Die letzte Führung seiner regulären aktiven Dienstzeit war eine Sonderführung für alle Kollegen, Mitarbeiter und Vertreter des Zweckverbands Teufelshöhle und der Stadt Pottenstein. Danach wurde Karl Josef Deinlein von Zweckverbandsvorsitzendem und Bürgermeister Stefan Frühbeißer (CWU/UWV) als Betriebsleiter und Vorarbeiter des Teufelshöhlenteams offiziell in den Ruhestand verabschiedet. 44 Jahre lang war der Pottensteiner Karl Josef Deinlein das "Gesicht" der weltbekannten Teufelshöhle. 1974 wurde der heute 63-jährige Deinlein als Höhlenführer vom Zweckverband fest angestellt. Schon vorher hatte der Naturfreund an den Wochenenden als Höhlenführer ausgeholfen. Da war Deinlein noch als Maurer bei einer früheren Pottensteiner Baufirma beschäftigt, bei der er dieses Handwerk auch gelernt hat. Begeistert war er schon immer von der Teufelshöhle und hat somit auch seinen Traumjob gefunden. 2007, zu seinem 25. Dienstjubiläum, wurde Deinlein zum Betriebsleiter und Vorarbeiter ernannt. Schon zuvor war er stellvertretender Betriebsleiter. Dies bedeutet viel Verantwortung, vor allem, was die Sicherheit betrifft. Als Betriebsleiter koordinierte Deinlein alle Arbeiten und legte selbst mit Hand an, als die ganzen Wege und Stufen in der Tropfsteinhöhle neu betoniert und im Außenbereich die Wege neu gemacht wurden. Zweimal wurden in der Höhle während seiner langen Dienstzeit die Geländer erneuert. In den 1980er Jahren wurden verzinkte Geländer eingebaut, vor fünf Jahren wurden alle Geländer in Edelstahl ausgetauscht. Zweimal wurde in den 44 Jahren auch die komplette elektrische Beleuchtung erneuert. 1977 wurde erdverkabelt und 2007 dann alles auf die stromsparende LED-Technik umgestellt. Die Wasserleitung wurde in die Höhle verlegt, um Reinigungsarbeiten durchführen zu können. Auch Telefone wurden in der Höhle für Notrufe installiert.

Therapiestation

Vor über 25 Jahren wurde die Therapiestation eingerichtet. Als Deinlein als Höhlenführer anfing, kamen noch weit mehr Besucher als heute. 300.000 Besucher im Jahr waren es bis zur Wende im Durchschnitt. Heute hat sich die Besucherzahl etwa halbiert. Den Besucherrückgang führt Deinlein auch auf die vielen neuen Einrichtungen der Pottensteiner Erlebnismeile zurück. Früher gab es als fast einzige Attraktion in Pottenstein nur die Teufelshöhle. "Früher kamen auch wesentlich mehr Busse", erinnert sich Deinlein, der in den 44 Jahren etwa zwölf Millionen Besucher durch die Teufelshöhle geführt hat. Früher seien die Leute auch viel wissbegieriger gewesen, weil sie vieles noch nicht kannten. "Heute ist das anders, weil sich die meisten Besucher schon vorher im Internet informieren", erläutert Deinlein.

Besucherverhalten geändert

Auch das Besucherverhalten hat sich grundlegend verändert. Früher bezahlte man den Eintritt anstandslos, heute wird oft an der Kasse verhandelt und gefeilscht. Man will alles billiger haben. "Höhlenführer zu sein, ist schon sehr anstrengend", erklärt Deinlein, "denn bei jeder Führung muss der Höhlenführer 300 Stufen rauf- und runtersteigen. Und das in Stoßzeiten oft fünf- bis sechsmal am Tag. Dazu braucht es mindestens zwei Höhlenführer, in Spitzenzeiten aber vier und mehr. Sonst ist das nicht zu bewältigen, zumal es keine festen Führungszeiten gibt." Es waren aber sehr schöne Zeiten in der Höhle. Dazu trugen die Kabarettabende im Rahmen der Reihe "Kultur in der Teufelshöhle" bei.

Notfall in der Höhle

Vor kurzem gab es einen Notfall in der Höhle. Ein Mann erlitt einen Herzinfarkt an der Kreuzigungsgruppe. Deinlein entschied als Betriebsleiter, die Höhle für den Publikumsverkehr zu sperren, damit der Rettungsdienst ungehindert helfen konnte. Das passte einigen Besuchern an der Kasse gar nicht. "Die wollten unbedingt in die Höhle", berichtet Deinlein. Der Mann konnte zum Glück gerettet werden. Eigentlich ist Deinlein seit Ende August schon im Ruhestand. An vier Tagen in der Woche sitzt er aber immer noch an der Kasse. Bis zum Saisonende jedenfalls, denn jetzt einen neuen Höhlenführer einzustellen, geht nicht. Ob er nächstes Jahr als Rentner dann noch ab und zu als Höhlenführer aushilft, wird sich zeigen. Erst einmal will er sich mehr um seine Familie kümmern. Denn die kam oft zu kurz, vor allem an den Wochenenden. "Ich werde nun mehr Zeit haben für meine Enkelkinder haben. Die sind zwei und fünf Jahre alt", freut sich Deinlein. Die Teufelshöhle wird aber immer seine Handschrift tragen.