Zumba war gestern. Seit einigen Wochen erobert ein neuer Fitness-Trend die hiesigen Sporthallen. Piloxing, eine Mischung aus Pilates und Boxen, soll die Teilnehmer bei wummernder Pop-Musik zu Höchstleistungen antreiben. Als eine der ersten in Bayern hat Dorothea Häfner die nötige Lizenz dafür erworben und bietet ihre Trainingseinheiten beim FC Burk an.

"Ich habe einen Tageskurs in Erding absolviert und zahle monatlich eine Gebühr. Dafür erhalte ich Trainingsmaterial und -Musik", erklärt Häfner. Schon zu Zumba-Zeiten - ebenfalls ein Aerobic-Trend aus den USA - hat die 32-Jährige offizielle Übungsstunden erteilt. Zehn Jahre Erfahrung mit Pilates und Aerobic qualifizieren sie zweifelsohne für diesen Posten. "Vor ein paar Wochen haben wir Piloxing ausprobiert und sind dabei geblieben", sagt Häfner.

Freizeitkleidung und Handschuhe

"Es ist anstrengender als Squash oder Hanteltraining", findet Ilona Klamt, die seit einem Jahr regelmäßig zum Training geht. Alles, was die Sportler benötigen, um bei der 60-minütigen Einheit mitzumachen, sind Freizeitkleidung und spezielle Piloxing-Handschuhe. "Es macht großen Spaß, jeder kann mitmachen und es ist nicht so eine Schinderei wie etwa bei Bauch, Beine Po", sagt Häfner. Gesundheitliche Probleme gebe es unter ihren Teilnehmern nicht. Darauf achte sie als gelernte Sport- und Physiotherapeutin ganz besonders.

"Jeder soll so intensiv mitmachen, wie er es sich zutraut und wie es sein Fitness-Niveau zulässt", fordert die Kirchehrenbacherin. "Doro beobachtet genau, ob wir die Übungen richtig machen und korrigiert uns, wenn nötig", ergänzt Klamt. Piloxing sei im Gegensatz zu vergleichbaren Sportarten ohnehin gelenkschonender, weil man weniger springen müsse und die Übungen barfuß absolviere. Wer Schulterprobleme habe, könne die mit Gewichten bestückten Handschuhe einfach weglassen.

Beschwerden habe Häfner lediglich in Sachen Logistik mitbekommen: "Da Piloxing in Europa noch ganz frisch ist, gibt es hier häufiger Materialengpässe. Ich selbst musste meine Handschuhe persönlich beim Zoll abholen." In Burk sind die Teilnehmer - bis jetzt ausschließlich Frauen - aber alle perfekt ausgestattet.

Doch Zumba und Piloxing stoßen nicht überall auf Beifall. Pia Pauly vom Deutschen Turner-Bund hat sich mit der Branche beschäftigt und einige Schwachstellen aufgedeckt. "Bei Tageskursen, die etwa 300 Euro kosten, werden den sogenannten Instructors keine trainingswissenschaftlichen und pädagogischen Kenntnisse beigebracht. Sie lernen lediglich die verschiedenen Choreographien", kritisiert sie. Die Musik animiere die meist unregelmäßig sporttreibenden Teilnehmer, über ihre Grenzen zu gehen, was gesundheitliche Schäden hervorrufen könne, fürchtet die 52-Jährige. Trotz ihrer Piloxing-Begeisterung stimmt Häfner zu: "Gesundheitliche Aspekte werden in der Ausbildung nicht so gut vermittelt. Da habe ich berufsbedingt natürlich Vorteile."

Wer nicht zahlt, fliegt

Darüber hinaus prangert Pauly die aggressive Vorgehensweise der Lizenzgeber an: "Wer seinen Beitrag nicht zahlt, fliegt sofort raus. Und wer Zumba oder Piloxing ohne Lizenz anbietet, wird unter Androhung hoher Bußgelder abgemahnt. Dazu werden Anwaltskanzleien engagiert, die über das Internet Nachforschungen anstellen." Zu Strafzahlungen sei es ihres Wissens bisher aber nicht gekommen. Die Vereine bekämen bei Forderungen von über 1000 Euro weiche Knie und ließen das "illegale" Training bleiben.

"Auf der Zumba-Homepage fordert die Organisation dazu auf, jede Person zu melden, die ohne Lizenz Kurse anbietet", erklärt die Frankfurterin. Wenn es alle paar Monate einen neuen Trend gebe, verdienten diese Unternehmen natürlich gut daran. Bei aller Kritik ist Pauly nicht grundsätzlich gegen den Fitness-Wahn. "Nur Bewegung verbessert die Körperfunktionen und wirkt den Volkskrankheiten Übergewicht, Rückenleiden oder Herzkreislaufproblemen entgegen. Untrainierten Teilnehmern empfiehlt sie aber einen Gesundheitscheck beim Arzt und regelmäßige Pulsüberprüfung.