1088 Euro! So wenig hat ein Alleinverdiener nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben am Monatsende übrig, wenn er wöchentlich 40 Stunden arbeitet und pro Stunde 8,50 Euro verdient. Dieses Rechenbeispiel gibt Roland Dauer, der Geschäftsführer der Agentur für Arbeit (Arge) in Forchheim. Und das Beispiel zeigt, dass ein Brutto-Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde einen Netto-Monatslohn hervorbringt, der nur knapp über dem Existenzminimum (1045 Euro pro Monat) liegt.

Einen "flächendeckenden Schub" könne ein Mindestlohn in dieser Höhe nicht bringen, meint Roland Dauer. Fast alle von der Arge vermittelten Jobs lägen "bereits jetzt annähernd bei 8,50 Euro pro Stunde." Daher, sagt Dauer voraus, werde "die Auswirkung nicht so großartig sein", wenn der von der SPD geforderte gesetzliche Mindestlohn komme. "Geschichten von Friseurinnen, die mit vier Euro pro Stunde abgespeist werden", gebe es in Forchheim nicht, sagt Dauer.

Zuwachs bei Werksverträgen ist größte Baustelle

Zwar sei im Friseurhandwerk und auch bei der Zeitarbeit die 8,50 Euro-Marke ab Januar erreicht, sagt Mathias Eckardt, der Regionsvorsitzende des DGB für Oberfranken-West. Aber Eckardt sorgt sich um den "ungeregelten Bereich": Bei den Werkverträgen und bei den Mini-Jobs gebe es keinen Tarif. Daher sei am Ende der Diskussion um den Mindestlohn entscheidend, "wie das Gesetz geschrieben wird" Eckardt: "Bei den Werkverträgen haben wir die meisten Zuwächse, das ist die größte Baustelle". Der DGB-Mann ist zuversichtlich, dass künftig sowohl bei den Werkverträgen als auch bei den 450 Euro-Euro-Jobs ein Mindestlohn gilt. Dann werde es auch in der Gastronomie keine Fünf-Euro-Jobs mehr geben.

Dass es die gibt, das weiß auch Georg Hötzelein, Gastwirt aus Regensberg und Vorsitzender des Gaststättenverbandes im Kreis Forchheim. Einige Wirte in der Fränkischen Schweiz könnten das Schäuferla nur deshalb so billig anbieten, weil sie niedrige Löhne zahlten. Komme der Mindestlohn, werde das Schäuferla eben teurer. "Unter diesem Aspekt ist der Mindestlohn gar nicht so verkehrt", sagt Hötzelein. Dennoch hält er die 8,50 Euro-Regelung bei den Mini-Jobs für fragwürdig. Er zum Beispiel bezahle für diese Jobs in seiner Küche zwischen 7,50 und 8 Euro pro Stunde. "Dieses Geld gibt es am Ende des Tages bar auf die Hand", sagt Hötzelein. Würde dieser Lohn besteuert wie ein 8,50-Euro-Mindestlohn, bliebe den Mini-Jobbern "deutlich weniger übrig".

Aus demselben Grund wie Hötzelein sagt auch Wolfgang Caps: "Ich bin kein Freund vom Mindestlohn, weil die Diskussion zu unkonkret geführt wird." Der ASB-Geschäftsführer hatte bereits im Wahlkampf beobachtet, wie "schwammig" das Thema Mindestlohn dargestellt worden sei. Jetzt, da die Umsetzung der Forderung anstehe, werde diese "Schwammigkeit" offensichtlich.

Beispiel Fahrdienst

Caps versucht das am Beispiel des ASB-Fahrdienstes zu verdeutlichen. "Offenbar ist vielen nicht bewusst, dass die geforderten 8,50 Euro einen Bruttolohn darstellen." Nach Abzug der Steuern und Abgaben "kommen netto vielleicht sechs Euro raus." Würde an die 450 Euro-Jobs der ASB-Fahrer demnach der Maßstab des 8,50-Euro Brutto-Lohn angelegt, "bekämen die Fahrer weniger als sie momentan bekommen", betont der ASB-Geschäftsführer. "Der Fahrdienst hat teilweise ehrenamtlichen Charakter. Mit den 450 Euro, die Cash ausbezahlt werden, sind wir deutlich über dem, was andere bezahlen."