Flussbarsch, Aal, Bachforelle - insgesamt 19 unterschiedliche Fischarten passieren den Biotoppass bei Neuses an der Regnitz. 2001 errichtete das Wasserwirtschaftsamt den damals größten Fischpass in Bayern, damit Fische sowohl flussaufwärts, als auch -abwärts die Regnitz bezwingen können. Mit dem Bau einer Wasserkraftschnecke auf Höhe der Wehranlage Neuses müssen sich die Fische ab Herbst 2014 neu orientieren.

Ökologischer Strom aus Neuses

Bis Ende Oktober will die Rhein-Main-Donau AG (RMD) in Zusammenarbeit mit Eon die 60. Wasserkraftwerksanlage bauen. Zum symbolischen Scherenschnitt stellten sich gestern auch Landrat Hermann Ulm (CSU) und der Bürgermeister der Gemeinde Eggolsheim, Claus Schwarzmann (BB/OEB), in den Dreck. Zwischen Biogasanlage und künftigem Wasserkraftwerk blicken die Politiker der Energiewende zuversichtlich entgegen: "Wo wir uns noch schwer tun, ist der Wind", sagt Schwarzmann. Da nach Ulm aber "viele kleine Mosaiksteine nötig sind, und jeder der 29 Gemeinden einen Beitrag leisten muss", freue er sich über "einen wertvollen Baustein".

Die Idee der Wasserschnecke: Nicht nur Fische beim Abwandern, sondern auch die Menschen sollen profitieren. 1,2 Millionen Euro fließen in das Projekt, um Restwassermengen vom Kraftwerk in Hirschaid auf Höhe des Wehrs Neuses in geschätzte 130 Kilowattstunden Strom umzuwandeln. Wie das funktionieren soll, erklären Projektleiter Alexander Bubeliny und Jan Kiver von der RMD: Erst einmal wird das westliche Ufer befestigt, damit die Wasserwanderer ihre Sportboote umsetzen können. Während der Arbeiten wird die Baustelle hochwassersicher vom Oberwasser mit einer sogenannten Spundwand abgetrennt. Im September wird die Wasserkraftschnecke mit einem 500-Tonnen-Schwerlastkran eingehoben. In einer Fallhöhe von fünf Metern und im 26-Grad-Winkel wird sie in der Schräge positioniert. Das Kleinwasserkraftwerk kann man sich wie eine archimedische Schraube, die einen Durchmesser von 3,10 Meter hat, vorstellen - nur eben umgekehrt.

Die Neuseser Anlage läuft rund um die Uhr, jeden Tag. Damit wird nicht nur die Jahresproduktion von ökologischem Strom in Franken erhöht, sondern auch das Klima um insgesamt fast 800 000 Kilogramm Kohlendioxid entlastet. Wolfgang Fischbacher von der RMD weiß, "130 Kilowattstunden Strom sind zwar nicht die Welt, aber dafür kann Wasser das ganze Jahr Vollgas geben."

Fischpopulation wird geschützt

Ein halbes Jahr, fünf bis sechs Arbeiter vor Ort - es ist keine große Baustelle im Industriegebiet von Eggolsheim. Aber der Aufwand für den Erhalt der Fische scheint groß zu sein: Wenn sich das Wasser, das aus der Kleinkraftanlage tost, seinen eigenen Weg durch das Flussbett bahnen würde, würde das die Fische verwirren. Mit Hilfe von künstlich gesetzten Steinen im Flussbett wird die Strömung der Regnitz ausgeglichen und die Fische werden über das Biotop geführt. Die Hoffnung: Die Fische bahnen sich ihren Weg intuitiv und verletzten sich nicht in der Wasserkraftschnecke.