Rüdiger Lindner öffnet die Tür, bittet mit einer Handbewegung herein und sagt, dass dieses Büro "eigentlich gar nicht existiert". Damit will er sagen, dass ein Genossenschaftsbanker "fast immer draußen beim Kunden" arbeitet. Aber auch in der Bauweise der Banken spiegelt sich die Genossenschaftsidee: Die Räume sind luftig, großzügig , ohne Prunk - und sie sind dezentral geordnet.

Einst waren es 30 einzelne Banken im Raum Forchheim. Dann begannen die Häuser entlang der B 2 bis nach Forchheim zu fusionieren. "Wir sind eine Flächenbank", sagt Lindner, der den Vertrieb und das Marketing im Kompetenz-Zentrum Eschenau leitet.
Die Fläche reicht von Neunhof im Nürnberger Land bis nach Schnaid im Raum Bamberg. Die Häuser sind unterschiedlich groß und sogar eine fahrbare Zweigstelle gibt es noch; aber es gibt nirgends einen "Glaspalast" oder einen "Turm auf der grünen Wiese", sagt Lindner: "Wir sind dezentral geblieben. Der Kunde muss nicht irgendwo eine Fachabteilung aufsuchen, der Vorstand geht zum Kunden".

Wenn Lindner über die Vorzüge der Genossenschaftsidee spricht, ist fast immer ein Lächeln in seinem Gesicht. Das war nicht immer so. Als junger Azubi sei er von den Kollegen belächelt worden. "Die Azubis der anderen Banken haben in der Berufsschule auf uns herabgeschaut", erinnert sich der gebürtige Kulmbacher (Jahrgang 73) .
Belächelt zu werden, das gehörte aber auch nach der Ausbildung dazu. Warum? "Weil wir tief im Bürgertum integriert sind", sagt Rüdiger Lindner, "weil wir bodenständig sind und weil wir uns nicht an den Börsen tummeln". Und wohl auch, meint der Bankbetriebswirt, "weil wir nicht bei den neuartigen Geschäfte mitreden, von denen sich rausstellt, dass auch diejenigen sie nicht verstehen, die sie gemacht haben". Lindner spielt auf die Bankenpleiten an und sagt lakonisch: "Die Pleite einer Genossenschaftsbank gab es noch nie, kann es nicht geben."
Wohl auch deshalb hat sich die Haltung der Konkurrenz verändert. Mittlerweile werde der Genossenschaftsgedanke ja nicht nur im Bankensektor, sondern weltweit gefeiert, betont Lindner. Und zitiert den UNO-Generalsekretär Ban-Ki Moon: "Genossenschaften zeigen der Weltgemeinschaft, dass ökonomische Zielsetzungen und soziale Verantwortung gleichsam erreicht werden können".

Im Landkreis Forchheim haben auch die Grünen die Idee aufgegriffen. In Neunkirchen versucht eine Energiegenossenschaft an der Windenergie zu partizipieren. "Wir hatten bislang eine zentralistische Energiestruktur - und plötzliche können wir lokal handeln, das ist revolutionär", beschreibt Lisa Badum ihre Begeisterung. Die Grüne Kreisrätin freut sich, dass die Windkraft der Genossenschaftsidee "in den letzten drei Jahren einen Boom beschert" habe. Diese Rechtsform sei ideal, sagt Badum: Jeder Genosse habe eine Stimme, unabhängig von der Höhe der finanziellen Beteiligung. Zudem gehe es nicht um Gewinnmaximierung.

Teilhabe im Vordergrund


"Wie bei den Musketieren: Jeder hilft jedem", meint Corinna Frühwald. Sie arbeitet für die Wirtschaftsförderung im Landkreis und berät seit zehn Jahren Existenzgründer. Dabei stünden Einzelinteressen im Vordergrund. "Bei den Genossenschaften dagegen die Teilhabe an einem wirtschaftlichen Interesse". Einen Boom würde sie "das Aufblühen der Idee" aber nicht nennen: "Es wird viel darüber gesprochen, aber wie viele werden es tun?", fragt Frühwald. "Für die Energiekiste jedenfalls ist es ein brauchbares Instrument", meint die Beraterin: "Es geht nicht um Geldanlage, sondern um Selbstverantwortung."

Auch Rüdiger Lindner bewundert daher den Enthusiasmus der Energie-Genossen in Neunkirchen am Brand. Aber er warnt auch: "Das Windgeschäft ist extrem kompliziert." Der 39-Jährige hat 2009 die Energiegenossenschaft "FrankENergie" mitgegründet. Da sei einige Jahre Geduld gefragt, bis erste kleine Gewinne ausgeschüttet würden: "Wenn es außer dem Wunsch nach Dividende keine emotionale Bindung gibt, dann ist eine Genossenschaft nicht die passende Form.
Daher betrachtet der Bankbetriebswirt das sich anbahnende "Windgeschäft" mit Vorsicht: Um Windräder zu bauen, benötige man Großinvestoren: "Doch Großinvestoren werden nicht in eine Genossenschaft investieren, da haben sie viel zu wenig Einfluss."