Einen monatlichen Rentengewinn soll Gerhard Schmidt aus Leutzdorf laut einer Benachrichtigung per Postkarte erhalten, wenn er sich bis zum 28. Juli unter der angegebenen und angeblichen Gratis-Hotline meldet. Dem folgt eine 0800-er Nummer.

Mit Stempel und Prüfzeichen ist diese Karte ausgestellt. Die Unterschrift auf der Karte sieht aus, als wäre sie persönlich unterzeichnet worden. Tatsächlich aber wurde die handschriftliche Unterschrift maschinell erstellt. Auf der Rückseite folgt ein großer Absatz mit Kleingedrucktem, kaum lesbar.


Kostenloser Rückruf

"Es kam mir komisch vor, wenn jemand etwas schenken will", sagt Schmidt. Er suchte gleich im Internet nach dem Absender, der Firma HCC GmbH in Hamburg, und was er dort las, bestätigte seine unguten Vermutungen.
"In den Berichten wird vor der Firma gewarnt", erzählt Schmidt und nennt die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt, die vor großen Kosten bei dem kostenlosen Rückruf warnt. "Mit Anruf der angegebenen Nummer meldet sich eine nette Dame an der ,Glückshotline', die den Betroffenen als potenziellen Gewinner begrüßt. Aber nicht nur das ist Inhalt des Gespräches", warnt die Verbrauerzentrale. Der Kartenbesitzer könne nach dem Anruf Lose erwerben. Zur Teilnahme an einem Glücksspiel wird mit der Karte animiert, und da die Firma angerufen wurde, fällt es nicht unter den unzulässigen Loseverkauf per Telefon.

Als Gerhard Schmidt die Google-Einträge weiterstudierte, fand er kaum Erfahrungsberichte aus dem fränkischen Raum. "Ich habe den Eindruck, dass in ihrem Verbreitungsgebiet nichts mehr geht und sie deshalb auch in Bayern diese Karten verteilen", sagt Schmidt. Er fände es freilich schön, einen Gewinn zu erhalten. Doch irgendwelchen Betrügern auf den Leim gehen, will er nicht. Deshalb legt er auch sofort auf, wenn am Telefon Anrufe mit angeblichen Gewinnen bei ihm eingehen. Solche Gewinnversprechungen kennt die Polizei in Ebermannstadt nur zu gut. Es gehört schon fast zum Tagesgeschäft.

Doch von der Firma HCC hat sie bislang noch nichts gehört. "Wenn Anrufe oder Post von dubiosen Firmen kommen, nicht darauf eingehen. Auflegen, Karte entsorgen", empfiehlt Andreas Müller, Polizeihauptkommissar in der Polizeiinspektion Ebermannstadt. Und vor allem sollten die Leute nichts zahlen.


Rechner im Ausland

Denn nicht selten werden auch Karten von angeblichen Inkassobüros verschickt, die den Empfänger zu Zahlungen auffordern.

Nichts bezahlen, solange keine offizielle Benachrichtigung von einem Gericht kommt, mahnt Müller. Oft würden diese vorgetäuschten Forderungen viele Rechtschreibfehler beinhalten oder auch am holperigen Sprachstil erkennbar sein. "Wenn nur zehn Personen zahlen, macht die Firma einen Riesengewinn", sagt der Polizeihauptkommissar.

Die Firmen, die ihren Sitz oder ihren Rechner oft im Ausland haben, können nicht recherchiert werden. Doch die Menschen, die diese vorgetäuschten Inkassoaufträge in ihrem Briefkasten finden, werden damit oft eingeschüchtert.

Wer sich nicht sicher ist, ob die Anschreiben echt sind oder eine Fälschung, solle dies von der Polizei prüfen lassen. Auch Gerhard Schmidt hat bei seiner privaten Recherche herausgefunden, dass die Firmen im Ausland sitzen und oft Adressen aufkaufen. Nur so lässt es sich erklären, dass die Firma HCC, die einen Rentengewinn verspricht, an seine Daten kam. Schmidts Sorge gilt den Menschen, die hinter solchen Benachrichtigungen nichts Böses vermuten und darauf hereinfallen. "Es gibt viele dubiose Firmen und es dauert lange, ihnen das Handwerk zu legen. Oft haben sie ganz clevere Geschäftsmodelle. Ich finde das entsetzlich und dachte, dass dies schon seit Jahren verboten wäre", sagt Schmidt.

Doch wie die Verbraucherzentrale schon beteuerte, wird mit der Masche, dass der Empfänger sich bei der Firma melden muss, offensichtlich wieder legaler Boden betreten.