In der anschließenden Eucharistiefeier brachte Pfarrer Schaffer zum Ausdruck, dass Versöhnung und Frieden mehr denn je gefordert seien. Dabei erinnerte er an die Worte des 2. Vatikanischen Konzils, dass Friede nicht nur darin besteht, dass kein Krieg ist, sondern eigentlich ein „Werk der Gerechtigkeit“ und deshalb auch eine immer wieder neu zu erfüllende Aufgabe.

Stadtrat Winfried Lebok begrüßte zur alljährlichen Gedenkfeier alle Anwesenden recht herzlich. Sie fand diesmal im Blick auf das Ehrenmal in der Kirche statt, da das Wetter keine andere Möglichkeit anbot. Pfarrer Schaffer betete nun für die Gefallenen, Verstorbenen beider Weltkriege und auch der Nachkriegszeit. Nach dem Choral durch die Flößerkapelle, die die Feierstunde wie gewohnt  würdig umrahmte, erinnerte Winfried Lebok in seiner Gedenkrede an einige Mitbürger, z.B. Georg Kempf, der mit 17 Jahren in einen Krieg zog, in denen er, wie leider auch andere Neuseser Bürger ihr Leben verloren. Mit deutlichen Worten und Gedanken brachte er die Anwesenden zum Nachdenken. Dabei zitierte er die Worte von Albert Einstein, die er auf einem Soldatenfriedhof gelesen hatte: „Ich weiß nicht mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg geführt werden wird, aber im vierten Weltkrieg wird wieder mit Stöcken und Steinen gekämpft“. Realität ist leider, dass heute wieder, teilweise 15-jährige zum Beispiel für den islamischen Staat kämpfen wollen, und er endete mit den Worten des amerikanischen Physikers Edward Teller, der gesagt hat: „Der Krieg ist nicht undenkbar, aber es ist unangenehm an ihn zu denken. Deshalb gibt es nur einen Weg, ihn zu vermeiden; man muss ständig an ihn denken“.
 
Im Namen aller Neuseser Vereine legte Günther Hanna, von der Soldatenkameradschaft Neuses, im Gedenken an die Gefallenen, Vermissten und Vertriebenen aus der Gemeinde Neuses einen Kranz nieder. Dabei erinnerte er daran, dass vor genau 70 Jahren der zweite Weltkrieg geendet hatte und in den 6 Jahren Krieg in der gesamten Welt 55 Millionen Menschen ihr Leben verloren, als Soldaten, als Opfer des Luftkrieges, als Flüchtlinge und Vertrieben und als Opfer von Gewaltherrschaft. Aber auch heute noch gibt es weltweit und wie wir erst schmerzlich in der letzten Zeit erfahren mussten immer noch Kriege, Unterdrückung, Verfolgung, Vertreibung und Mord. Der Volkstrauertag muss deshalb ein Zeichen der Erinnerung und der Dankbarkeit für die Toten, aber auch ein Zeichen der Verbundenheit und das Mitgefühls für die Hinterbliebene sein und so ist der Volkstrauertag immer noch aktuell. Denn mit ihm verbindet sich neben Last und Schmerz auch Hoffnung: Die Hoffnung, dass der Tod von Millionen nicht vergebens war, die Hoffnung, dass die Nachkommen daraus lernen; die Hoffnung, dass wir Menschen alles daran setzen, den Frieden zu bewahren. Bausteine dazu sind: Mehr Achtung vor unseren Mitmenschen, mehr Verständnis und mehr Hilfsbereitschaft und mehr Verantwortung für den Nächsten.

Am Ende der eindrucksvollen und bedenkenswerten Feierstunde, bedankte sich Stadtrat Winfried Lebok bei allen Teilnehmern, besonders bei Pfarrer Baptist Schaffer, der Flößerkapelle und der Soldatenkameradschaft Neuses.

Günther Hanna