"Ausgerechnet Bananen...", das war der Hit der zwanziger Jahre. Ausgerechnet Nudeln waren es, mit denen der seit 1923 in Oberschlesien erfolgreiche Schokoladenfabrikant Anton Hofmann, nach abenteuerlicher Kriegsflucht, 1948 in Forchheim einen Neustart begann.

"Kurz nach Kriegsende war Zucker noch Mangelware und Rohkakao kam anfangs überhaupt nicht nach Deutschland",erklärt der heutige Piasten-Geschäftsführer Michael Seidl. Anton Hofmann bekam den Rat, er solle Teigwaren herstellen. Als Firmenstandort entschied er sich für angemietete Räume in der Forchheimer Spinnerei. Die dort hergestellten Nudeln wurden unter dem Namen "Dreilind" auf den Markt gebracht und mit drei eigenen Fahrzeugen (siehe Foto) ausgeliefert. Das Geschäft sei gut gelaufen, berichten die Annalen der Firma. Doch als 1949 der erste Rohkakao nach Deutschland kam, begann Anton Hofmann wieder Schokolade und Zuckerwaren zu produzieren - und zwar unter dem alten Markennamen, den man schon in Schlesien führte: Piasten.

Damals wurden die Pralinen noch handgefertigt. "Da gab's noch Berufe wie den Zucker- und Konfektmacher", erinnert sich Personalchefin Barbara Gradl.
Mit ihren hochfeinen Confiserie-Pralinen bewegte sich Piasten bis Ende der 60-er Jahre im obersten Preissegment. Beispielsweise wurden 700-Gramm von den Confiserie Pralinen "Ines", in der Metalldose, 1960 für satte 20 Mark angeboten. "Das war Luxus", betont Geschäftsführer Seidl.

Zum Vergleich: Heute liegt eine Schachtel " Advokaat Kiss" für 1,49 Euro im Handel. Und noch eine Gegenüberstellung: Verdiente in den 50-er Jahren ein Arbeiter in der Zucker- und Dragee- Abteilung nur 85 Pfennige pro Stunde, liegen heute für ungelernte Genussmittelwerkerinnen die Stundensätze im Einstiegslohn bei 10,46 Euro.

Den Umbruch bei Piasten brachte 1965 die Inbetriebnahme der ersten Verpackungsstraße. "Das waren die Anfänge der Massenproduktion", erklärt Piasten-Geschäftsführer Michael Seidl: "Dies machte den Genuss einer breiten Bevölkerungsschicht möglich". Bis heute, und in der ganzen Welt, ist Piasten aus Forchheim in aller Munde!


Die Historie

Die Firma Piasten wird 1923 in Brieg (Oberschlesien) von Christian Hofmann gegründet. Nach dessen Tod übernimmt sein vierter Sohn, Anton Hofmann (t 1995), das Unternehmen und startet 1948 in Forchheim einen Neuaufbau.1977 wird die Umsatzgröße von 100 Millionen DM überschritten. 1980 erfolgt die Aufnahme von Exportaktivitäten. 1989 öffnet sich der Osten. Die Folge: Die Süßwarensparte erlebt einen Boom! Ihre schlesischen Wurzeln kommen Piasten beim Osthandel zu Gute. In diesem Aufwind erreicht man in den Folgejahren einen Umsatz-Höhenflug von über 200  000 Millionen Mark . 1992 steigt die erfolgreiche Cadbury-Schweppes-Gruppe bei Piasten ein.

Talfahrt

1998 schottet sich der russische Markt ab ab: Es kommt zu einem Umsatzeinbruch von 40 Prozent! Die Mitarbeiterzahl sinkt von 600 auf 400 Beschäftigte. 2001 stellt Cadbury den Standort Forchheim in Frage. 2004 erfolgt ein Management-Buy-out.Die Führungskräfte (Michael Seidl, Rolf Schröppel und Bertram Strohtmann) erwerben die Firmenanteile.

Konsolidierung

Mit neuer Produktausrichtung geht's seitdem wieder aufwärts. Jahresumsatz 2012: 89,6 Millionen Euro, ca.420 Beschäftigte und 58 Prozent Exportanteil in 50 Länder auf fünf Kontinenten.