Zwar habe es ab 1924 eine neue Generationen von Turbinen gegeben, aber am Prinzip der Stromerzeugung durch Wasserkraft habe sich seit 1906 nichts geändert.

Wingenfeld ist Maschinist im Kraftwerk Schwedengraben. Er ist Herr über drei Francis-Turbinen. Heute läuft allerdings nur eine der drei, denn im April führt die Wiesent kurz vor Forchheim nicht mehr als acht Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Zwischen November und Januar sei das anders: 24 Kubikmeter pro Sekunde. Nur in diesen drei Monaten laufe das Kraftwerk "auf Volllast".

Kai Wingenfeld hat Freude an der Technik des Kraftwerks. Wortreich führt er durch den roten Ziegelsteinbau und erklärt, wie der vier Tonnen schwere Generator, das Laufrad, die Riemenscheibe und die Turbine zusammenwirken müssen, damit am Ende Strom rauskommt.


Geduld ist gefragt



"Eine stetige Energie", schwärmt der Maschinist, "so ein Kraftwerk läuft 24 Stunden am Tag und das 365 Tage im Jahr." Doch selbst wenn er ein Wasserrecht hätte, er würde sich die Sache gründlich überlegen, sagt der 43-Jährige. "Wenn ich heute ein Kraftwerk baue, mache ich persönlich kein Geschäft mehr damit, sondern erst die Generation nach mir." Zwei Jahrzehnte brauche man Geduld, bis sich das lohne.

Johannes Kraus hat die Geduld und die Mittel. Vor 20 Jahren kaufte er in Bamberg sein erstes Kraftwerk; 1998 erwarb er das Forchheimer Kraftwerk Schwedengraben und auch das Kraftwerk an der ehemaligen Spinnerei gehört ihm. "Das rechnet sich schon", sagt Kraus.

Nicht zufällig gebe es neuerdings im Umweltministerium eine Abteilung, die sich um ökologische Wasserkraft kümmere. Doch entlang der Wiesent seien die Möglichkeiten begrenzt: "Die Absturze sind hier nicht sehr groß."
Johannes Kraus, der sich als "sehr schwarzer Grüner" bezeichnet, betont auch, "dass nicht alles aus wirtschaftlicher Sicht betrieben werden darf". Daher hat er am Schwedengraben und auch am Gosberger Wehr in Fischtreppen investiert. Und er plädiert dafür, dort die Wasserkraft voranzutreiben, "wo es die Querverbauungen schon gibt".

Am Schwedengraben werden drei Millionen Kilowattstunden im Jahr produziert. Damit lassen sich etwas 650 Haushalte mit Strom versorgen. "Aber eine kleine Kraftwerkschnecke, das lohnt sich vielleicht nach 50 Jahren", sagt Johannes Kraus. "Die Rendite liegt vielleicht bei 2,5 bis drei Prozent."


80.000 Euro für neue Turbine


Auf viele solcher Kleinprojekt setzt die Arbeitsgruppe Wasserkraft im Landkreis Forchheim. Claudia Schmidt arbeitet hier mit und weiß, wie "mühsam" es ist, Menschen zu finden, die ihr Wasserrecht reaktivieren. Einer der es sich überlegt, ist Günther Windisch aus Unterzaunsbach. Seit 1923 besitzt seine Familie das Wasserrecht und die Turbine lief auch - bis 1997. Aber jetzt müsste Günther Windisch 80.000 Euro in eine neue Turbine investieren: "Es dreht sich alles ums Geld." Ungefähr 800 Liter pro Sekunde stehen ihm an der Trubach zur Verfügung, ein Vermögen kann man damit nicht machen.

Jürgen Fiedler (Geschäftsführer der Stadtwerke Ebermannstadt) geht davon aus, dass an den "lohnenden Standorte des Landkreises schon Kraftwerke laufen". Dennoch hofft er, dass sich Menschen wie Günther Windisch entschließen, das Potenzial der Wasserkraft zu nutzen. "Es gibt viele alte Mühlen, die aufgelassen worden sind. Die Stadtwerke sind bereit, zu helfen und zu beraten, wenn jemand wieder einsteigen will. Auch Förderungen sind möglich."


Mit einer Mühle begann es



Der Grundstein der Stromversorgung der Fränkischen Schweiz sei ja im Jahr 1903 eine Mühle gewesen, erinnert Fiedler. "Mittlerweile gibt es acht Kraftwerke im Netzgebiet, zwei davon gehören den Stadtwerken Ebermannstadt."

Diese acht Kraftwerke produzieren 2,3 Millionen Kilowattstunden. Fiedler rechnet vor: Bei insgesamt 55 Millionen Kilowattstunden im Netzgebiet, bedeute dies, dass 4,2 Prozent der Stromversorgung über das Wasser läuft.


Erbe am rechten Wiesentarm



Mit Blick auf die Standorte rund um Forchheim sei die Wasserkraft wohl weitgehend ausgereizt, sagt Franz Stumpf. Der Forchheimer Oberbürgermeister betreibt selbst ein Kraftwerk am rechten Wiesentarm, das er von seiner Großmutter geerbt hatte. "Das war ihre Altersversorgung", sagt Stumpf.

"Wasserkraft zu kaufen ist immer sinnvoll, wenn zwei Bedingungen stimmen", betont Franz Stumpf: Die Fließgeschwindigkeit sei entscheidend und das Gefälle des Flusses.

Seine Großmutter etwa habe einen riesigen finanziellen Aufwand betrieben, um das Flussbett tiefer zu legen. So wurde das Gefälle von 1,50 auf 2,70 Meter erhöht.

Zum Vergleich: Am Schwedengraben ist das Gefälle 5,30 Meter hoch. Und es fließen bis zu 24 Kubikmeter pro Sekunde. Am rechten Wiesentarm fließen "höchstens sechs Kubikmeter pro Sekunde", sagt Franz Stumpf.
Reizvoll bei dieser Energiegewinnung sei, dass "die Turbinen in der Regel bis zu 80 Jahre lang Tag und Nacht laufen." Reizvoll sei weiter, sagt Stumpf, dass dank des neuen Einspeisungsgesetzes neun Cent pro Kilowattstunde festgeschrieben seien und dass die Stadtwerke verpflichtet sind, die Energie abzunehmen. "Früher musste man das alles aushandeln."

Wasserkraft sei "nicht unrentierlich". Gleichwohl warnt Franz Stumpf vor Kleinstwasserkraftwerken: "Wer in den Wasserbau investiert und alles fremdfinanziert, der hat ein permanentes Ärgernis. Um neu einzusteigen, braucht man gute Berater."