Der Ort bleibt in Jubiläumsstimmung. War es letzte Woche die weltliche Feier zum 950-jährigen Bestehen Pinzbergs, so ist es dieses Wochenende die Pfarrgemeinde, die feiert. Ihre Pilger wandern zum 300. Mal nach Gößweinstein.
Über das Pilgern gibt nur sehr spärliche Aufzeichnungen über die Jahrhunderte. Eine Institution in Pinzberg auf diesem Feld ist Martin Kreller. Seit 1987 führt er die Pilger aus Pinzberg nach Gößweinstein. "Diese Aufgabe ist auf dem Haus", sagte er, "mein Vater hat es schon gemacht. Für mich stellt es immer ein Erlebnis da. Ich habe allen Grund, dankbar zu sein um es zu machen". Bereits seit 1975 führt Kreller die Fronleichnamsprozession und andere Pilgerschaften an.

Als die Viehseuche grassierte


1707 brachen die Pinzberger zum ersten Mal nach Gößweinstein auf, die Pest wütete zu diesem Zeitpunkt. Der jetzige Brauch wurde 1712 ins Leben gerufen, dazu finden sich einige interessant Information in einer aktuellen Chronik von Alfons Eger, wie der Eintrag in der Kirchenrechnung von 1712: "Ausgaben für Zehrung: 1fl, 1 Pfd, 20 Pfg., als die sämbtlichen Pfarrkinder in der grassierenden Viehseuche auf Gößweinstein gewallfahrtete, wovon 30 Pfg. inbegriffen, den Kirchendienern dort, welche das Amt musiziert, verehrt worden".
An anderer Stelle findet sich eine Mahnung aus dem Jahre 1865, als sie seit drei Jahren die Dienste des dortigen Pfarrers für das Lesen des Johannesevangeliums, des Lehrers und der Ministranten nicht bezahlt hatten. Klare Aussage: Wenn nicht bezahlt werde, hört die Begleitung auf.

"Halt weniger offiziell"


Schwere Zeiten erlebten die Wallfahrer in den Kriegsjahren. Bei den Nazis waren religiöse Riten nicht gerne gesehen. "Dann machte man es halt weniger offiziell", wie Kreller erzählt. Ab 1948 führt Pfarrer Bierfelder die Wallfahrt wieder offiziell ein. Wegen Krankheit begleitete in den Jahren danach ein Bruder oder Aushilfspfarrer die Gläubigen auf dem Weg. Anfang der 70er Jahre stellte Pfarrer Fiedler wegen angeblich zu geringer Beteiligung die Wallfahrt nach Gößweinstein ein. Dahinter mögen aber durchaus aus Befindlichkeiten des Pfarrherrn stecken, wie die Chronik anmerkt.
Pfarrer Bernhard Friedmann führte 1987 die Wallfahrt wieder ein und fehlte nicht einziges Mal. Morgens um vier Uhr brechen die Pinzberger von der Pfarrkirche auf, unterwegs stoßen Pfarrangehörige aus Dobenreuth und Gosberg hinzu. Der Weg führt über Kirchehrenbach, an Pretzfeld vorbei nach Wannbach. "Es ist ein unbeschreiblich schönes Gefühl, wenn du, begleitet vom Pinzberger Musikverein, unter dem Klang der Glocken der Basilika über die Höhe nach Gößweinstein hineinziehst", erzählt Martin Kreller. Nach Wallfahrtsamt, Andacht und Kreuzweggang bringt der Omnibus die Wallfahrer zurück nach Pinzberg. Vor der Zeit Friedmanns nutzte man die Bahn nach Gößweinstein, um dann nur den steilen Anstieg vor dem Zielort zu nehmen.

Bis zu 160 Gläubige


Vorbei ist auch die Zeit, da die Pinzberger eine Nacht in Gößweinstein verbrachten. Heute, so Kreller, sind die Quartiere rar geworden. Der Fremdenverkehr hat den Vorrang. In Spitzenzeiten waren bis zu 160 Gläubige auf dem Weg. Deutlich über 100 sind es noch immer, meint Kreller. Und dieses Mal werden sich zusätzlich einige Vereine anschließen, um das Jubiläum zu würdigen. Ein wertvolles, altes Wallfahrtsbild, das auf der Vorderseite die Dreifaltigkeit und Maria zeigt, wird dem Zug vorangetragen.
Ein Begleitfahrzeug für Musikinstrumente, Fahnen und Gepäck wird Pfarrer Michael Gehret steuern. Ein großes Schild am Wagen weist auf das stolze Jubiläum hin. Wallfahrtsführer Martin Kreller und Pfarrer Michael Gehret haben das Wallfahrtsbild bereitgestellt - und das Schild mit dem Hinweis auf 300 Jahre Fußwallfahrt.