Mit ein paar Eiern im Osternest lassen sich die Kinder nicht mehr abspeisen. Das stellt nicht nur die Eltern vor Probleme, die sich missmutig auf die Suche nach Ostergeschenken machen; auch der Osterhase erlebt diese Entwicklung als Krise, weil seine Eier an Attraktivität eingebüßt haben.

Das ist die Ausgangssituation, die Wiltrud Weltzer zum Schreibanlass für ein Kinderbuch nimmt. Es ist eine paradoxe Geschichte: Nicht die Suche nach versteckten Ostereiern steht im Mittelpunkt, sondern ein versteckter Osterhase.

Hängende Löffel
Der lässt anfänglich "die Löffel hängen", als ihm seine Frau verklickert, dass Ostern eine Art Weihnachten geworden ist - mit entsprechenden Geschenk-Erwartungen. Aus seinem Versteck heraus versucht der Hase zu erkunden, wie es denn nun wirklich um das Ansehen der Ostereier bestellt ist.



Beim Osterfrühstück 2012 hatte sie diesen blitzartigen Einfall, erzählt Wiltrud Weltzer: "Jetzt schreibst du eine Geschichte." Für eine Veröffentlichung gedacht sei sie überhaupt nicht gewesen, sagt die in Eggolsheim (Ortsteil Bammersdorf) lebende Autorin.

Heidrun Huk illustriert
Geschichten geschrieben hat die Therapeutin und Gesangslehrerin allerdings schon seit jeher gerne. Dass die Hasengeschichte, reizend illustriert von Heidrun Huk, nun doch als Buch vorliegt, das hat Wiltrud Weltzer auch ihrem Mann Weking zu verdanken. Der verfolgte nicht nur voller Neugier die Episoden vom "Osterhasen, der sich versteckte"; er drängte seine Frau schließlich, die Erzählung zu veröffentlichen.

Es ist eine "Geschichte für kleine und große Freunde des Osterhasen", wie es im Untertitel heißt. Die Botschaft ist "ein Stück Gesellschaftskritik", sagt die Autorin: "Die Kinder werden von den Erwachsenen satt gemacht." Wiltrud Weltzer hat selbst Kinder und fünf Enkel und weiß aus ihrer Familie und von Bekannten, wie viel Geld auch an Ostern für Geschenke ausgegeben wird. "Dadurch wird der Osterbrauch entwertet und man bringt sich selbst um die Freude", bedauert Wiltrud Weltzer.

Wozu Ostereier anmalen?
Der erste Schreibimpuls war ihr beim Anmalen der Ostereier gekommen. Was macht man sich da für Arbeit? Wird das überhaupt noch geschätzt?

Solche Gedanken führten in die Geschichte. An zwei Tagen hat die 69-Jährige ihren Kinderbuch-Erstling dann niedergeschrieben. Mit der Hand. Und auf große Resonanz stieß die Geschichte dann nicht nur bei der ersten Test-Leserin, der 15-jährigen Enkelin. Auch Heidrun Huk ließ sich inspirieren: Die Kunsttherapeutin und Kunsterzieherin malt sonst nur abstrakt. Doch die Geschichte von Hase und Häsin hat sie auch gegenständlich gemeistert.