Die lauen Sommerabende der vergangenen Wochen laden dazu ein, sich mit Freunden zu treffen, Musik aus den Lautsprechern zu lauschen, ein erfrischendes Getränk aus dem Kühlschrank zu holen und in den Sternenhimmel zu schauen.
Wer mag, kann in dieser schönen Atmosphäre über aktuelle Themen wie die Energiewende und den Windkraftstandorten diskutieren. Eine Alltagssituation voller Leben und Geselligkeit. Und trotzdem ganz im Zeichen der Physik. Physik, das ist eigentlich die Lehre von den leblosen Dinge.

Wege zur Mündigkeit

Aber die laue Sommernacht mit Freunden kommt schon deshalb nicht ohne Physik aus, weil der Lautsprecher einen Elektromagneten benötigt.
Und diesen Elektromagneten braucht man für einen Elektromotor, wobei man bei dem vieldiskutierten Thema Windrad angekommen ist. Jedes Windrad hat einen großen Generator, der mit einem Elektromotor betrieben wird. Die Schüler sollen eines Tages alle mündige Bürger werden, die mit bestem Wissen und Gewissen wählen, und sich auch sonst aktiv in die Angelegenheiten des Gemeinwesens einschalten.
Wer Physik versteht, ist auf dem Weg zur Mündigkeit einen großen Schritt weitergekommen. "Der versteht dann besser, um was es geht, wenn zum Beispiel von Atommüllendlager die Rede ist", sagt Wolfgang Distler. Er ist Physiklehrer an der Ritter-Wirnt-Realschule in Gräfenberg.
Es könnte schon einmal sein, dass sich die Schüler auch in Prüfungen mit derartigen Fragen beschäftigen müssen. Dann müssen sie die Problematik eines Endlagers aufzeigen und die Eigenschaften nennen, die ein Endlager zwingend haben muss.
Sich darüber Gedanken machen, mitreden und dann auch eigenverantwortlich handeln kann, wer die wichtigsten physikalische Gesetze und Zusammenhänge kennt.
"Es gibt Elemente, die eine sehr lange Halbwertszeit haben und zig Generationen betreffen", erläutert Distler. Das ist Teil der Kernphysik, in der die verschiedenen Kraftwerkstypen, Kernkraftwerke und Radioaktivität zum Thema werden.
Physik ist eben nicht nur Rechnen und das Pauken von Formeln mit Buchstaben. Wenn es auch dazugehört, wie das Vokabellernen im Sprachenunterricht.

Leben wie in der Steinzeit

Was passiert, wenn der Strom einmal ausfallen sollte? Das fragt Distler gern, wenn er mit seinen Schülern die Welt der Elektrizität betritt.
"Dass der Computer und der Fernseher nicht funktionieren und es kein Licht gibt, fällt den meisten ein. Das ist offensichtlich. Doch auch der Staubsauger, die Waschmaschine, die Steuerung der Heizung und der Kühlschrank funktionieren dann nicht", sagt Distler. Ohne die Gesetze der Physik wird also auch nichts mit den erfrischenden Getränken in geselligen Runden.
Eigentlich führten wir dann ein Leben fast wie in der Steinzeit. Ein paar Stunden so zu leben, vielleicht sogar romantisch. Immerhin könnte man ja in den Sternenhimmel blicken.
Aber auch die Astronomie ist eben Physik. Für die alten Ägypter war das ganz besonders wichtig. Wenn Sirius an einem bestimmten Platz stand, musste das Getreide geerntet werden, bevor es durch die einsetzende Nilschwemme vernichtet werden konnte.
Sehr angesehen waren Astronomen, weil sie Vorhersagen dieser Art treffen konnten, die am Ende über das Wohl und Wehe vieler Menschen entscheiden konnten. "Genau das tun Physiker auch. Wer Vorhersagen treffen kann, ist klar im Vorteil", sagt Distler. Nur gründen diese Vorhersagen meist in Formeln.
"Physik übt und trainiert die Exaktheit, die Genauigkeit", erläutert Wolfgang Distler. Es ist eben wichtig, den Unterschied zwischen einer physikalischen Größe und einer Maßeinheit zu kennen.

Die Sache mit dem Hebelgesetz

Ein Kilogramm Zucker zum Beispiel. Die Anzahl der Zuckerkörnchen ändert sich nicht, egal, ob man sich diese auf der Erde oder auf dem Mond anschaut. Aber die Kraft, mit der es angezogen wird, ändert sich sehr wohl.
Und wenn man schon von Kräften redet, dann muss man auch andere Kräfte ansehen, denn Kräfte verursachen die Wirkung. Beim Radfahren hat jeder schon einmal mit dem Hebelgesetz Bekanntschaft gemacht, auch wenn er gar nicht gewusst haben sollte, dass es ein solches überhaupt gibt.
"Wer mit dem großen Gang fährt, hat weniger Umdrehungen, braucht aber mehr Kraft, als der mit einem kleineren Gang fährt, weniger Kraft in den Beinen braucht, aber mehr Umdrehungen", erklärt Wolfgang Distler. So lebensnah kann die Physik sein.
"Die Schüler brauchen Alltagssituationen als Motivation", sagt Distler. Aber ohnehin macht das reine Rechnen nur etwa die Hälfte des Physik-Unterrichts aus.
Ansonsten heißt es: Mit welcher Voraussetzung folgt was? Wie ist das mit dem Gewitter? Ist der Blitz tatsächlich elektrischer Strom? Eigentlich ist die Lehre der leblosen Dinge sehr lebendig.