Findet sich niemand, könnte sich zumindest die Abschlussphase des Projektes verzögern.

Die Vergabe der Abbrucharbeiten ist gerade erfolgt. Im März kann die Abrissbirne am Paradeplatz die südliche Häuserfront platt machen, um Raum zu schaffen für das geplante Geschäftszentrum. Doch während der erste Bauabschnitt, mit dem geplanten Rewe-Markt, in trockenen Tüchern zu sein scheint, ist der zweite Gebäudeteil immer noch ein Luftschloss. Der Grund: Die Ansiedlung eines großen Bekleidungsanbieters gestaltet sich schwierig. K&L Ruppert hatte sich bereits im vergangenen Jahr zurückgezogen.

Ein Großer besser als drei Kleine


Auf der Suche nach einem Textil-Magneten ist derzeit Stefan Schick. Als Stadtrat (CSU) kennt er Forchheim, als Vorsitzender der Werbegemeinschaft die hiesige Geschäftswelt und als Modehausinhaber hat er wie kein anderer Einblicke in die Textilbranche.

Zur Frage, warum es so schwer ist, ein namhaftes Bekleidungsgeschäft für Forchheim zu interessieren verweist auf die Lage zwischen Bamberg und Erlangen, wo sich bereits die großen Textiler niedergelassen haben. Deshalb, so erklärt Schick, "unterstütze ich den Versuch von Oberbürgermeister Franz Stumpf, jemanden nach Forchheim zu bekommen, den es noch nicht in der Region gibt". Dabei gelte die Zielvorgabe: Ein großer Textiler ist wegen seiner "Leuchtturmfunktion" besser als drei kleine Läden.

Dass in Forchheim Geschäftserfolge zu machen sind, beweist C&A mit seinem Kinderbekleidungshaus. Die Niederlassung im Rundbau des ehemaligen LuLi-Kinos hatte Schick, wie er erzählt, über Rotary-Kontakte vermittelt. C&A bringe junge Eltern in die Stadt. Am Paradeplatz könnte ein weiterer großer Ausstatter dafür sorgen, dass junge Kundschaft nach Forchheim kommt. "Ich bin schon mit mehreren Textilunternehmen im Gespräch", berichtet Schick. Namen will er jedoch noch nicht nennen.

Paradeplatz eröffnet Chance


Als Werbegemeinschaftsvorsitzender verweist Schick auf die große Kaufkraft Forchheims. "Allerdings binden wir im Textilbereich davon nur 30 Prozent", erklärt er. Der Grund: Es fehlen große Verkaufsflächen. "Deshalb eröffnet der Paradeplatz eine große Chance".

Zunächst müsse der erster Bauabschnitt realisiert werden, betont Schick. Wenn dann der Rewe-Markt eingezogen sei werde sich die Kundenfrequenz schlagartig ins Positive verändern - "das Weitere wird sich von alleine ergeben", meint er zuversichtlich. Wenn sich einmal überregionale Unternehmen für die Geschäftslage interessierten, kämen erfahrungsgemäß auch Anfragen aus der Region. Schick geht nicht davon aus, dass sich gar nichts tut beim zweiten Bauabschnitt: "Das wäre das erste Mal, dass wir im Stadtkern eine Brachfläche hätten". Wobei er dabei allerdings den Blick aus seinem eigenen Geschäft auf die benachbarte Brauhaus-Ruine vergessen zu haben scheint!

"Plan B" in der Schublade


Schick ist jedenfalls der Hoffnung, dass das Paradeplatz-Projekt komplett gebaut wird. "Sollte dies nicht klappen gibt es die Variante 2: Zunächst wird der erste Abschnitt abgewickelt und eventuell ein Jahr später der zweite". Oberbürgermeister Franz Stumpf erklärt dazu, dass man mit dem zweiten Bauabschnitt nicht anfangen sollte, bevor man nicht alles versucht habe einen großen Textiler hereinzubekommen. Kleine Läden gebe es genug. Die eine Hälfte zu bauen und die andere überhaupt nicht, sei jedoch nach den jetzigen Vertragsregelungen nicht möglich, versichert Stumpf. Wobei er allerdings nicht abstreitet, dass sich Verträge auch ändern könnten. Dazu allerdings wäre der Stadtrat gefragt.