Die vielen dubiosen Machenschaften krimineller Betrüger verunsichern nicht nur Bürger. Auch Wohlfahrtsorganisationen, deren Mitarbeiter für seriöse Werbeaktionen unterwegs sind, um Mitglieder zu werben, bekommen das zu spüren. "Der Ruf der Werbeaktion leidet, aber nicht der Ruf der Organisation", sagt Andreas Rudolph. Er ist der Leiter für Fördermitgliedschaften, und einige Werber sind derzeit für das Rote Kreuz unterwegs, um Mitglieder zu werben.

Einen Beigeschmack habe es schon, die Mitglieder an die Haustüren zu schicken, gerade weil die Bürger durch Drücker für Zeitschriftenabos und andere unseriöse Werber stark verunsichert sind. Rudolph hat diesbezüglich gerade erst einen Anruf von einer Bürgerin erhalten, und besorgte Leser haben sich an den FT gewandt, um auf eine eventuelle Betrugsmasche aufmerksam zu machen, vor allem, weil sensible Kontodaten direkt in ein Tablet eingegeben werden sollen.

Rudolph freut sich über solche Nachfragen, zeigen sie doch, dass die Bürger aufpassen. Auch Jürgen Knauer, der Dienststellenleiter der Polizei Forchheim, findet es gut, dass die Bürger nicht einfach gutgläubig alles preisgeben. Dennoch ist die derzeitige Werbeaktion des BRK bekannt. Auch die Polizei ist darüber informiert. Seit 17. Juli sind Werber für das Rote Kreuz unterwegs. Die Werbedauer ist auf fünf bis sechs Wochen ausgelegt und kann je nach Erfolg weiter ausgeweitet werden.


Praktische Tablets

Ins Tablet sollen die geworbenen Mitglieder ihre Daten eingeben. Aus einem guten Grund: "Die Datensätze können schneller geschickt und fehlerfrei weitergegeben werden", erklärt Rudolph. Früher wurden alle Daten per Hand ausgefüllt, teils von den Werbern oder von den neu geworbenen Mitgliedern. Die Namen oder Adressen konnten nicht richtig gelesen werden, wurden falsch geschrieben, es konnten überhaupt keine Mitgliedsausweise erstellt werden oder das Geld für die Mitgliedschaft konnte vom Konto nicht abgebucht werden.

"Die Werber weisen sich mit einem Ausweis aus. Sie tragen weiße T-Shirts und rote Westen mit Rotkreuz-Emblem", informiert Rudolph. Ein Betrug sei kaum möglich, da diese Kleidung nur beim Roten Kreuz vorrätig ist.
Auch der ASB hatte vor wenigen Wochen eine Werbeaktion laufen. Auch hier waren Mitarbeiter unterwegs, um Fördermitglieder zu werben. Bargeld dürfen weder die Mitglieder des ASB, noch die des BRK nehmen. Sie werben für eine Fördermitgliedschaft, für eine langfristige Bindung an das Rote Kreuz. Alle zwei Jahre finden solche Mitgliederwerbeaktionen statt. Notwendig sei das aufgrund des permanenten Mitgliederschwunds von zehn bis 15 Prozent jährlich. Mitgliederbeiträge sind für die Wohlfahrtsorganisationen planbare Einnahmen. "Die Mittel aus der Fördermitgliedschaft werden eingesetzt, um unsere ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer mit der vorgeschriebenen Einsatzbekleidung auszustatten, um sie auszubilden und um die für Katastropheneinsätze oder große Schadenslagen notwendigen Ausrüstungsgegenstände und Gerätschaften anzuschaffen", erklärt Rudolph.


Falsche Polizeibeamte

Beim ASB werden keine Daten per Tablet erfasst, sondern Mitgliedsanträge ausgeteilt. Letztendlich schütze das den Bürger, denn Mitgliedschaften könnten trotz Unterschrift gekündigt werden und die Beiträge zurückgefordert werden.

Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es natürlich auch hier nicht. Das aktuelle Beispiel von falschen Polizeibeamten, die eine falsche Marke vorzeigen, macht das deutlich. "Man kann nie ausschließen, dass nicht derjenige in der Kleidung steckt, als der er sich ausgibt", sagt Dienststellenleiter Knauer.

Auf jeden Fall müssten die seriösen Sammler von Hilfs- oder Wohlfahrtsorganisationen einen Sammlerausweis und einen Ausweis der Genehmigungsbehörde haben. Vor allem rät Knauer den Bürgern, sich nicht unter Druck setzen zu lassen. Wer unsicher ist, solle keine Daten nennen, sondern sich den Antrag geben lassen und die Überweisung dann selbst tätigen.