eichenbühlerin - schon seit Langem gern gesehener Gast in der Einrichtung - die Melodie vor und beginnt zu singen. Sogleich stimmen die Heimbewohner, die es sich in geselliger Runde im Mehrzweckraum der Station gemütlich gemacht haben, in die wohlbekannten Texte der schönen alten Lieder mit ein.
 
„Musik und Gesang ist gesund für Körper, Geist und Seele“ – Davon ist die Vollblutmusikantin überzeugt, die eine breite Auswahl von altem und neuem Liedgut auf dem Akkordeon in ihrem weit gefächerten Repertoire hat. Die Senioren lieben insbesondere die schönen alten Lieder – Volkstümliches, aber auch alte Schlager und Oldies. „Es ist für mich immer wieder wunderschön zu erleben, wie die Menschen auf meine Musik reagieren und welche Freude ich ihnen damit machen kann. Wenn ich ihre glücklichen Gesichter sehe, ist das für mich der schönste Lohn“, erzählt die Entertainerin und Komödiantin - in unseren Gefilden insbesondere in ihrer Paraderolle als neugierige Klatschtante „Retl“ bekannt - sichtlich bewegt. Zwei Termine sind für sie wie auch für die ehemalige Mitarbeiterin der Einrichtung, Marianne Schmidt, Jahr für Jahr fix: Die Weihnachtsfeier im Dezember und der Mai, wenn gemeinsam der Frühling musikalisch begrüßt wird. „Die Weihnachtsfeier ist der Höhepunkt. Marianne Schmidt bringt hierfür immer selbst gebackenen Stollen mit. Wir singen zusammen Weihnachtslieder und stimmen uns auf Weihnachten ein. Das sind für uns alle immer herrliche Sunden“, freut sich Birgit Geßlein, die dem BRK-Seniorenhaus schon lange freundschaftlich verbunden ist. Bei der Frühlingsfeier gibt es alljährlich leckere Mai-Bowle. Dabei werden fröhliche Volks-und Frühlingslieder aus der Heimat angestimmt, während zu Weihnachten die traditionellen, besinnlichen Lieder erklingen.
 
Darüber hinaus war die fränkische Frohnatur beispielsweise auch einige Male beim Singkreis - ein wöchentliches Angebot für die Heimbewohner - zu Gast und bereicherte diesen mit ihrer Musik. „Ein besonders schönes Erlebnis war für mich, als ich zusammen mit einer Mitarbeiterin der Einrichtung einfach einmal spontan durch das Haus gelaufen bin. Ich habe mit den Bewohnern geredet und für sie auch ein wenig Musik mit dem Akkordeon gemacht – ebenso wie bei den bettlägerigen und kranken Bewohnern, die wir in ihren Zimmern besuchten. Das war ein ganz enger, intensiver und persönlicher Kontakt. Die Senioren haben sich so über einige gute Worte und die Aufmerksamkeit, die ich ihnen geschenkt habe, gefreut. Das waren ganz berührende Momente“, erinnert sie sich mit Tränen in den Augen. Von den alten Leuten erhalte man so viel Dankbarkeit zurück – beispielsweise auch auf der Demenzstation, wo Birgit Geßlein auch schon Musik gemacht hat. Es sei immer wieder ergreifend für sie, wie die Heimbewohner die alten Liedtexte sofort parat hätten. Nicht umsonst nehme die Musik gerade an Seniorenhäusern oder anderen Einrichtungen eine wichtige Rolle ein, wovon auch sie selbst überzeugt ist.
 
„Singen ist Balsam für die Seele. Musizieren löst Emotionen. Musik ist Therapie“, weiß die ausgebildete Pädagogin, die die Senioren unter pädagogischer Anleitung in ihrer gesamten Persönlichkeit anspricht. Es ist wichtig, sich auf sein Gegenüber und dessen Situation einzulassen. Man spricht dabei von validieren“, erklärt die Musikantin, die auch für Menschen in sozialen beziehungsweise sonderpädagogischen Einrichtungen, in Selbsthilfegruppen sowie Kliniken gerade auch in schwierigen Lebenslagen oder bei Trauerfeiern spielt. Neben ihrem pädagogischen Wissen und ihrem psychologischen Hintergrund kommt ihr dabei auch ihre 25-jährige Bühnenerfahrung zugute.
 
Den Heimbewohnern möchte sie mit ihren Besuchen und ihrer Musik etwas Gutes tun, ihnen Ablenkung vom Alltag schenken und Spaß bereiten. Wie wertvoll und beglückend diese Stunden für die Senioren sind, bestätigt auch Marina Zwingmann vom BRK-Seniorenhaus Kronach. Die ausgebildete Betreuungskraft verbringt regelmäßig viele Stunden mit den Bewohnern. „So eine schöne Abwechslung ist immer etwas Besonderes für uns“, sagt sie. „Die Bewohner schwärmen noch Tage danach davon. Das gemeinsame Singen weckt auch Erinnerungen an früher, als es noch normal war, sich zusammen zu setzen und aus Spaß an der Freude zu singen.“ Marina Zwingmann und die Heimbewohner freuen sich schon sehr auf das nächste „Gastspiel“ von Birgit Geßlein, das glücklicherweise nicht mehr allzu lange auf sich warten lässt. Pünktlich zum närrischen Endspurt wird das quirlige Energiebündel nämlich am Faschingsdienstag für die Heimbewohner und deren Angehörigen einen Faschings-Nachmittag in der Einrichtung gestalten – garantiert mit jeder Menge Spaß und bester Unterhaltung! 

Heike Schülein