Irene Steger veranstaltet seit acht Jahren Taubenwettflüge. Ob allerdings das diesjährige "Frankenderby" starten kann, ist ungewiss.
Denn die deutsche Tierrechtsorganisation Peta hat bei der Staatsanwaltschaft Bamberg Strafanzeige gegen die Veranstalterin aus Leutenbach gestellt.
Das Frankenderby ist eine von sechs Veranstaltungen in Deutschland, die Peta verhindern will. Der Verein (mit Sitz in Stuttgart) wirft den Veranstaltern Tierquälerei vor. Zudem gehe es um den "Verdacht", dass bei den Wettflügen "ein illegales Glücksspiel betrieben wird", erläuterte Christian Arleth (Justiziar bei Peta) dem FT am Freitag.
In Deutschland sei das Vorgehen gegen die Taubenwettflüge "in dieser Form ein Novum", sagt Arleth. Petas Schwesterorganisationen in den USA und Großbritannien hätten mit vergleichbaren Anzeigen große Erfolge erzielt: Es habe Verurteilungen gegeben - und das größte Taubenrennen in den USA finde "nicht mehr statt".
Der Verband Deutscher Brieftaubenzüchter (mit Sitz in Essen) reagierte am Freitag sehr einsilbig auf die Strafanzeigen gegen Taubenzüchter im ganzen Land: "Zu laufenden Ermittlungen wird nichts gesagt, aber es wird wohl was passieren", meinte eine Sprecherin.
Auch Irene Steger hat sich an den Verband gewandt. Sie setze auf den Rechtsanwalt, der die Brieftaubenzüchter im Namens des Verbandes vertreten werde. Den Vorwurf der Tierquälerei empfindet Irene Steger als unhaltbar. Und dass mit dem Brieftaubensport ein illegales Glücksspiel betrieben werde, sei aus ihrer Sicht einfach nur unsinnig: "Wetten finden auf unsrem Grundstück nicht statt."


Eine "Mama" für 400 Tauben

Im September soll das nächste Franken-Derby starten. "Jeder, der mit seinen Zuchttauben zu uns kommt, ist begeistert", sagt Steger. Ihre drei Taubenschläge stehen in Oberehrenbach. Hier liefern die Züchter, die sich am Derby beteiligen, die Jungtiere ab. Die "Tauben-Mama", wie Irene Steger sich selbst bezeichnet, kümmert sich um 400 Vögel. Das Konzept ihrer Veranstaltung schildert sie so: "Die Tauben kommen mit 28 Tagen zu uns und werden von uns betreut. Ich lasse sie auch vom Tierarzt untersuchen. Die Tiere werden nur mit den besten Produkten versorgt."
In den Monaten bis zum Wettflug, trainiert Irene Steger die Tauben, auf ihr Pfeifen zu hören und nach kürzeren Ausflügen in den Schlag zurückzukehren.
Irene Steger betont, dass ihre Tauben-Leidenschaft nichts mit Geldverdienen zu tun habe. "Das ist ein Ein-Euro-Job". Nach dem letzten und längsten Flug des Derbys (300 Kilometer) würden die Tauben von vielen Züchtern wieder zurückgenommen und zur Zucht verwendet.
Peta-Pressesprecher Denis Schimmelpfennig verurteilt die Wettflüge: "Weil den Tieren unnötig etwas abverlangt wird. Sie müssen über ihre Grenzen gehen. Viele Tauben verfliegen sich, sie werden von ihrem Heimatschlag getrennt und sterben an Erschöpfung oder sie verdursten." Dass der Einsatz von Brieftauben eine lange Tradition hat und dass die Tiere überall auf der Welt zur Übermittlung von Nachrichten eingesetzt werden, ist für Denis Schimmelpfennig kein brauchbares Argument: "Tradition rechtfertigt keine Tierquälerei." Zumal bei vielen Wettflügen, die Peta bekannt seien, "die Motivation das Geldverdienen ist". Daher die Anzeigen wegen illegalen Glücksspiels. Es würden bei manchen Wettflügen Siegprämien zwischen 10 000 und 100 000 Euro ausgezahlt.


25 000 Züchter im Wettbewerb

Rund 2,5 Millionen Brieftauben gibt es laut Peta-Angaben in Deutschland - und 25 000 Züchter, die an Wettbewerben teilnehmen. Was nach Ansicht von Christian Arleth in der Berichterstattung über das Thema viel zu wenig vorkomme, das sind die sogenannten "Setzverluste". Also die Zahl jener Tauben, die nicht mehr in ihrem Heimatschlag ankommen und daher beim nächsten Flug nicht wieder gesetzt werden können.


53 Prozent kommen nicht zurück

Die Tierrechtsorganisation verweist auf die Fünf-Jahres-Studie des Tierarztes Matthias Warzecha. Er hat von 2004 bis 2008 die Setzzahlen der Wettflüge in ganz Deutschland analysiert. Warzecha kommt zu dem Ergebnis, dass jährlich 53 Prozent der Flugtauben auf der Strecke bleiben. Weil diese Wettflüge "nicht um ihrer selbst willen stattfinden", fordert Christian Arleth: "Unsere Sicht ist, dass man die Tiere in Ruhe lassen sollte."
Legt man die Maßstäbe des Tierschutzgesetztes an, habe es beim Thema Taubenzucht im Landkreis Forchheim "bisher keine Probleme gegeben", sagt Holger Strehl (Pressesprecher am Landratsamt).
Noch offen ist, wie sich Dr. Bernhard Hauser (Leiter des Veterinäramtes am Landratsamt Forchheim) zu den aktuellen Vorwürfen äußern wird.
Irene Steger jedenfalls ist sich sicher: Dass viele Tauben nicht mehr in die Heimatschläge zurückkämen, habe auch mit dem Verhalten der Tierschützer zu tun: "Es werden viel zu viele Wanderfalken ausgesetzt. Die Brieftaubenzüchter jammern kolossal. Das ging vor drei Jahren los." Das Problem liege nicht darin, dass die Tauben für einige Stunden in der Luft seien - sondern dass "der Himmel brennt vor Raubvögeln".