Das Urteil unseres Testers:

Der Besuch in der Neunkirchener Kirche war anregend aber auch bedächtig. Pfarrer Joachim Cibura, seine zwölf Ministranten und die Lektoren geben mit ihrem engagierten Wirken dem Gottesdienst eine durchweg andächtige Stimmung. In der wundervollen Kirche St. Michael erwartet den Besucher ein traditioneller, authentischer Gottesdienst. Wenn man die zahlreichen Besucher mitsingen und feiern hört, merkt man, dass die Pfarrgemeinde in Neunkirchen am Brand eine sehr lebendige ist.

Die Bewertung im Einzelnen:

1. Einstieg

Angenehmes Orgelspiel und der Gesang von rund 80 mitfeiernden Gläubigen begleiten den Pfarrer und seine Ministranten beim Einzug in die Michaelskirche. Neunkirchens Pfarrer Joachim Cibura betritt gemeinsam mit zwölf (!) Minis - sowohl Buben als auch Mädchen - von der seitlichen Pforte das Gotteshaus. Mit dem jungen Kreuzträger und den anderen kleinen Messdienern vorneweg, ist der Gang durch das Kirchenschiff ein würdiger Beginn der Messe.

2. Musik

Der tolle Klang der beeindruckenden Steinmeyer-Orgel erfüllt die Kirche in Neunkirchen bei jedem Lied. Der Organist spielt gekonnt und passend andächtig. Auch wenn viele der Kirchenbesucher eher zurückhaltend mitsingen, sorgt der beständig enthusiastisch singende Pfarrer Cibura während des gesamten Gottesdienstes für eine wohlige Stimmung.

3. Lesungen

Die beiden Lesungen aus dem Büchern Exodus und Timotheus tragen zwei Laien vor und sind auch bis in die letzten Kirchenbänke gut zu hören. Einer der Lektoren hat eine wunderbar klangvolle Stimme und trägt die Bibelstellen sehr eindrücklich vor. An diesem Tag geht es um die Geschichte des verlorenen Sohnes, der auf den Hof des Vaters zurückkehrt.

4. Kirchenbänke

In der Michaelskapelle sitzt der Besucher so bequem wie man es von einer gepolsterten Holzbank erwarten kann. Positiv fallen die weichen Kniebänke auf, die es durchweg von vorne bis hinten gibt.

5. Kommunion/Abendmahl

Trotz der vielen Besucher geht die Kommunion schnell und reibungslos vonstatten. Auch wenn jeder die Hostie vorne am Altar in Empfang nehmen muss. Eine Sache sollte jedoch jeder wissen, der einen Gottesdienst in Neunkirchen besucht: Wer auf der rechten Seite ansteht, kann nicht außen bei den rechten Kirchenbänken zurückgehen, sondern muss wieder den Mittelgang nehmen. Dies ist durchaus gewöhnungsbedürftig, da es durchaus etwas eng werden kann.

6. Predigt

Die Predigt von Pfarrer Joachim Cibura über die hoffnungsvolle Botschaft, dass Gott sich über jeden Sünder freut, der zur Umkehr bereit ist, zieht durchaus in den Bann. Gespickt mit einigen aktuellen Bezügen, wie die Schul- und Arbeitszeit, schafft es Pfarrer Cibura, die Gläubigen mit ihren alltäglichen Problemen anzusprechen. "Es ist keine Schande, ein Sünder zu sein!", lautet die Botschaft der Predigt.

7. Ambiente

Die eleganten rot-goldenen Altäre und die schlichten weißen Wände geben dem barocken Kirchenraum eine feierliche Atmosphäre. Das Innere der Kirche wirkt sehr gepflegt, genauso wie die Holzbänke und die Weihwasserbecken. Die Räume sind dezent aber schön mit Blumengestecken und Kerzen geschmückt.

8. Segen

Mit dem Segensspruch beschließt auch Pfarrer Cibura den christlichen Gottesdienst - nicht ohne ein paar frei vorgetragene persönliche Worte mit Bezug auf das Sünder-Thema des Tages an die Gläubigen zu richten. Mit dem gemeinsamen Auszug mit den Minis geht die rundum stimmungsvolle Messe zu Ende.

9. Beleuchtung

Die Beleuchtung in der Michaelskirche ist gut, durch die großen Kirchenfenster fällt genügend Licht, um auch unterhalb der Empore problemlos das Gesangbuch lesen zu können.

10. Sinne

Auch wenn es draußen bereits etwas kälter geworden ist, ist es während des gesamten Gottesdienstes wohlig temperiert. Den Duft des Weihrauches kann man im hinteren Kirchenschiff nur erahnen. Sowohl das Sitzen als auch das Knien in den Bänken ist relativ angenehm. Neben den stimmungsvollen Gesängen der Kirchengemeinde bleibt vor allem die elegante Gestaltung der Kirche in Erinnerung.

Warum ein Gottesdiensttest?

Wir wollen mit unserem Gottesdiensttest die Kirchen ein wenig mehr ins Blickfeld der Öffentlichkeit rücken. Unter Kirchgängern, Geistlichen und Lesern soll eine Diskussion darüber entstehen, was einen guten Gottesdienst ausmacht. Dieses in der Regel sonntägliche Treffen hat für evangelische wie katholische Christen ja bis heute eine große Bedeutung. Soll lebender Ausdruck des Christseins sein. Wir haben uns für eine Bewertung nach objektiven Kriterien theologische Hilfe geholt bei den Professoren Martin Stuflesser (Würzburg), er ist auch Berater der deutschen Bischofskonferenz, und Martin Nicol (Erlangen), der mit seinem Buch "Weg im Geheimnis" ein Plädoyer für den evangelischen Gottesdienst abgibt. Ergänzt werden objektive Kriterien um die subjektiven Eindrücke, die unsere Kollegen gewonnen haben.

Alle Berichte unserer Serie finden Sie auf unserer Übersichtsseite zum Gottesdiensttest. Dort finden Sie auch ausführliche Infos.