Samstagmorgen, 10 Uhr. Das Thermometer zeigt bereits 28 Grad an - im Schatten! Spätestens jetzt kriechen die letzten Camper aus ihren Zelten auf der Schleuseninsel. Bei diesen Temperaturen wird das gemütliche Zelt innerhalb kürzester Zeit zur Dampfsauna. Im hinteren Teil des Zeltplatzes auf dem etwa vier Hektar großen Gelände sind schon längst alle auf den Beinen. Seit einer Woche zeltet hier die KjG (Katholische junge Gemeinde) St. Josef aus Remscheid. Über 50 Kinder zwischen sieben und 15 Jahren haben auf der Schleuseninsel ihre Zelte aufgeschlagen.

Die Gruppe kommt aus Nordrhein-Westfalen, aus der Nähe von Köln. Über 400 Kilometer haben die KjGler zurückgelegt. Ein LKW, ein Transporter mit Anhänger, vier PKW und ein Reisebus haben die 51 Kinder und ihre 20 Betreuer den über 400 Kilometer langen Weg nach Forchheim gebracht. "Es wird immer schwieriger, gute Zeltplätze zu finden, die groß genug für unsere Gruppe sind", erklärt der Lagerleiter Dennis Schneider. In Bayern seien sie bisher immer fündig geworden. Neben Forchheim waren sie schon in Neubrunn und Ebrach.


Für große Gruppen ausgerichtet

Sie sind nicht die einzigen, die eine lange Anfahrt hatten. Die Autokennzeichen verraten, was der Zeltplatzchef Christian Walz bestätigt: "Die Camper kommen aus allen Ecken Deutschlands." Hessen, Sachsen, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bayern - sie alle zieht es im Urlaub auf die Forchheimer Schleuseninsel, vor allem zu Pfingsten, im Juli und im August. Der Zeltplatz ist für große Gruppen ausgerichtet, jedoch falle auf, so Christian Walz, dass in den vergangenen Jahren immer mehr Familien und Einzelzelter ihr Lager aufschlagen.

Viele von ihnen sind Stammgäste, so wie Mario Teich und Stefan Fischer, die schon seit vier Jahren herkommen. "Natürlich immer zum Annafest", sagt Mario Teich und schmunzelt. Die beiden Dresdner brauchen nicht viel für einen entspannten Urlaub: gutes Wetter, ein Radio und natürlich ein gut gekühltes Fläschchen Bier. "Und ausreichend Sonnenschutz bei den Temperaturen", fügt Stefan Fischer hinzu. Den haben die beiden aber sowieso dabei, denn bisher hatten sie immer Glück mit dem Wetter, wenn sie auf der Schleuseninsel Urlaub gemacht haben.


Wasser aus der Spritzpistole

Louis und Leon Glaser haben etwas abseits ihre eigene Methode zum Abkühlen. Die Brüder wetzen über den Rasen und verfolgen sich mit ihren Wasserspritzpistolen. Sie machen schon zum dritten Mal mit ihrem Papa Thomas Glaser Urlaub auf der Schleuseninsel. Für den Forchheimer ist klar, dass es heute nur ein Ziel geben kann: "Ab ins Freibad!"

Das Wetter und das Annafest haben die Gruppe aus Remscheid schon vor einige Herausforderungen gestellt: Weil gerade die "fünfte Forchheimer Jahreszeit" ist, konnte sie sich nicht wie in den Jahren zuvor Kühlwagen für die Getränke bei den Getränkehändlern borgen.


Eine Feuerschale ist erlaubt

Und auch ein Lagerfeuer durfte die Truppe wegen der Brandgefahr in den ersten Tagen nicht machen. "Da stand dann nur eine Lampe in der Mitte. Das ist natürlich nicht das Gleiche", sagt Dennis Schneider. Doch schließlich gab ihnen der Platzwart Stefan Eberlein noch grünes Licht für eine Feuerschale, neben der natürlich immer griffbereit ein Eimer Wasser steht.

Die Gruppenleiter der KjG aus Remscheid haben auch schon einen Ausflug aufs Annafest gemacht. "Das ist wirklich eine tolle Atmosphäre und einfach mal was anderes", findet André Tix. Der 32-Jährige war lange Zeit Betreuer bei den Zeltlagern. Dieses Jahr hatte er aber eine andere Aufgabe: Er reiste später an, um das Lager zu überfallen und das Banner vom Fahnenmast zu klauen. Weil die Gruppe nicht aufgepasst hatte, konnte er seine Mission erfolgreich durchführen und genießt nun freie Kost und Logis. "Jetzt beginnen die Verhandlungen, wie wir unser Banner zurückbekommen", erklärt Dennis Schneider.

Bei den rekordverdächtigen Temperaturen am Wochenende war das Küchenzelt die wichtigste Anlaufstelle für die Kinder. Hier werden täglich bis zu 100 Liter Tee gekocht und ständig Wasserflaschen aufgefüllt. Der zehnjährige Thomas Pickert holt sich gerade Nachschub: "Ich finde es total cool, mal ohne die Eltern Urlaub zu machen und nicht in einem Bett zu übernachten."

Da stört es auch keinen, dass MP3-Player, Handy, Gameboy und Co. zu Hause bleiben mussten. Lagerleiter Dennis Schneider freut sich, dass jedes Jahr so viele Kinder mitfahren: "Bei einem Zeltlager gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder man macht es einmal mit und dann nie wieder, oder man ist jedes Jahr dabei." Der 26-Jährige ist bereits zum 13. Mal dabei. So wie er fahren viele der Kinder und Betreuer von klein auf mit. Viele werden später selbst Gruppenleiter.


Gerüstet für die Hitze

Langeweile kommt bei der KjG St. Joesf nie auf, denn das Team lässt sich jeden Tag etwas einfallen, egal ob Ranger Tour, Ausflug in den Streichelzoo oder Sommerrodelbahn. "Den Kindern ist egal, ob das Wetter gut ist. Die haben auch im größten Schlamm ihren Spaß", sagt der Lagerleiter. Für die heißen Tage haben sie sich gut gerüstet - mit aufblasbarem Pool und Sprinkleranlage.