Zu einem gelben Ortsschild reicht es nicht. Gelb auf Grün stellt sich Görbitz vor. Ein Weiler bei Hiltpoltstein. Eine Tafel warnt: "Wildtollwut gefährdeter Bezirk". Gleich daneben toben drei Kinder. Alles halb so wild. Ställe zur Rechten, Wohnhäuser zur Linken, dazwischen reichlich würzige Landluft. Bauernhofidylle im Schnee. Görbitz - das sind vier Familien mit etwa 24 Menschen und vielen Tieren. Allein die Familie Schaffer hat 35 Bullen und 110 Schweine.

Gut 100 Meter gegenüber vom Ortseingang ist Görbitz schon wieder zu Ende. Hier steht Stefan Schaffer im Stall. Ein paar Schweine recken ihm ihre Steckdosennasen entgegen. Er streicht kurz über ihren Nacken, lächelt entspannt: "Mich hat es noch keinen Tag genervt, dass ich in den Stall musste." Der scharfe Ammoniak-Geruch, der von den Schweinen ausgeht, stört ihn nicht. "Nur beim Ausmisten brennt es nach einer Stunde etwas in den Augen." Der 33-Jährige achtet auf die Tiere, schaut ihnen auch mal aus der Distanz beim Fressen zu und merkt schnell, wenn etwas nicht passt. Der Tierarzt wird so gut wie nie benötigt.

Geschöpf und Schöpfung im Einklang
Die Schweine quieken und ziehen an einer Spielkette. Zu zehnt bevölkern sie die mindestens zwölf Quadratmeter großen Buchten. Sie stehen auf Stroh, nicht auf Spalten. Das ist seinem Vater, Alfred Schaffer, wichtig: "Die Schweine fühlen sich so einfach wohler. Das liegt mir am Herzen: Geschöpf und Schöpfung sollen im Einklang sein." Weitere Vorteile: Die Geruchsbelästigung für die Nachbarn ist geringer und "das Fleisch wird besser, weil den Schweinen die Füße nicht weh tun und sie mehr Bewegungsdrang haben", erklärt Stefan Schaffer. Nachteil: das Ausmisten zweimal pro Woche. Hightech-Unterstützung gibt es nicht im Stall, hier wird wie schon seit über 200 Jahren am Schafferhof alles von Hand erledigt.



Aus einem weißen Eimer schüttet der junge Landwirtschaftsmeister das Futter in die Tröge. Eine "Hofmischung" mit zum größten Teil eigenem Getreide. Früh um sechs und abends um fünf gibt es das Futter - für Ferkel 2,5 Kilogramm, für ältere Schweine vier Kilogramm täglich. So verfünffachen die Tiere, die im Alter von sechs bis acht Wochen bei Viehhändlern der Region gekauft werden, innerhalb von etwa fünf Monaten ihr Gewicht: von 30 auf fast 150 Kilogramm. 250 Schweine pro Jahr durchlaufen den Mastbetrieb der Schaffers. Eine eigene Ferkelproduktion haben sie 2005 aufgegeben. Eine neue EU-Verordnung gab den Ausschlag.

30 Wurstsorten aus eigener Produktion
Schräg gegenüber dem Stall liegt das Schlachthaus. Hier hantiert Senior Alfred Schaffer und füllt im Plastikkittel gerade Bratwurstgehäck in Därme. Rund 30 Wurstsorten stellt er her. Alles hochoffiziell: Der 62-Jährige hat schon längst eine Metzger-Prüfung abgelegt, und das Schlachthaus erhielt 2009 durch den neuen Kühlraum die nötige EU-Zertifizierung. Für die Schaffers ist dieser Bereich wichtig, denn von der Mast der Schweine und der Bullen und ihren anderen landwirtschaftlichen Tätigkeiten (Mais, Wiesen, Kirschen, Wald) könnten sie kaum überleben. Direktvermarktung ist die Lösung.

Seit 1986 verkaufen die Schaffers selbst ihre Ware. Doch erst in den letzten zehn Jahren springen die Menschen darauf an. Vier Generationen - von Stefans ältestem Sohn Konstantin (5) und dessen drei Geschwistern bis zu Stefans unermüdlicher Oma Rosl (wird im Februar 92) - packen mit an, damit die Familie ihre Wurst, Holzofenbrot, Säfte und Schnäpse sowie ihre Küchle auf Märkten und im Hofladen anbieten kann.

Immer weniger Rendite
"Der Landwirt verdient immer weniger an seinem Produkt. Kleine Betriebe werden immer mehr hinausgedrängt", bedauert Werner Nützel, Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands in Forchheim. In den vergangenen zwölf Jahren ging die ohnehin geringe Zahl der Schweinemasthalter im Landkreis Forchheim von 294 auf 133 zurück. Verabschiedet haben sich vor allem die Landwirte, die zuvor für den Eigenbedarf gemästet haben.

Höfe mit maximal 250 Schweinen, wie der in Görbitz, stellen nach Zahlen des Statistischen Bundesamts zwar 28 Prozent der insgesamt 30.300 Betriebe dar, besitzen jedoch nur knapp 4 Prozent der 28,13 Millionen Schweine in Deutschland. Über 38 Prozent der Tiere sind in jenen wenigen Betrieben (ca. 3000) untergebracht, denen über 2000 Schweine gehören.

Massentierhaltung ist Alfred Schaffer zuwider: "Ich habe nie ein Tier gequält. " Jeden Montag wird ein halbes Dutzend Schweine geschlachtet. Das Töten sei ihm nie schwer gefallen - egal, ob früher mit dem Bolzenschussgerät oder wie seit zehn Jahren mit der Elektrozange. Nur als er sein erstes Kalb geschlachtet hat, habe er eine Träne verdrückt. "Das hatte ich davor selbst getränkt." Bei seinen Eltern in Görbitz.

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