Nach dem Unwetter ist vor dem Unwetter - keine Entwarnung durch DWD
  • Nach den schweren Unwettern am Dienstag gehen die Aufräumarbeiten weiter
  • Es bleibt sehr warm um die 30 Grad
  • Der DWD warnt weiter vor schweren Gewittern in Teilen Bayerns


    Update 30.05.2018, 18 Uhr: Kreis Bad Kissingen - Unwetter bringt Schlamm und Wassermassen

    Nach dem schweren Unwetter im Kreis Bad Kissingen laufen die Aufräumarbeiten. "So was haben wir noch nicht erlebt", hieß es allerorten.

    Update 30.05.2018, 7.30 Uhr: Keine Entwarnung durch den DWD, Aufräumarbeiten in NRW gehen weiter
    Nach den teils heftigen Unwettern in Nordrhein-Westfalen sind Polizei und Feuerwehr vielerorts noch im Einsatz. "Wir müssen die Keller leer bekommen", sagte ein Sprecher der Wuppertaler Feuerwehr am Mittwochmorgen. Knapp 550 Feuerwehrleute seien in der Stadt im Einsatz, viele davon bereits seit mehr als 15 Stunden. Wie bereits am Dienstagabend und in der Nacht zum Mittwoch müssten Keller leergepumpt und Straßen freigeräumt werden. Das Unwetter hatte in Wuppertal erhebliche Schäden angerichtet. Wassermassen drangen nach Polizeiangaben unter anderem in ein Wuppertaler Einkaufszentrum ein.

    Bei Kleve musste am frühen Mittwochmorgen ein Autobahnzubringer vollgesperrt werden, um die Fahrbahn zu reinigen. Überschwemmungen hatten die Straße nicht mehr befahrbar gemacht. Andernorts waren die Aufräumarbeiten am Mittwochmorgen bereits abgeschlossen: "Bei uns in Schwelm sind die Keller leer", sagte ein Sprecher der Schwelmer Feuerwehr, die am Vortag auch in Wuppertal ausgeholfen hatte. "Wir müssen nur noch unsere Geräte saubermachen."

    Entwarnung gaben die Experten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Mittwochmorgen noch nicht. In den östlichen Mittelgebirgen und an den Alpen könnte es den ganzen Mittwoch kräftig krachen. Auch Starkregen und Hagel sind durch die schweren Gewitter möglich, wie der DWD mitteilte. Erst zum Wochenende hin beruhigt sich das Wetter - ab Samstag können sich die Menschen wieder über mehr sonnige Stunden freuen.



    Die Unwetter sind vorerst vorbei, nun gehen die Aufräumarbeiten nach den starken Niederschlägen am Dienstag weiter. Vor allem in Nordrhein-Westfalen waren am Vortag durch Starkregen zahlreiche Straßen, Keller und Gebäude überflutet worden. Stellenweise fiel so viel Regen wie sonst in einem ganzen Monat. Im Raum Wuppertal gab es erhebliche Schäden. Eine Frau im Ruhrgebiet wurde durch einen Blitzschlag verletzt. Auch in Niedersachsen, Hessen und Bayern kam es zu Überschwemmungen.

    In Wuppertal liefen die Wassermassen am Dienstag in Häuser und Geschäfte und richteten nach Angaben der Stadt erheblichen Schaden an. Das Dach eines Universitätsgebäudes stürzte ein, in der Innenstadt knickte ein Tankstellendach weg und beschädigte mehrere Autos.

    In der Spitze fielen im Raum Wuppertal nach Informationen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) 100 Millimeter Regen, also 100 Liter auf den Quadratmeter. "Das war schon extrem und ist in der Regenmenge etwa das, was normalerweise im Laufe eines Monats fällt", sagte ein Sprecher am Mittwoch.

    "Die Infrastrukturschäden werden ganz erheblich sein", sagte eine Sprecherin der Stadt Wuppertal. Die Reparatur- und Aufräumarbeiten könnten mehrere Tage dauern - mindestens.
    Heftige Regenfälle gab es am Dienstag auch in Aachen. Dort registrierte die Feuerwehr am späten Nachmittag mehrere Hundert Notrufe. Im Keller eines Einkaufszentrums stand das Wasser nach Stadtangaben etwa eineinhalb Meter hoch.

    In Oberhausen im Ruhrgebiet wurde eine Frau durch einen Blitzschlag verletzt. Sie hielt sich nach Angaben der Feuerwehr am Dienstagnachmittag im Freien auf, als in der Nähe der Blitz einschlug. Sie wurde zwar nicht direkt getroffen, kam aber anschließend ins Krankenhaus.

    Auch über Hessen tobten am Dienstagnachmittag Unwetter. Vor allem in Nord- und Mittelhessen richtete der Starkregen Schäden an. In Marburg musste ein Einkaufszentrum evakuiert werden.
    In Niedersachsen war vor allem der Süden betroffen. In Bad Gandersheim im Landkreis Northeim sorgte starker Regen für überflutete Straßen. "Alles, was verfügbar ist, ist im Einsatz", sagte ein Sprecher der Polizei.


