Exakt 123 Mitarbeiter der Firma Kennametal Hertel AG zählte Matthias Gebhardt, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Bamberg, beim Warnstreik am Dienstag vor den Toren des Betriebes in Ebermannstadt.

Damit unterstrichen die Arbeitnehmer um den jungen Betriebsratsvorsitzenden Marcel Adelhardt ihre Kampfbereitschaft für 5,5 Prozent mehr Lohn sowie verbesserte bedingungen bei der Altersteilzeit und der beruflichen Fortbildung. Diese Forderungen nannte Gebhardt richtig, notwendig, angemessen und durchdacht.

Da es den Betrieben der Metall- und Elektroindustrie gutgehe, wollten die Arbeitnehmer auch ein Stück von diesem Kuchen abhaben. Auch die Arbeitnehmer müssten von der Produktivitätssteigerung (plus 1,7 Prozent) und einer Umsatzrendite von 3,6 Prozent profitieren. Das Angebot der Arbeitgeberseite von 1,25 Prozent plus weiteren 0,9 Prozent "Gnadenbrot" seien schlicht inakzeptabel. Dies zeigten die Teilnehmer an den laufenden Warnstreiks.

Eine Provokation nannte Matthias Gebhardt die Haltung der Arbeitgeber, die Altersteilzeit nur als Problemlösung für jene ansehen, die nicht mehr können. Notwendig sei ein geregelter Ausstieg aus dem Arbeitsleben. "Wer darauf reagiert, indem er die Hälfte der Ansprüche abschafft, darf sich über die Wut der Beschäftigten nicht wundern", urteilte Gebhardt.

Ebenso müsse jedem Mitarbeite (Weiter-)Bildung ermöglicht werden. "Wer ständig jammert, dass Fachkräfte fehlen, andererseits am Verhandlungstisch erklärt, die Weiterbildung sei Privatsache, die ein Unternehmen nicht finanzieren könne, ignoriert bewusst die Zeichen der Zeit", kritisierte der Gewerkschafter.

Es gehe nicht darum, dass Unternehmen ihren Mitarbeitern "Töpferkurse in der Toscana" finanzierten, vielmehr gelte es, angesichts einer weiteren Digitalisierung und steigender Tätigkeitsprofile von "Industrie 4.0" das lebenslange Lernen in geordnete Bahnen zu lenken, unterstrich Matthias Gebhardt.