Noch im Juni hatte die Mehrheit der Kreisräte beschlossen, die Kreisstraße FO 6 bei Oberzaunsbach an die Staatsstraße 2260 anzubinden. Dafür hätten die Politiker eine Querung des Trubachtales in Kauf genommen. Mittlerweile hat die Kreispolitik bei diesem Thema komplett umgedacht. Ausschlaggebend war wohl die vehemente Gegenwehr der Bürgerinitiative "Rettet das Trubachtal".

Auf dem Sitzungstisch von Landrat Reinhardt Glauber (FW) lagen am Donnerstag gleich vier Anträge: Grüne, Junge Bürger, SPD und CSU - im Kreis-Bauausschuss nahmen sie nun alle Abstand von der geplanten Talquerung. Grüne und Junge Bürger wehrten sich von Anfang an gegen die sogenannte "Variante 3". Die Politiker der anderen Fraktionen schlossen sich nun an.

"Der Widerstand vor Ort ist massiv", sagte Glauber; nur deshalb sei es sinnvoll, den Beschluss vom Juni neu zu fassen. Gleichzeitig betonte der Landrat, dass er die Talquerung nach wie vor für sinnvoll halte. Nur so wäre es gelungen, die Unfallgefahren auf der engen Kreisstraße zu reduzieren.

"Eine verpasste Chance"


Willi Müller, CSU-Kreisrat und Bürgermeister von Obertrubach, nahm eine ähnliche Position ein wie Landrat Glauber: Er fügte sich dem Bürgerwillen, sprach aber auch von einer verpassten Chance. "Ich hoffe, es kommt nicht die Reue", sagte Müller. Bei jährlich 110.000 Besuchern im Wildpark Hundshaupten halte er es im Hinblick auf den Tourismus für verfehlt, auf den Bau einer breiten Straße zu verzichten. Der CSU-Kreisrat sprach vom "aufgehetzten Willen der Bevölkerung". Naturschützer und Organisationen wie die Cima hätten die Bevölkerung vor Ort auf eine "erschütternde und unglaubliche" Weise mit falschen Informationen beeinflusst. Diesen Vorwurf bezog Willi Müller vor allem auf die Zahlen zum Verkehrsaufkommen.

Der Junge Bürger Michael Hofmann warf dem Landrat vor, die Planung bei Unter- und Oberzaunsbach gestoppt zu haben, ohne das Kreisgremium zu fragen. Glauber erwiderte: Die Jungen Bürger hätten ihm im September einen Antrag geschickt, wo sie genau darum gebeten hätten - die Planung zu stoppen. Der Landrat war am Donnerstag verwundert, dass ihm von den Jungen Bürgern nun genau dies vorgeworfen werde. Er gab zu verstehen, dass es sinnvoll sei, Geld zu sparen, indem man Planungen stoppe, die keiner mehr wolle.
 
"No-go-Projekt"


Hofmann blieb kritisch: Das Gremium hätte gefragt werden müssen. Lob dagegen erntete der FW-Landrat von den Grünen. Ihr Fraktionssprecher Karl Waldmann zollte Glauber "Respekt", dass er eine erneute Diskussion über die Talquerung ermöglicht habe. "Es ehrt die Freien Wähler und die CSU, dass sie ihre Meinung gewandelt haben", sagte Waldmann. "Für uns Grüne war die Talquerung ja stets ein No-go-Projekt."

Nun soll die Brücke über die FO 6 saniert werden. Wobei Dieter Els, der Leiter des Tiefbauamtes, betonte: Es sei "Blödsinn", die Straßendecke für 135.000 Euro zu sanieren, wenn der Neubau einer Brücke mit bis zu 70 Prozent bezuschusst werde. Was auch immer der Kreis-Verkehrsausschuss demnächst beschließt, die Grünen sehen sich als Gewinner aus der Debatte um Oberzaunsbach hervorgehen: "Zum zweiten Mal schon musste unser Landrat und damit die Verwaltung einen Rückzieher machen", sagte Karl Waldmann am Freitag; auch die von den Grünen abgelehnte Nordumgehung Hausen sei ja "am Widerstand der Bevölkerung gescheitert", erinnert Waldmann. Sein Fazit: "Die Menschen vor Ort scheinen ein besseres Gespür für die Notwendigkeiten und die Sinnhaftigkeit von Straßenbauprojekten zu haben als die Landkreisverwaltung."