In der ehemaligen Sporthalle ist alles für die Abstimmung vorbereitet. Dort, wo einst US-Soldaten beim Basketball auf Korbjagd gingen, steht nun ein improvisiertes Wahllokal für das Verfassungsreferendum in der Türkei. Auf den hufeisenförmig angeordneten Tischreihen stehen Urnen für die Stimmzettel bereit. Die aufgestellten Absperrbänder geben einen Vorgeschmack auf den zu erwartenden Menschenandrang. "Die Nagelprobe werden wir an den beiden Wochenenden erleben. Ich hoffe, wir bekommen den Ansturm einigermaßen in den Griff", sagt Mathias Kreitinger. Besonders die schlechte Parkplatzsituation bereitet dem Leiter des städtischen Ordnungsamtes in Fürth einige Kopfschmerzen.


Maßnahmen gegen das befürchtete Verkehrschaos

Vor der "Grünen Halle", die man kurioserweise in sienarot gestrichen hat, gebe es nur 30 Stellplätze. Deshalb habe die Stadt umliegende Stellflächen kurzfristig in Kurzparkzonen umgewandelt, um auf die anrollende Blechlawine vorbereitet zu sein. Ein benachbarter Türkisch-Islamischen Kulturverein und eine freie Christengemeinde hätten dankenswerterweise ebenfalls ihre Parkplätze für die Volksabstimmung zur Verfügung gestellt, berichtet Kreitinger vom Ordnungsamt. Ehrenamtliche Parkanweiser sollen helfen, das befürchtete Verkehrschaos rund um die Halle zu vermeiden. Eine Sprecherin des türkischen Generalkonsulats im benachbarten Nürnberg versichert, dass man die türkischen Wahlberechtigten dazu aufrufe, mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Fürth zum umstrittenen Urnengang zu reisen.


Abstimmungsort nur über eine einzige Straße zu erreichen

Die Stadt Fürth hofft inständig darauf, dass viele dieser Aufforderung nachkommen. Realisten gehen freilich davon aus, dass es anders kommen wird. Der Abstimmungsort ist zu allem Überfluss nur über eine einzige enge Straße zu erreichen. Zwei Straßenkreuzer dürften auf dieser die größte Mühe haben, im Gegenverkehr ohne Kratzer aneinander vorbeizukommen. Außerdem liegt die Halle in einem Wohngebiet. Anwohner hatten mit ihren Protesten kürzlich schon dafür gesorgt, dass aus der Veranstaltungshalle ein Bürogebäude wird. Besonders die türkischen Hochzeiten sollen den Anliegern in ihrem schmucken Häusern nachts den Schlaf geraubt haben. Die Halle liegt auf einem ehemaligen Kasernengelände, das nach dem Abzug der Amerikaner zu einem an einen Exerzierplatz erinnernden Park umgebaut worden ist.

Die Wohnungen mit Blick auf den "Südstadtpark" mit der "Grünen Halle" sind genauso beliebt wie begehrt. Im Sommer gab der frühere Privatbetreiber auf und verkaufte die an ein Architekturbüro. "Schade, dass die ,Grüne Halle` zu ist, hier war immer etwas los", ärgert sich ein Passant am Freitagvormittag und schimpft auf die seiner Meinung nach viel zu empfindlichen Ohren der betuchten Anwohner. Nebenan hüpft eine Frau von ihrem Fahrrad und hält vor einem chicen Reihenhaus. "Ich habe keine Angst vor einem Verkehrschaos. Den zweiwöchigen Trubel halten wir aus. Wir haben so viele türkische Freunde. Die sind alle in Ordnung", sagt die Frau und fügt nach kurzen Pause nachdenklich hinzu. "Wir haben europäische Türken keine arabischen Türken als Freunde", sagt die Anwohnerin und blickt nachdenklich auf die gegenüberliegende Halle, die ab Montag zum Wahllokal für 65.000 Türken wird. Angst vor Ausschreitungen rund um die bevorstehende Abstimmung direkt vor ihrer Haustüre habe sie nicht. Die Polizei hat angekündigt, zusätzliche Streifen rund um das Wahllokal bereitzustellen.


Stimmabgabe von Montag bis Sonntag zwischen 9 und 21 Uhr möglich

In Fürth hofft man, dass der Ansturm der türkischen Wähler am Ende doch nicht schlimm wird. Viel wird von den Wahlbeteiligung abhängen. Bei den letzten Wahlen zum türkischen Parlament in Nürnberg lag die Wahlbeteiligung bei rund 30 Prozent. Beobachter gehen davon aus, dass bei der Abstimmung über Erdogans Verfassungsreform mehr Menschen mit türkischem Pass an der Wahl teilnehmen werden. Die Stimmabgabe ist von Montag bis Sonntag zwischen 9 und 21 Uhr möglich. Das Konsulat habe die "Grüne Halle" als Wahllokal gemietet, weil die eigenen Räumlichkeiten nicht groß genug seien. In Nürnberg leben allein rund 19.000 Wahlberechtigte (davon rund 2.200 mit dem sog. Doppelpass). Genau 4706 Stimmberechtigte leben im kleineren Fürth.