Ein üppig blühender Garten ist kein Zufall. Dessen ist sich Rainer Hörlin gewiss. Und der gebürtige Bayreuther kennt sich aus: Schließlich ist der 69-Jährige selbst seit Jahrzehnten Hobbygärtner. Und ein preisgekrönter noch dazu: Beim diesjährigen Naturschutzwettbewerb der Raiffeisenbanken und des Kreisverbandes für Gartenbau wurde seine Oase der vielen wilden Tier- und Pflanzenarten mit dem zweiten Preis ausgezeichnet.

Die Liebe zur Natur wurde Rainer Hörlin gewissermaßen in die Wiege gelegt: Schon seine Eltern waren leidenschaftliche Hobbygärtner, mit dem Bezug zur Natur ist der Oberfranke aufgewachsen. "Ich brauche einfach immer einen Garten, nach jedem Umzug habe ich mir einen angelegt", bekennt Hörlin. "Im Gegensatz zu meinen Eltern pflanze ich aber nicht nur Obst und Gemüse an. Ich gestalte lieber nach ästhetischen Aspekten, das ist meine künstlerische Ambition."

1995 zog Hörlin mit seiner heutigen Ehefrau Karin von Lonnerstadt nach Muggendorf. Das Haus, das sich das Paar gekauft hat, wurde ursprünglich 1871 in Nürnberg erbaut. "Vor etwa 100 Jahren wollte der damalige Besitzer einen Zweitwohnsitz in der Fränkischen Schweiz haben. Deswegen hat er das Haus dort abtragen und hier wieder aufbauen lassen", erzählt der Rentner. Entsprechend fällt das Haus auch dem Besucher ins Auge: Es fällt aus der Reihe, ist eben nicht typisch für Muggendorf.

Nichts außer Unkraut

Mindestens genauso untypisch ist der 1100 Quadratmeter große Garten rund herum. "Als wir das Haus hier gekauft haben, war der Garten total verwahrlost, eine richtige grüne Wüste", erzählt Karin Hörlin. "Eigentlich gab es nichts außer Unkraut und Obstbäumen." Ein Anblick, der sicher viele Interessenten abgeschreckt hat. Nicht jedoch Rainer Hörlin: Der Gartenfan erkannte gleich das Potenzial der Grünfläche.

Doch bis der Garten zu dem wilden Artenparadies wurde, das er heute ist, bereitete er den Hörlins zunächst einmal viel Arbeit. "Nach einem guten Jahr war das Grundkonzept erkennbar", berichtet Rainer Hörlin, "im Laufe der Zeit haben wir den Garten immer weiter verfeinert und ergänzt." Um den trostlosen Tümpel, den ihnen der Vorbesitzer hinterlassen hatte, schlängelt sich nun ein geschotterter Weg neben in allen Farben blühenden Gewächsen.

"Ein Garten ist ein Lebewesen, er verändert sich ständig", sagt Hörlin. Deswegen würde er über seinen Garten niemals sagen, dass er fertig sei. "Aber inzwischen sind wir schon nahe an der Vollendung", meint Hörlin und lacht.

In Hörlins Garten finden sich jede Menge Obstbäume - und zwar in jedem Lebensstadium. "Einige Bäume sind überaltert, die meisten Gartenbesitzer hätten die wahrscheinlich längst abgesägt, weil sie nicht mehr schön sind", erklärt Hörlin. "Aber ich lasse sie in Würde sterben. Das Totholz ist wichtig für viele Vögel und Insekten." Dafür nutzen nun etwa Rosen die abgestorbenen Bäume als Kletterhilfe - ein sehr interessanter und schöner Anblick.

Mit Blumentopf vergraben

In jeder Ecke des Gartens tut sich eine andere Welt auf. Mal sind es Bodengewächse aus dem Alpenraum, mal ein Steingarten, mal üppig blühende Blumen. Statt akkurat gestutztem Rasen findet man bei Hörlin eine Naturwiese mit jeder Menge Wildblumen. Eine Ecke ist mit selbst getöpferten Figuren verziert: Werke früherer Schüler des pensionierten Volksschullehrers.

Bei den Rhododendren fällt eine Besonderheit ins Auge: Sie wachsen alle in Pflanzkübeln, halb im Boden eingegraben. "Wir haben hier sehr kalkhaltigen Boden, das mögen die gar nicht", erklärt Hörlin. "Deswegen habe ich sie im Topf vergraben, ein Kompromiss. Aber sie scheinen es zu mögen: Sie blühen jedes Jahr wunderschön."
Für dieses Jahr ist es dafür allerdings schon zu spät: die Rhododendren sind verblüht. Doch bei Hörlins blüht von März bis Oktober immer etwas. Und natürlich gibt es auch immer etwas zu tun. Etwa vier Stunden täglich verbringt Rainer Hörlin derzeit mit Gartenarbeit. "Da brauche ich kein Fitnessstudio", sagt der 69-Jährige und lacht. Wobei der Garten für ihn ohnehin mehr Vergnügen als Arbeit ist."Hier blüht einfach meine Seele auf. Cicero hat mal gesagt, wenn Du ein Gärtchen hast und eine Bibliothek, so wird Dir nichts fehlen. Und so ist es auch."



Tag der offenen Gartentür

Anfänge 2000 wurde erstmals in ganz Bayern der "Tag der offenen Gartentür" durchgeführt. Über 200.000 Besucher nutzten damals die Möglichkeit, sich Inspiration zu holen.

Auftakt Am Sonntag, 29. Juni, um 11 Uhr wird der Gartentag bei Rainer Hörlin, Rotdornweg 20, Muggendorf, eröffnet. Bis 17 Uhr können Gartenfreunde zu Besuch kommen. Im Landkreis können zeitgleich noch weitere drei Gärten besichtigt werden: Atelier Tamahara, Mostviel 5, Egloffstein; Sabine Kreb, Thuisbrunn 5, Gräfenberg; Kerstin Ott, Kirchrüsselbach 5a, Igensdorf.