Hitzig und laut ging es zu im Derby der Fußball-Landesliga Nordost zwischen der SpVgg Jahn und dem Baiersdorfer SV. Der Forchheimer Trainer Christian Springer holte sich die gelbe Karte ab, Philipp Nagengast kassierte wegen Nachschlagens schon nach einer knappen halben Stunde den bereits achten Platzverweis eines Jahnlers in dieser Spielzeit. Das Duell der ehemaligen Gößweinsteiner Muhammed Abubakar und Sven Wächter ging klar an den Baiersdorfer Stürmer, der beide Treffer erzielte.

SpVgg Jahn Forchheim - Baiersdorfer SV 0:2

Als Sven Wächter in der 92. Minute einen Rückpass von der Grundlinie des eingewechselten Ali Dayan zum 0:2 einschoss, hielt die Baiersdorfer Ergänzungsspieler samt Trainerstab nichts mehr auf der Bank. Der Schiedsrichter bat die Jubeltraube vom Platz - eine seiner leichteren von vielen Aufgaben an diesem Samstagnachmittag, der deutlich schöner war als das Geschehen auf dem Spielfeld.

"Der Doppelpack war nicht geplant", sagte Wächter kurz nach Schlusspfiff. Wir haben aber in den vergangenen Wochen überragend trainiert und uns den ersten Saisonsieg verdient", erklärte der 22-Jährige nach seinen Treffern Nummer 2 und 3 für seinen neuen Verein. Gleichwohl war dem Stürmer bewusst, dass er und seine Kollegen fahrlässig mit den Konterchancen umgegangen waren. "Wir müssen das Spiel früher entscheiden, normalerweise wird so etwas bestraft."

Allein Wächter hatte zwei Mal die Vorentscheidung auf dem Fuß, schoss zuerst aber weit vorbei (59.) und blieb dann an Jahn-Keeper Axel Hofmann hängen (74.), der die ersatzgeschwächten Hausherren als Kapitän anführte und viel dafür tat, dass seine Mannschaft nicht als Verlierer vom Platz hätte gehen müssen. Auch Lars Reinhardt hätte dem BSV kurz nach Wiederbeginn auf Querpass von Wächter einen entspannteren Spielverlauf bescheren können. Alexander Filian (88.) und Dayan (89.) lieferten ihrem Coach René Ebert bei Überzahlsituationen ebenfalls keine Argumente für einen Startelfeinsatz.

So durfte der Jahn bis zur Nachspielzeit hoffen, einen - wenn auch unverdienten - Punkt zu ergattern und die zweite Heimniederlage zu verhindern. Aussichtsreiche Gelegenheiten dazu hatte der Ex-Baiersdorfer Patrick Hoffmann, der auf Diagonalpass von Fabian Hofmann einen abgefälschten Ball an die Latte setzte (68.), und Abubakar, der nach einer Ecke Richtung Tor köpfte, wo Christoph Lehmann auf der Linie rettete (80.).

Aus den vielen Nicklichkeiten, die offenbar zu einem Derby gehören, stach ein leichter Ellenbogenschlag von Nagengast heraus, den er seinem Gegner versetzte, nachdem beide zu Boden gegangen waren (29.). Der Schiedsrichter holte die rote Karte raus und verschärfte die Forchheimer Personalprobleme vor dem zweiten Nachbarduell in Bruck am kommenden Samstag. Gegen die Krenkicker saßen lediglich Ersatztorwart Manuel Jurkic sowie ein Trio aus dem Reserve-Kader auf der Bank. Fabian Hofmann stand wegen einer Knieverletzung nicht auf dem Bogen, stellte sich aber für 25 Minuten in Dienst der Mannschaft. Weitere Wechsel vollzog Springer in seinem eine Stunde in Unterzahl spielenden Team nicht.

Losgegangen war die Partie ein paar Minuten später. Grund war nicht der große Andrang - immerhin 337 Personen sahen zu -, sondern ein Loch im Tornetz, das Jahn-Teammanager Mesut Kimiz mit Klebeband flickte. Die bis dahin sieglosen Gäste zogen sich in die eigene Hälfte zurück und schalteten bei Ballgewinn schnell um. Die Führung resultierte aber aus einem unzureichend geklärten Angriff: Wächter zog aus 20 Metern einfach mal ab, die Bogenlampe war für Hofmann nicht erreichbar (9.).

Das Tor spielte dem BSV in die Karten. Lediglich Abubakar strahlte gelegentlich so etwas wie Torgefahr aus. Kurz vor dem Platzverweis hatte Wächter eine Hereingabe von Marco Joachim an den Innenpfosten gesetzt. Zielstrebiger als die SpVgg war ein Hase, der am Publikum auf den Sitzschalen vorbeihuschte (42.). Neben einigen Akteuren handelte sich Trainer Springer in einer hitzigen Begegnung auf niedrigem Niveau wegen Reklamierens eine Verwarnung ein (57.).

Durch den ersten Erfolg vervierfachte Baiersdorf sein Punktekonto, bleibt zwar Letzter, zog den Jahn aber tiefer in die Gefahrenzone. "Wir haben ohne Kopf gespielt und uns von der Hektik anstecken lassen", kritisierte Patrick Hoffmann, der von 2013 bis 2017 das BSV-Trikot trug. Auch wenn er das Spiel seiner Mannschaft bis zum Sechzehner in Ordnung fand, müsse diese zu den Grundtugenden zurückkehren. "Gegen Bruck werden wir ein komplett anderes Gesicht zeigen", forderte der Angreifer. Schon allein der personelle Engpass wird auf andere Weise dafür sorgen.

Jahn: A. Hofmann - Petschner, Abubakar, Misic, Rupp, Nagengast, Tartarevic (67. F. Hofmann), Hoffmann, N. Schwab, F. Schwab, Lee

BSV: Fieber - Lehmann, Wächter, Joachim, Grinjuks, Schmitt, Bajic (72. Dayan), S. Hofmann (65. Filian), Temelkov (35. Maric), Reinhardt, Kammermeyer