    Starke Niederschläge und viele Feuerwehreinsätze in Unterfranken

    Auch in Teilen Bayerns tobten Unwetter. Vor allem in Unterfranken mussten Einsatzkräfte der Feuerwehr zu vollgelaufenen Kellern ausrücken. Einsatzschwerpunkt war der Landkreis Schweinfurt. Hunderte Notrufe seien eingegangen, teilte ein Sprecher des Bayerischen Roten Kreuzes mit. Auch in der Oberpfalz gab es zahlreiche unwetterbedingte Einsätze.

    Für den Mittwoch gab der Deutsche Wetterdienst (DWD) keine Entwarnung. "Es ist keine Entspannung in Sicht", sagte ein Sprecher am Morgen. Vom Nordwesten bis in den Osten und Südosten sowie lokal im Südwesten werde es teils wieder kräftige Schauer und Gewitter geben. "Es wird wieder krachen", sagte der Sprecher.


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    Noch sind die Unwetter nicht abgeklungen - aber bereits jetzt ist klar, dass die Gewitter in vielen Teilen Deutschlands für teils erhebliche Schäden gesorgt haben. Auch in Franken laufen erste Meldungen über Schäden ein. "Die Meldungen gehen im Minutentakt ein", sagte ein Polizeisprecher in Unterfranken.


    Überflutungen und Unfälle- heftige Regenfälle in Unterfranken


    Demnach haben heftige Regenfälle am Dienstagabend rund um Schweinfurt mehrere Keller unter Wasser gesetzt und Straßen überflutet. Mehr als 50 Anrufe seien bis zum frühen Abend allein bei der Polizei eingegangen. "Wir leiten das der Feuerwehr weiter."

    In Elfershausen (Landkreis Bad Kissingen) trat nach Angaben des Sprechers ein Bach über die Ufer. Das Wasser sei in ein Mehrfamilienhaus geflossen. Die Anrufer hätten von angespültem Schlamm berichtet.

    Laut Polizei gab es auch etliche Unfälle in der Region, die auf das heftige Wetter zurückzuführen waren. So stand Wasser auf vielen Fahrbahnen. Der Deutsche Wetterdienst hatte zuvor vor schweren Gewittern gewarnt und vor Wassermengen von bis zu 40 Liter Regen pro Quadratmeter.


    Weiter Warnungen vor Gewittern und Unwettern aktiv


    In großen Teilen Deutschlands drohen weiterhin Unwetter mit Starkregen und Hagel. Laut dem Deutschem Wetterdienst drohen in Franken auch in der Nacht auf Mittwoch Gewitter mit Starkregen und Sturmböen. Den momentanen Stand der Warnungen finden sie hier.


    Wuppertal: Dach von uni stürzt ein


    Bei einem heftigen Unwetter in Wuppertal ist das Dach eines Universitätsgebäudes eingestürzt. Verletzte gab es nach ersten Erkenntnissen keine, wie die Uni nach dem Unwetter am Dienstagnachmittag auf ihrer Webseite mitteilte. Demnach stürzten an einem Unigebäude etwa 30 bis 50 Quadratmeter des Daches ein. Zudem stünden der Keller sowie Teile des Erdgeschosses mindestens zweier Gebäude unter Wasser. "Nach ersten Einschätzungen ist der Ausmaß des Schadens erheblich", erklärte Rektor Prof. Dr. Lambert T. Koch. Die Feuerwehr sei im Einsatz.

    In der Wuppertaler Innenstadt knickte nach heftigen Regenfällen auch das Dach einer Tankstelle weg und beschädigte mehrere Autos. Unter dem Dach hätten insgesamt 14 Fahrzeuge geparkt, erklärte die Polizei. "Es ist eine unfassbare Situation gewesen", sagte eine Sprecherin. Ein Fahrer habe sein Auto noch rechtzeitig verlassen können, bevor das Dach auf seinen Wagen gestürzt sei. Er wurde leicht verletzt. Das Dach sei einsturzgefährdet, der Ort wurde abgesperrt. Wassermassen drangen auch in ein Wuppertaler Einkaufszentrum ein. In das Tiefgeschoss sei am Nachmittag Wasser gelaufen, sagte ein Polizeisprecher.


    Schäden in Hessen


    Unwetter haben vor allem in Nord- und Mittelhessen am Dienstagnachmittag Schäden angerichtet. Starkregen habe Straßen und Keller überflutet, örtlich hagelte es, meldeten die Polizeistationen am Abend. Sehr große oder schwere Schäden waren zunächst aber nicht bekannt.


