Der Streit, der in der jüngsten Ratssitzung entbrannte, begann genau genommen schon im August. Da nämlich hatte Bürgermeister Heribert Weber (Wählergemeinschaft Willersdorf-Haid/WG Hallerndorf) zu einer Ortsbegehung nach Willersdorf eingeladen. Das Problem: Weber lud telefonisch, er lud mitten in der Urlaubszeit und er lud erst am Vorabend des Ortstermins. Nur 9 der 16 Gemeinderäte waren gekommen.
Und die sollen den Bürgermeister dann beauftragt haben, die Instandsetzungsarbeiten der Straße und die Auswechslung des Oberflächenkanals auszuschreiben. So jedenfalls will es Weber nach der Ortsbegehung verstanden haben.

Unter Protest den Saal verlassen

Als der Bürgermeister nun in der jüngsten Ratssitzung die Ergebnisse der Ausschreibung auf den Tisch legte, wollte Werner Schwarzmann (WG Pautzfed) seinen Augen nicht trauen. Er hielt Weber vor, dass so eine Ausschreibung ohne die Zustimmung des Gemeinderates nicht möglich sei. Schon beim Termin für die Ortsbegehung im August sei nicht fristgerecht geladen worden.

Als Weber auf seiner Vorgehensweise beharrte und Werner Schwarzmann überging ("Ich habe mich nochmal zu Wort gemeldet, aber er hat mich nicht mehr drangenommen"), verließ der Rat der Wählergemeinschaft Pautzfeld unter Protest den Saal. Er ist nicht der einzige, der dem Bürgermeister in dieser Sache eine eigenmächtige Verfahrensweise vorwirft.

Werner Fischer (Wählergemeinschaft Hallerndorf), der während der Ortsbegehung im Urlaub war, reagierte "verwundert", als nun die Ausschreibung für die Sanierung der Willersdorfer Straße auf der Tagesordnung stand. Ohne Beschluss des Gemeinderates? Was sei das denn? Befriedigende Antworten habe er nicht bekommen, sagt Fischer im Nachgang zur Ratssitzung. Genervt ist Fischer vor allem von der Auskunft Webers, er sei nach der Begehung gebeten worden, mit dem Projekt "weiterzumachen". Dieser Begriff liege in einer Grauzone, sagt Fischer und fordert Klarheit: "Schließlich geht es um ein Haufen Geld."

Doch den Bürgermeister beeindruckt der Protest wenig. "Dafür brauche ich keinen Beschluss des Gemeinderates", kommentierte er gestern. "Neun Gemeinderäte haben mir gesagt, ich soll Angebote einholen. Für mich war es ein Auftrag, eine Ausschreibung zu machen."

Mathias Erlwein (JB) dagegen ist von der "Unrechtmäßigkeit der Ausschreibung" überzeugt. Empörend findet Erlwein den Alleingang des Bürgermeisters auch deshalb, weil "für teures Geld" die Kanäle der Gemeinde untersucht worden seien, "um zu entscheiden, welche Sanierungen vordringlich sind". Diese Untersuchung sei dem Rat noch gar nicht präsentiert worden. Der JB-Rat weist auf zahlreiche "marode Straßen und Kanäle" in der Gemeinde hin, "die viel dringender erneuert werden müssten, als die Straße in Willersdorf". Zumal für dieses rund 300 000 Euro teure Projekt nicht einmal die Mittel im Haushalt bereit gestellt seien.

Vorerst hat Heribert Weber das Thema in die nächste Ratssitzung vertagt. Dann wollen Erlwein, Schwarzmann und Fischer eine nachträgliche Zustimmung zu der Ausschreibung verhindern. "Es wird eine ganz enge Entscheidung", ist Mathias Erlwein überzeugt.