Ein weiterer ausgebuchter Frauentrachtenkurs fand sein glückliches Ende. Glücklich, weil alle sieben Kursteilnehmerinnen mit Hilfe der Trachtenexpertin Marianne Bogner einen typisch fränkischen "Kittel" schneidern konnten, den sie auch gleich zu ihrer neuen Tracht anziehen.

Maria Friedl (Pinzberg), Hildegund Haas (Wolkenstein, mit Mann mit selbstgenähter fränkischer Weste beim Rosalie Postatny-Kurs), Katrin Hoßfeld (Hausen), Carola Lorenz (Wiesenttal), Helga Roß (Baiersdorf), Sieglinde Mauser (Forchheim), Lucia Seifert (Wellerstadt bei Baiersdorf) und Hildegund Walz (Niedermirsberg) sind die Kursbesucher, die sich zu ihrer im Frühjahr selbst geschneiderten fränkischen Tracht eine Jacke nähten.

Im Fränkischen heißt die aber eigentlich Kittel. Nach ihrer Motivation zu diesem Kurs befragt , gaben sie an, dass sie sich mit der Tradition identifizieren und Heimatverbundenheit zeigen wollen. Außerdem haben sie große Freude am gemeinschaftlichen Nähen.

Die aufwendig, liebevoll gearbeitete Tracht ist nun durch den Kittel vervollständigt und kann jetzt auch an kühleren Tagen getragen werden. So wurde die komplette Tracht auch gleich stolz zu einem gemeinsamen Abschlussessen ausgeführt.


Gemeinsam angeboten

Die Trachtenkurse werden gemeinsam von der Kulturwerkstatt Morschreuth in Zusammenarbeit mit dem Fränkische-Schweiz-Verein und der Volkshochschule (VHS Forchheim) angeboten.

Marianne Bogners Exkurs: Was ist ein fränkischer Kittel? Besonderes Merkmal des fränkischen Kittels ist die vorne in der Taille recht kurz geschnittene Form. Nach hinten verläuft der Saum in eine mehr oder weniger lang ausgeprägte Spitze oder Rundung, teils mit Seitenschlitzen.

Das Rückenteil wird auch in den meisten Fällen mit breiten, V-förmig angebrachten breiten Satinbändern und Borten verziert. Die vordere Kante und der Halsausschnitt erhalten oft eine nachträglich von Hand leicht angenähte weiße Borte, um sie zum Waschen leicht abnehmen zu können.

Die Armkugel oben muss gerüscht sein, teils sehr hochstehend. Interessant ist auch, dass früher als Innenfutter oft Bettwäsche (teils angeraut wegen der Wärme) verwendet wurde, die auch heute im Kurs teilweise noch so verarbeitet wird.

Mancher arbeitet aber lieber mit heute in Jacken verwendetem Taftfutter, da das beim Anziehen nicht so bremst, ist aber in Fachkreisen nicht so gerne gesehen, da nicht historisch. Wie auch bei Rock, Mieder, Bluse und Schürze wird auch die Kittelverarbeitung durch Konfession und vor allem durch den Heimatort beeinflusst, schließlich soll man der Tracht ja ansehen, woher die Träger kommen. Auch am Armsaum vorne wird eine Borte angebracht, manchmal nur am Vorderarm, entweder um Borte zu sparen oder um den Arm an der Innenseite nicht so abzurubbeln. Das Vorderteil hat oft Längsbiesen oder -falten und manchmal auch Längsborten. Anzahl und Formverlauf sind wieder von Konfession und Ortschaft abhängig.

Ebenso die Frage, ob Stehkragen oder nicht. Die Armkugel wurde oft noch mit Steife unterlegt, so dass die Kugel richtig "hochstatzt". So wird sie auch vielerorts nicht im Schrank auf einen Bügel gehängt , sondern so in den Schrank gelegt, dass die hochstehende Armkugel richtig ihren Bruch behält. Als Innenfutter verwendet man auch Flanellstoffe, da sie wärmer sind.

Früher war oft der Stoff und das Futter zusammengenäht, so sieht man die Nähte innen. Am Schluss das Kleidungsstück gut "abbügeln" (teils auf dem Rundbügelkissen). Als letzter Schliff folgen die Knopflöcher und Knöpfe. An die Knopflöcher wagt sich mancher mit Respekt, da man ja jetzt nichts mehr falsch machen möchte.


Nächster Termin

Der nächste Damen-Trachtenkurs ist bereits ausgebucht, es besteht sogar eine Warteliste. Plätze gibt es noch für das Schneidern einer Herrentrachtenweste im März/April mit Rosalie Postatny. Anmeldungen und Kurstermine finden sich auf der VHS-Homepage.

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