Nach der Neuansetzung zog sich die Verhandlung erneut den ganzen Tag hin mit einer Unzahl von Zeugen. Und damit nicht genug.
Es zeichnete sich schon frühzeitig ab, dass noch ein weiterer Verhandlungstermin erforderlich war, denn Verteidiger Jochen Kaller legte auf die Einvernahme eines Zeugen Wert, der noch bis zum 30. Mai für seine Firma in Kolumbien weilt. Und das nur, um festzustellen, ob dieser etwas Sachdienliches gesehen hatte. Denn nur ein Zeuge hatte eine Flasche in der Hand des Geschädigten geschildert, die sonst keiner dort gesehen hatte. Warum der junge Mann dies erwähnt hatte, bleibt für viele ein Rätsel.

Im Kern geht es um eine Streitschlichtung in einem Lokal in Ebermannstadt, die beim mutmaßlichen Schlichter bleibende Schäden hinterlassen hat. Der angeklagte 25-jährige Täter soll dem jungen Mann laut Anklage eine "komplexe Schnittverletzung" beigebracht haben. Bis zuletzt kursierte jedoch die Behauptung, der Geschädigte habe diese sich selbst verursacht.

Die Wunde musste in der Handchirurgie der Erlanger Uniklinik behandelt werden. Vor Gericht schilderte der Mann seinen Leidensweg mit drei Operationen und sein seitdem bestehendes Unvermögen, die Hand normal zu gebrauchen. Was schwer wiegt, da er auf kräftige Hände bei seiner Arbeit angewiesen ist.

Im Verhandlungsraum gab sich eine Reihe von Zeugen die Klinke in die Hand, um im Wesentlichen Ähnliches auszusagen. Es waren zwar viele Fragen zu beantworten, doch klären ließen sie sich nicht wirklich.
War eine Flasche im Spiel gewesen? Hatte der Geschädigte ein Glas in der Hand gehalten oder nicht? Der Geschädigte bestritt das, nur einer hatte ihn mit einer Flasche gesehen, bei allen anderen Zeugen, gleich zu welcher Seite gehörend, fand dies keinerlei Erwähnung.

Oder: Welcher der Beteiligten hatte kurze Haare, gar eine Glatze? Tatsache war wohl, dass kaum einer den mutmaßlichen Täter im Gerichtssaal wiedererkannte, weil seit dem Vorfall über zwei Jahre vergangen waren, der Mann sich seitdem wohl stark verändert hatte. Und einige waren seitdem Träger unterschiedlich langer Bärte.


Es begann mit Geschrei


Einige hatten gesehen, dass Blut geflossen war, andere hatten überhaupt keine blutenden Verletzungen und Scherben wahrgenommen. Nur beim Anfang herrschte weitgehend Einigkeit: Da war Geschrei gewesen, es war nicht feststellbar, von wem das ausging. "Das war wie ein riesengroßer Kindergarten", schilderte es einer.
Verteidiger Jochen Kaller war irgendwann ungehalten über die Zeugen, die sich ständig auf Facebook berufen wollten, statt aus eigener Erinnerung heraus auszusagen. Davon ausgenommen waren da wohl nur der Polizeibeamte von der Wache in Ebermannstadt und der Rettungssanitäter, der versuchte, in dem Tohuwabohu, das er vorfand, den Überblick zu behalten.

Es ging auf 17 Uhr zu, als sich abzeichnete, dass der Tag nicht ausreichen würde, um den Sachverhalt zu klären - vor allem, als feststand, dass Kaller auch noch den jetzt in Kolumbien weilenden Zeugen hören wollte. Und auch Nebenklägerin Christine Leuker brachte noch weitere Personen als Zeugen ins Spiel.