"Stein des Anstoßes", so sagt es der Baiersdorfer Bürgermeister Andreas Galster (CSU), war in der Bürgerversammlung, dass die kleinen Pflanzbeete an der Kreuzung Linsengrabenstraße/Schmalzgasse zum Teil mit groben Steinen aufgefüllt wurden. Den Antrag aus der Bürgerversammlung behandelte der Stadtrat - und verwarf den Wunsch auf Umgestaltung.

Aus guten Gründen, wie es im Stadtrat hieß, auch wenn der Antrag des Bürgers noch so gut gemeint sei. Erstens wurden beim Straßenneubau die bepflanzbaren Ecken so angelegt, dass durch sie der Fußgängerstrom vom und zum Großparkplatz über die komplexe Kreuzung mit fünf einmündenden Straßen auf den Zebrastreifen hin kanalisiert wird. Die Steine verhindern, dass abkürzende Trampelpfade entstehen, denen meist die Bepflanzung mit der Zeit zum Opfer fällt.

Austrocknen verhindern

Zweitens: Die Steinschicht ist auf dem voll in der Sonne liegenden Platz ein Schutz vor übermäßigem Austrocknen des Erdreichs, was wiederum den Pflanzen zugutekomme. Und sie bietet manchen Insekten einen Unterschlupf. "Drehen sie doch mal ein paar Steine um und schauen, was da so alles lebt", riet Bauamtsleiter Werner Lepper den skeptischen Zuhörern der Ratssitzung.

Drittens: Der Fehlschlag, in den Pflanzecken der Judengasse Wildblumen-Blühflecke entstehen zu lassen. Trotz fachmännisch ausgebrachtem Saatgut kam nichts hoch. Weil Hunde dort buddelten, weil Menschen aus Unkenntnis das vermeintliche Unkraut herauszupften - offenbar trotz Hinweisschild, wie Lepper mit Bedauern feststellen musste. Bedenken müsse man dabei auch noch, dass Wildblumen an der Stelle vielleicht nicht in den Plan der Natur passen, sprich die Ansprüche an Bodenbeschaffenheit, Gehalt an Salz (wegen des winterlichen Streuens) und Feuchtigkeit nicht erfüllt waren.

Hellhörige Fraktionen

Der Antrag aus der Bürgerversammlung treibt offenbar die Fraktionen von SPD und Ökologen um. Erstere wollte einen Beitritt der Stadt zum Bündnis "Kommunen für biologische Vielfalt", letztere brachte einen Antrag für einen "Masterplan zur Förderung der Artenvielfalt auf Flächen der Stadt" und forderte zudem das Ausrufen des Klimanotstands, wie es die Stadt Erlangen kürzlich tat.

Insbesondere der letzte Antrag fand wenig Befürworter. Einige Ratsmitglieder stießen sich am Begriff "Notstand". Den hat Baiersdorf schon 2007 und auch im vergangenen Sommer durch Sturzregen erlebt. Folgen dieser Feststellung sollten laut Antrag sein, dass alle Entscheidungen auf ihre Folgen für Klima und Umwelt miteinbezogen werden. "Das machen wir doch immer", sagte Jan Voit, der Fraktionssprecher der Freien Wähler, und lehnte den Antrag pauschal ab. Die Diskussionen um die Anträge wurden mit etlichen Gramm Wahlkampfpulver geführt. Karl-Heinz Roll (ÖWG) schoss sich im Eifer des Gefechts auf den Bauamtsleiter ein: "Die Zeit für das Rasenmähen solle doch für den Masterplan aufgewendet werden." Lepper seinerseits konterte: "Wir haben 72000 Quadratmeter Begleitgrün, davon haben wir die Hälfte stehen lassen."

In diesem Punkt scheint sich eine weitreichende Lösung anzubahnen: Es bringe nichts, wenn die Bevölkerung nicht aktiv mitmache; ein Alleingang der Stadt nutze nichts. Eine Art Agenda-Prozess brachte Galster ins Gespräch. Eine Lenkungsgruppe wie bei "Lebenswerte Innenstadt" schlug Christine Lepper (CSU) vor. Oder eine Runde mit Sachverstand wie beim Vogelschutzgebiet an der Regnitz, lautete die Idee von Matthias Götz (SPD).