Es ist heiß. Grässlich heiß. Ich sitze zwar erst seit knappen zehn Minuten auf der gelben Bank neben dem Schwimmerbecken, halte es aber trotzdem kaum noch aus. Schwimmmeister Klaus Wagner vom "Ebser Mare" scheint die Hitze nicht viel auszumachen; er ist wahrscheinlich schon abgehärtet. Kein Wunder, nach 29 Jahren, die er schon im Freibad in Ebermannstadt arbeitet. Wenigstens habe ich mich gut eingecremt, aber eine Kappe wäre auch nicht blöd gewesen.

"Man muss mit den Augen überall sein"
Wir beobachten den Sprungturm, der jetzt wieder für die Badegäste freigegeben ist. Alles ist ruhig, keiner drängelt und retten müssen wir auch niemanden. Trotzdem bin ich kurz davor, einfach so ins Wasser zu springen. "Ich würde in meiner Freizeit nie ins Schwimmbad gehen", sagt Klaus Wagner. Während er spricht, lässt er das Becken und die Badegäste nie aus den Augen. "Man muss mit den Augen und Ohren überall sein, auch unter Wasser", erklärt er. Ganz schön anstrengend bei so vielen Gästen und der flimmernden Wasseroberfläche.


Der gelernte Mechaniker kennt das Freibad wie seine Westentasche. Er ist nie um einen flotten Spruch verlegen, das schätzen die Gäste an ihm. Bis zu 3000 Schwimmer kommen bei gutem Wetter ins Freibad nach Ebermannstadt. Da ist es eine echte Herausforderung, den Überblick zu behalten.

Nach einer Stunde schlendern wir gemütlich zum Sprungturm, lassen die letzten Wasserfrösche hinunterspringen und sperren die Leiter dann wieder ab. Anschließend rollen wir die rote Plastikkette, die den Schwimm- vom Sprungbereich trennt, wieder auf und setzen unseren Rundgang fort.

Keinen Mist bauen!
Es ist ein ruhiger Tag, alle benehmen sich. Wir laufen vorbei am Kinderbecken zu einer großen Liegewiese, wo auch das Volleyballfeld ist. "Hier versammelt sich die Jugend", sagt Klaus Wagner, selbst Vater zweier Söhne. "Ich schaue so zwei bis drei Mal am Tag nach dem Rechten. Die wissen schon: Wenn sie keinen Mist bauen, lasse ich ihnen ihre Ruhe." Wir gehen über die Brücke wieder Richtung Schwimmbecken und überprüfen, ob bei den Rutschen alles seinen geregelten Gang geht.

Klaus Wagner deutet auf einen Nussbaum im hinteren Bereich des Schwimmbads. "Den habe ich selbst gesät", sagt er stolz. Das war vor fast 21 Jahren, kurz bevor sein Sohn zur Welt kam. Inzwischen hat sich aus der kleinen Nuss ein prächtiger Baum entwickelt, der den Badegästen jetzt Schatten spendet.

Klaus Wagner ist Schwimmausbilder, Rettungsschwimmer und hat eine Erste-Hilfe-Ausbildung. Er ist auf alles vorbereitet, muss aber heute nur das blutende Knie eines kleinen Mädchens verarzten. In seinem Büro zeigt er mir die Aufnahmen der Überwachungskameras, die an den Rutschen angebracht sind.

Ganz schön kompliziert
Anhand eines Computerprogrammes erklärt er mir, wie der Chlorgehalt und der pH-Wert des Wassers überprüft werden. Falls mal etwas kaputt geht, muss Wagner es reparieren. Ich bin erstaunt, was man als Bademeister alles wissen und können muss. Sieht alles ganz schön kompliziert aus für meinen Geschmack. Tagsüber ist es zwar ruhig im Freibad, doch die richtige Arbeit beginnt erst nach 20 Uhr, wenn die Badegäste verschwunden sind. Dann reinigt Wagner die Filteranlagen und die Fließen, sucht die Wiesen nach Scherben ab und bessert aus.

Und was macht er an einem Regentag? "Dann wird Rasen gemäht. Es gibt immer was zu tun.", lacht er. Selbst im Urlaub, den Wagner gerne mit seiner Frau beim Tauchen in Ägypten verbringt, kann er nicht abschalten. "Meine Augen suchen automatisch das Wasser ab. Schwimmmeister ist kein nine-to-five-job - Schwimmmeister ist man immer."