Nach Jahren, in denen es ruhig um das Thema wurde, haben die Planungen zuletzt wieder Fahrt aufgenommen: Die Autobahndirektion Nordbayern (ADNB) will das Problem der mangelnden Park- und Rastmöglichkeiten entlang der Autobahn 73 auf dem Gebiet des Marktes Eggolsheim lösen. Unweit der bestehenden Parkplätze Regnitztal soll ein großer Tank- und Rastplatz entstehen.
Wie die Behörde auf Anfrage bestätigte, wurden durch ein beauftragtes Büro bereits "naturschutzfachliche Erhebungen" vor Ort durchgeführt, deren Ergebnisse derzeit ausgewertet werden. Zwar stehe eine Vorzugsvariante für die geplante Tank- und Rastanlage derzeit noch nicht fest. Auf ihrer Homepage hat die ADNB freilich bereits seit Januar die Fläche im Regnitztal, die durch eine neue Brücke an die Fernstraße angebunden werden soll, als "neu geplante Anlage" deklariert.


Volumen von 16 Millionen Euro

Die neue Anlage soll Platz für 102 Pkw, 108 Lkw und fünf Busse schaffen und rund 30 Personen einen Arbeitsplatz bieten. Die Kosten werden auf etwa 16 Millionen Euro taxiert.

Der Haken an der Sache: Die rund zehn Hektar Land gehören gar nicht dem Freistaat Bayern, sondern sind zum Großteil im Besitz von Landwirten aus der Umgebung. Und diese möchten die Grundstücke, die aufgrund ihres Zuschnitts und ihrer Bodenbeschaffenheit als hervorragendes Ackerland gelten, nicht verkaufen.

Schon 2014 machten sie das deutlich, als sie ihrem Unmut gegenüber unserer Redaktion Luft machten. Und die Meinung der Landwirte, die derzeit nicht selbst in der Öffentlichkeit stehen möchten, hat sich diesbezüglich nicht geändert.


Gemeinderat lehnte Plan ab

Verändert hat sich im Lauf der Jahre hingegen das Abstimmungsverhalten im Eggolsheimer Marktgemeinderat. 2008, als die Thematik zum ersten Mal auf der Tagesordnung war, stand eine Mehrheit den Plänen der Autobahndirektion positiv gegenüber. 2014 hingegen lehnte der Rat die Pläne einstimmig ab.

Der Grund für den Sinneswandel ist laut Bürgermeister Claus Schwarzmann (Bürgerbund) die zwischenzeitliche Ansiedlung eines Logistikzentrums und einer Biogasanlage westlich der geplanten Rastanlage in der Büg. "Das Ackerland ist mittlerweile die einzige Fläche im Regnitztal, die noch nicht besiedelt ist", macht Claus Schwarzmann deutlich, dass die Rastanlage in einer Landschaft entstehen soll, die mit Autobahn, Bahnstrecke, Logistikzentrum und Biogasanlage bereits stark zersiedelt ist.


Dilemma um Standortwahl

"Deshalb haben wir auch eine ehemals durch die mittlerweile abgezogenen US-Streitkräfte genutzte Fläche bei Bamberg vorgeschlagen", sagt Schwarzmann. Doch in der Domstadt stieß die Idee ebenso wenig auf Gegenliebe wie rund 20 Kilometer weiter südlich.

Ein Beispiel, das typisch ist für das Dilemma um die Parkmöglichkeiten entlang der Autobahnen - insbesondere für Lkw, die ihre gesetzlich vorgeschriebenen Pausenzeiten einhalten wollen. "Jeder will Auto fahren, aber keiner will die Parkplätze haben", sagt Claus Schwarzmann. Dass grundsätzlich etwas getan werden muss, ist unbestritten. Laut Edina Brenner, Geschäftsführerin beim Landesverband Bayerischer Spediteure (LBS), fehlen allein in Bayern über 2200 Stellplätze.
Ein Mangel, der an der A 73 besonders stark ausgeprägt ist. In Richtung Suhl kommt der nächste Parkplatz erst nördlich von Bamberg und eine größere Rastanlage gibt es im gesamten oberfränkischen Bereich nicht. In Richtung Süden findet man die nächste Parkbucht bei Fürth, den nächsten Rastplatz erst südlich von Nürnberg bei Feucht.

Sichtbar wird das im Regnitztal. Wer - vor allem abends und nachts - versucht, sein Auto auf den bestehenden Parkplätzen abzustellen, scheitert oft daran, dass nicht nur die Lkw-, sondern auch die Pkw-Parkplätze und die Zufahrtsstraßen mit meist osteuropäischen Lastwagen zugestellt sind. Auf die Toilette gehen ist so nur schwer möglich. Für Claus Schwarzmann ist es deshalb kein Wunder, dass der Freistaat nach den Eggolsheimer Flächen greifen will. "Mir war klar, dass es irgendwann wieder um unsere Standorte geht", sagt der Bürgermeister, der die Position der Kommune in dem Spiel der vielen Interessen als schwach einschätzt: "Wir brauchen keine Tank- und Rastanlage. Aber wir wollten auch keinen Überholbahnhof der Bahn."


Schwache kommunale Position?

Über die Frage, wie stark die Position der Kommune in dieser Frage ist, gibt es unterschiedliche Meinungen. Bürgermeister Schwarzmann weiß, dass einige oft gegen Bundesvorhaben angebrachte Schutzansprüche im Falle des Parkplatzes nicht greifen: "Wir haben keinen Kiesabbau und auch keine unmittelbare Nähe zur Ortschaft."

Aber das Gemeindeoberhaupt sagt auch: "Wir haben eine starke Zersiedelung der Landschaft und wir haben landwirtschaftlich wertvolle Böden." Diese Faktoren wolle er, so der Bürgermeister, in die Waagschale werfen. Vor zu großen Hoffnungen warnt er jedoch: "Es ist klar, dass man entlang der A 73 irgendwo etwas tun muss. Aber es ist auch klar, dass die Autobahndirektion erst einmal selbstständig plant", sagt Schwarzmann.


"Opposition statt Jein sagen"

Der in Eggolsheim wohnende Umweltaktivist Heinz Marquart, Vorsitzender des umweltpolitischen Arbeitskreises der Kreis-CSU, sieht das anders. "Man kann Jein sagen oder man signalisiert, dass man mit Rechtsanwälten in die Kapital-Opposition gehen würde", sagt der 69-Jährige, "die Gemeinde hat sich gegen die Infrastruktur-Projekte auf ihrem Boden nie richtig gewehrt. Das muss man halt auch mal machen."

Claus Schwarzmann hingegen will das Gespräch mit der Autobahndirektion trotz unterschiedlicher Ziele nicht abreißen lassen und hofft auf eine transparente Informationspolitik: "Ich wünsche mir ein Vorgehen wie bei der Bahn, die versucht hat, uns zu überzeugen." Die ADNB teilte schriftlich mit: "Nach Abschluss der naturschutzfachlichen Erhebungen und Fertigstellung der Standortuntersuchung wird die Gemeinde im Zuge der Vorentwurfsplanung informiert. Mögliche Alternativen und Vorschläge des Marktes Eggolsheim werden diskutiert."