    Auch am Mittwoch drohen Unwetter


    Außerdem erwartet der Deutsche Wetterdienst für diesen Mittwoch erneut teils heftige Gewitter, wie sie am Dienstag etwa in Nordrhein-Westfalen schon zu erleben waren. Im Nordosten Deutschlands bleibt es zunächst heiter und trocken. Wie auch in anderen Regionen stöhnen hier viele Menschen unter der Hitze. Am Mittwoch sollen die Höchstwerte bei 32 Grad liegen.

    GEWITTER: Wegen der langsamen Verlagerung der Gewitter drohe neben drei Zentimeter dickem Hagel auch heftiger Starkregen von bis zu 40 Litern pro Quadratmeter innerhalb kurzer Zeit, warnte der DWD. Vereinzelt könnten sogar Regenmengen von mehr als 60 Litern in wenigen Stunden zusammenkommen. Je nach Gelände kann das zu Überschwemmungen führen. Zum Vergleich: Normalerweise liegt das Regen-Soll für den gesamten Monat Mai in Deutschland bei 72 Litern pro Quadratmeter.


    Solingen: Gedenktag muss abgebrochen werden


    Unwetter hatten in den vergangenen Tagen mehrere Regionen getroffen. Am Dienstag war es in Nordrhein-Westfalen wieder so weit: Wegen Unwetters wurde sogar der Gedenkakt zum 25. Jahrestag des Solinger Brandanschlags abgebrochen. Die Deutsche Bahn stellte im Raum Wuppertal den Zugverkehr ein, nachdem Gleise überspült wurden. An einer Tankstelle in Wuppertal knickte das Dach weg.


    Schwierige Vorhersage


    An diesem Mittwoch soll sich die Gewitteraktivität weiter in Richtung Nordosten verlagern. "Dann muss in einem breiten Streifen von der Nordsee und dem Emsland bis zum Bayerischen Wald und dem Oderbruch mit zum Teil schweren Gewittern gerechnet werden", erklärte DWD-Meteorologe Sebastian Schappert. "Auch ganz im Südwesten, besonders über dem Schwarzwald, können sich im Tagesverlauf erneut kräftige Gewitter bilden."

    Wo es kracht, kann der Deutsche Wetterdienst (DWD) kaum genau vorhersagen. Die Wettermodelle können das Gewitterrisiko räumlich nicht genauer auflösen.


    Gefahr auch durch hohe Temperaturen


    HITZE: Die DWD-Meteorologen warnten nicht nur vor Gewitter und Starkregen, sondern auch vor starker Wärmebelastung. Betroffen sei ein breiter Streifen von Nordrhein-Westfalen und dem Emsland bis nach Südbrandenburg und Sachsen. In der Nacht zum Dienstag hatte der DWD an fünf Stationen Temperaturen über 20 Grad gemessen - Meteorologen nennen das Tropennacht. Spitzenreiter war Frankfurt am Main mit 20,5 Grad.

    Am Dienstagnachmittag lagen die Temperaturen vielerorts bei über 30 Grad - so auch in Hamburg: Bei einem Schulsportfest erlitten hier mehrere Kinder einen Hitzschlag. Acht Schüler und Schülerinnen seien mit akuten Hitzesymptomen in Krankenhäuser gebracht worden, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Einige Schüler bekamen Hitzefrei. Allein im Landkreis Lüneburg in Niedersachsen durften am Dienstag mehr als 2000 Schüler früher nach Hause - meist ab 11.30 Uhr.

    Auch manchen Tieren machte die Hitze zu schaffen: Die Tiere auf dem Elefantenhof Platschow in Mecklenburg-Vorpommern standen am liebsten still im Schatten. "Sie fächeln mit ihren großen Ohren und kühlen damit das Blut in den vielen kleinen Adern darin", sagte Elefantenhof-Chefin Lilian Kröplin. Die Polizei in Baden-Württemberg berichtete derweil von einem Hund, den sie in Lörrach aus einem überhitzten Auto befreit habe: "Er hat gehechelt und machte den Eindruck, dass er dringend aus dem Auto raus muss", sagte ein Polizeisprecher.

    In Niedersachsen und Bremen wurde ein deutlich höherer Wasserverbrauch registriert. "Wir verkaufen derzeit rund 50 Prozent mehr Wasser als sonst um diese Jahreszeit", sagte Henry Bodnar von den Harzwasserwerken, die zwei Millionen Menschen in den beiden Bundesländern mit Wasser versorgen.


    Waldbrandgefahr steigt


    TROCKENHEIT: Mehr als ein Dutzend Waldbrände hat es bisher in Sachsen gegeben. Die Ursachen liegen vor allem im fahrlässigen Verhalten von Besuchern, wie der Sprecher des Staatsbetriebes Sachsenforst, Renke Coordes, sagte. Er zählte auf: Lagerfeuer, Grillen, Funkenflug oder - "ganz typisch" - weggeworfene Zigaretten.

    Im ebenfalls von Trockenheit betroffenen Mecklenburg-Vorpommern warten die Landwirte dringend auf Regen: Im ganzen Land gibt es nach Angaben des Landesbauernverbands schon Trockenschäden.