Eigentlich hat alles mit dem Zivildienst von Ralfs Zwillingsbruder Dietmar begonnen: Der ging 2009 nach Ghana, um dort die Gebärdensprache zu unterrichten. Später starteten die beiden Brüder dort einige Hilfsprojekte - und helfen inzwischen weltweit. "Mein Bruder Dietmar lebt inzwischen in Belgien, deshalb habe ich den Vorsitz des Schif übernommen", sagt dazu Ralf Aumann.

Ein knappes Jahr hat Dietmar Aumann in einer Gehörlosenschule in Kumansi gearbeitet. Dort konnte er sich ein klares Bild davon machen, wie schlecht es um Schulabgänger in Ghana gestellt ist, die eine Behinderung haben. Kaum jemand in Ghana stellt Gehörlose, die meist auch nicht sprechen können, ein. Ihre einzige Chance auf dem Arbeitsmarkt ist deshalb die Selbstständigkeit. Ein kleines Geschäft vielleicht.

 


Spannendes Projekt
An diesem Punkt setzt Schif - der Name steht Sozial-Christliches Hilfswerk Franken - mit Sitz in Wiesenttal ein.
Der Verein wurde im Jahr 2012 gegründet, um soziale Projekte weltweit zu unterstützen. "Unsere Hilfsmaßnahmen liefen alle schon lange vorher an. Aber irgendwann haben wir all unsere Arbeit in einem Verein zusammengefasst, damit wir auch nach außen besser auftreten können", sagt Ralf Aumann. Inzwischen ist ein großes Netzwerk entstanden. Neben der Hilfe in Afrika gibt es Hilfsprojekte in Asien, Europa und Südamerika. Das wohl spannendste Projekt im Moment führt wieder in das Land, in dem einst alles begann: Ghana.

Dort stellen einige Ghanaer gerade die sogenannten Fanburins her. Es handelt sich dabei um ein handgefertigte Tamburins mit brasilianischer und deutscher Flagge.

 

Natürlich bezieht sich das auf die gerade laufende Fußball-WM in Brasilien. Es ist ein Fan-Artikel, der sich auf jeder Public- Viewing-Veranstaltung sehen lassen kann.

Fairer Handel
"Bei der Weltmeisterschaft vor vier Jahren in Südafrika gab es überall die Vuvuzela zu sehen und zu hören. Da dachten wir, dass in diesem Jahr die Fanburins diese Aufgabe übernehmen könnten", erklärt der 25-Jährige aus Trainmeusel.

Tatsächlich klingt die Vorstellung recht verlockend, in einem Finale zwischen Deutschland und Brasilien, die deutsche Elf mit einem Fanburin zum Sieg zu trommeln.

Mit der Herstellung der Tamburine wird eine Schule in Ghana unterstützt.

Verkauft werden die in Afrika hergestellten Artikel auf der Homepage. Zudem haben Ralf Aumann und der Verein Schif einen eigenen Stand bei den 8. Afrika-Kulturtagen, die von Freitag, 4., bis Sonntag, 6. Juli, in Forchheim stattfinden.
Dort gibt es dann auch weitere Lederwaren, die in Afrika ausschließlich unter dem Gesichtspunkt "fairer Handel" hergestellt wurden.

Faitrade bedeutet einen kontrollierten Handel, bei dem sichergestellt ist, dass die Produzenten ein höheres und verlässlicheres Einkommen verdienen, als es im herkömmlichen Handel möglich wäre.

"Die Afrika-Kulturtage in Forchheim sind eine tolle Gelegenheit, um nicht nur unsere Produkte zu präsentieren, sondern auch um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen", freut sich Aumann.

Schweres Schicksal
Wie wichtig es ist, den gehörlosen Ghanaern mit ihren Tamburinen und den Lederwaren eine Einnahmequelle zu geben, verdeutlicht Ralf Aumann, wenn er an seine Zeit in Afrika zurückdenkt.
"Zu dem Gehörlosen-Kurs in der ghanaischen Schule kamen gerade mal 14 Elternpaare von gehörlosen Kindern. Da habe ich gesehen, dass es Menschen mit Behinderungen in Afrika noch weitaus schwerer haben, als hier in Deutschland", sagt Aumann.

Inzwischen sind in der ghanaischen Schule nicht viele Interessenten für die Kurse dazugekommen, klagt er. Aber die Arbeit lohne sich trotzdem. Tag für Tag. "Denn wir können einzelnen Menschen helfen, die sonst gar keine Chance hätten", sagt Aumann.