Seit Juli leitet er das Profiteam des Zweitligisten Greuther Fürth und gilt als akribischer Arbeiter: Cheftrainer Stefan Ruthenbeck (43). Er passte von Anfang an sehr gut ins Anforderungsprofil von SpVgg-Präsident Helmut Hack, der - wie schon bei Mike Büskens oder Frank Kramer - auf unverbrauchte Trainer mit Potenzial setzt. Ruthenbeck will Überzeugung vermitteln und an die Verantwortung jedes Einzelnen appellieren. Wie er die Hinrunde bislang erlebt hat, und wo er mit seinem Team am Ende der Spielzeit stehen möchte, darüber spricht er heute im Interview.

Zwei Spiele stehen vor der Winterpause noch aus - auswärts in Karlsruhe und zuhause gegen Leipzig. Wie sehen Ihre Vorgaben für beide Begegnungen aus?
Ruthenbeck: Natürlich wollen wir noch so viele Punkte wie möglich einfahren, auch wenn es zwei starke Gegner sind. Die Liga ist aber so eng, dass man auch gegen Top-Mannschaften wie Leipzig immer was holen kann, das haben andere Mannschaften bereits gezeigt. Von daher ist unser Ziel einfach: weiter Punkte einfahren!

Wie sieht generell Ihr erstes Fazit der Hinrunde aus?
Wir haben die Zielsetzung, eine stabile Saison zu spielen. Das ist uns häufig geglückt, aber wir spüren gerade so, dass auch ein bisschen mehr hätte drin sein können. Das ist schade, dass wir da nicht so zugegriffen haben. Eine stetige Weiterentwicklung ist wichtig, und wir wollen dann künftig auch solche Spiele wie zuletzt gegen Kaiserslautern oder zu Saisonbeginn auf St. Pauli für uns entscheiden.

In den letzten zehn Begegnungen gab es vier Siege, vier Niederlagen und zwei Unentschieden. Spiegeln diese Ergebnisse auch die Ausgeglichenheit von Greuther Fürth wider?
Auf jeden Fall, genau so sieht es aus. Jeder kann jeden schlagen. Das ist auch das Gefährliche in diesem Jahr, weil man selbst dann noch nach unten schauen muss, wenn man Siebter oder Achter oder Neunter ist. Wir müssen weiter kontinuierlich punkten, das ist wichtig.

Wo sehen Sie Ansatzpunkte, damit die Mannschaft insgesamt kompakter agieren kann?
Kompakt sind wir auf jeden Fall, aber ich denke, Sie sprechen auf die vielen Gegentore an. Wir müssen versuchen, in gefährlichen Räumen besser zu verteidigen, müssen versuchen, dass wir in gefährlichen Situationen konsequenter sind.

Gibt es Überlegungen, in der Winterpause am Kader Änderungen vorzunehmen? Und wenn ja, wo sehen Sie Handlungsbedarf?
Es gibt da immer Überlegungen, weil man auch den Markt immer beobachten muss. Man weiß nie, ob nicht noch kurzfristig ein Spieler geht. Aber ob wir wirklich was machen, das hängt auch davon ab, wie die letzten beiden Spiele vor der Winterpause verlaufen, wo wir danach in der Tabelle stehen. Aber es ist noch zu früh, da jetzt schon Prognosen abzugeben.

Laut Spekulationen könnte auch Domi Kumbela gehen, von dem Sie sich mehr Durchschlagskraft erhofft hatten. Trifft das zu?
Es gibt auch zu Domi Kumbela eine Geschichte zu erzählen: Er war zu Beginn einfach nicht fit gewesen, als er zu uns kam, er war danach auch viel verletzt. Es ist einfach für ihn auch unglücklich gelaufen. Klar sind wir mit Domi grad nicht so zufrieden, aber er mit sich selber bestimmt auch nicht! Es sind aber eben viele Sachen einfach unglücklich gegen ihn gelaufen.

Wie haben Sie sich generell in Fürth eingelebt?
Sehr gut. Ich hab eine kleine Wohnung hier, die Familie ist regelmäßig da - also sehr, sehr gut.

Hat das Team Ihre Mentalität bereits verinnerlicht?
Unsere Philosophie hat sie schon verinnerlicht, wir spielen einen anderen Fußball, haben mehr Ballbesitz. Die Mannschaft sucht auch Zweikämpfe - gewinnt sie nicht immer - aber da ist schon einiges, was wir verändert haben. Viele Dinge passen schon, aber wir müssen natürlich gewisse Abläufe immer weiter verbessern.

Wie weit ist das Spiel der Mannschaft von Ihren Idealvorstellungen entfernt? Gab es eine Begegnung, wo Sie sagen, das war nah dran?
Nee, das gab es nicht. Von "Idealvorstellung" zu sprechen ist immer schwierig, weil es immer einen Gegner gibt. Es wird Spiele geben - wenn ich da an das 0:0 gegen Bielefeld denke - wo die Zuschauer sagen, das war kein schöner Fußball, die Mannschaft hat da aber viel richtig gemacht, es war halt nicht so durchschlagskräftig nach vorne. Und andere Spiele wird es geben, mit dem die Fans super zufrieden waren, wie beim 3:0 gegen Paderborn, wo ich aber Dinge gesehen habe, die mir nicht so gut gefallen haben. Was aber schon richtig gut war, das war das Spiel zu Saisonbeginn in Leipzig. Danach hatten wir auch immer wieder richtig gute Phasen: eine Halbzeit in Heidenheim, eine Halbzeit in Sandhausen, 70 Minuten gegen Kaiserslautern. Aber wie gesagt: Es gibt eben auch immer einen Gegner, der dagegen hält.

Wie lautet Ihr Saisonziel?
Wir wollen eine stabile Saison spielen und nichts mit dem Abstieg zu tun haben.

Hat sich denn Ihre Familie mit der Fernbeziehung gut eingerichtet? Oder gibt es Beschwerden Ihrer Töchter, dass Papa viel zu weit weg ist?
Na klar, die Beschwerden gibt es immer wieder. Aber trotzdem: Die Mädels sind oft da und das funktioniert. Wir sind es ja auch schon gewohnt aus meiner Zeit in Aalen, und das geht ganz gut.


Wo liegt für Sie das Besondere an der SpVgg Greuther Fürth?
Ich denke, die Philosophie des Vereins. Trotz Ergebnis-Fußballs wird hier viel Wert auf die Ausbildung junger Fußballer gelegt, man sucht junge Spieler, will junge Spieler weiter entwickeln. Und ich glaube, das ist nicht so typisch für die erste und die zweite Liga.

Haben Sie auch schon Lieblingsplätze in der Stadt für sich entdeckt?
Es gibt einige schöne Plätze in Fürth. Ich geh gerne mal auf einen Cappuccino in die Gustavstraße, da gibt's ja viele nette Lokale. Und im neuen Kino in der Innenstadt hat's mir auch ganz gut gefallen.

Das Gespräch führte
Peter Groscurth