Der Weg vom Urknall, mit dem das Universum entstanden ist, bis zum ersten Menschen, ist 46 Meter lang. Ein schwarzes Band haben Schüler und Lehrer der Montessori-Schule Mitwitz beim Tag der offenen Tür von der Turnhalle aus bis zur Aula verlegt, um die Zeitverhältnisse bei der Entstehung der Erde zu verdeutlichen. Ein Zentimeter entspricht dabei einer Million Jahre. Erst nach 40 Metern beginnt das Erdmittelalter mit der Entwicklung von kleinen Lebewesen, wie Amöben, und die Menschheitsgeschichte nimmt kaum einen Zentimeter ein.

Anschaulich vermittelt diese Erzählung von der Entstehung des Lebens, die Maria Montessori geschrieben hat, wissenschaftliche Erkenntnisse – unvorstellbare Zeiträume werden erfahrbar. Genau das macht den Erfolg der Montessori-Pädagogik aus, die laut Schulleiter Mathias Schmitt die kindgerechteste Form der Erziehung sei. Belegt haben das zahlreiche Hirnforscher und Pädagogen. „Durch die Bereitstellung geeigneter Lernräume findet jeder Schüler die bestmöglichen Voraussetzungen, um die Welt zu erforschen und zu erkunden“, betonte der Schulleiter. Das schaffe die Voraussetzungen für ein lebenslanges Lernen, wie es die moderne Berufswelt erfordert.

Wie das funktioniert, erlebten die zahlreichen Besucher in den offenen Klassenzimmern. Mit einem Gemeinschaftserlebnis beginnt der Unterricht in der Grundschule jeden Morgen. Die Schüler der Lerngruppe 4 (3. und 4. Klasse) begrüßen sich im Morgenkreis per Handschlag, entzünden eine Kerze und sorgen mit dem Verlesen des Kalenders für Orientierung im Wochenlauf. Anhand der Geschichte eines Bergsteigers erarbeiten sich die Schüler gemeinsam mit Lehrerin Tamara Straub und Pädagogin Heike Freund den Aufbau einer Erzählung anhand der einzelnen Textbestandteile von der Überschrift bis zur Schlusspointe. Mit einem Faden verbindet die Lehrerin die ausgelegten Textbausteine, um die Spannungskurve zu verdeutlichen.

Anschließend wählen die Schüler selbstständig Aufgaben aus, die sie in der Freiarbeit vertiefen wollen. So übt Lara mit Zahlenperlen die Addition. Indem sie für Einser-Einheiten je eine Perle legt und die größeren Einheiten mit Zehnerstäben, Hunderter-Tafeln und Tausender-Blöcken dazulegt, hat sie fast spielerisch 7629 und 1897 zusammengezählt. Nebenan üben die anderen Schüler Dividieren, schreiben Aufsätze oder üben sich in Grammatik. Die Pädagogen geben Anleitung, wenn sie mal nicht weiterwissen.

Dass zum Lernen mit allen Sinnen auch Kreatives gehört, erlebten die Besucher in der Kunstwerkstatt beim Arbeit mit Ton und Aquarellfarben, in der Holzwerkstatt, wo sie einen Bleistift-Spitzer-Roboter selbst bauen durften, bei der Kneipp-Vorstellung, wo es Düfte zu erkennen galt, oder beim Führen der Schulhunde durch einen kleinen Parcours. Eindrucksvoll auch die Vorstellung des Erdkinderplans, der es Schülern der Mittelstufe ermöglicht, auf einem schuleigenen Grundstück gärtnerische und handwerkliche Erfahrungen zu machen, die den Jugendlichen in dieser Entwicklungsphase eine sinnvolle Ergänzung zum theoretischen Unterricht ermöglichen.

Rund 270 Kinder und Jugendliche besuchen die Montessori-Schule Mitwitz inzwischen und bereiten sich so auf Mittelschul-Abschluss, Quali oder den Mittleren Schulabschluss vor. Die Tendenz ist steigend – auch dank der zehn eigens eingerichteten Buslinien, die Schüler aus fünf Landkreisen nach Mitwitz befördern. Erweitert wird das Bildungsangebot, um die Möglichkeit das  Fachabitur abzulegen, mit der Eröffnung der Montessori-Fachoberschule in Kronach ab dem Schuljahr 2017/18. Beginnend mit der Fachrichtung Sozialwesen, soll das Angebot in den folgenden Jahren um die Zweige Gestaltung und Agrarwirtschaft erweitert werden.

Informationen gibt’s unter www.montessori-mitwitz.de und www.fos-montessori-kronach.de sowie bei einem Tag der offen Tür am Samstag, 11. März, von 14 bis 16 Uhr im neuen FOS-Gebäude in der Haßlachgasse 4 in Kronach.