33 Grad, Wind und Berge, alles keine Begriffe, die man auf Anhieb mit sportlicher Betätigung verbindet: Für den 39-jährigen Eggolsheimer Triathleten Martin Schulz aber war es genau das Ziel, nach dem er suchte. Drei Triathlon-Langdistanz-Rennen hatte der Polizist bis dahin schon bestritten, allesamt in Deutschland.
Seine Bestzeit von 10:10 Stunden datiert aus dem Jahr 2002 beim Ironman in Frankfurt. Doch diesmal sollte es mit dem Ironman auf der Kanareninsel Lanzarote genau die harte Herausforderung werden. Mit 38 sollte der Modellathlet plötzlich zu alt sein für seine Einheit - ein Gedanke, mit dem sich der Triathlet des SSV Forchheim nicht anfreunden wollte. "Die berufliche Sackgasse und die Versetzung in den polizeilichen Schichtdienst", wie er seine Situation vor Jahreswechsel beschreibt, "ließ dieses Ziel in mir reifen, um es mir selbst zu beweisen."

3,8 km Schwimmen im Meer


Der Ironman Lanzarote mit 3,8 km Schwimmen im Meer, 180 km Radfahren bei Wind und Hitze mit 2500 zu überwindenden Höhenmetern und der abschließende Marathonlauf waren genau das, wonach er suchte.
Der neuerliche Schichtdienst im Winter hatte zunächst sein Gutes: Mit der nötigen Organisation konnte der Familienvater Privatleben und Training gut verbinden. Eine medizinische Leistungsdiagnostik im Dezember gehörten ebenso zur akribischen Vorbereitung wie eine Optimierung seiner Position auf seiner Zeitfahrmaschine, eine erfolgreiche Halbmarathon-Teilnahme (1:26 Std.) sowie ein zweiwöchiges Februar-Trainingslager auf der Insel, wo er seinen bisher härtesten Ironman bestreiten sollte.
Ein weiterer Stellenwechsel im März erforderte eine Neuorganisation im Training. Den Heimweg von Erlangen nach Eggolsheim legte er öfter nicht mit dem Auto, sondern zu Fuß zurück. Die Radeinheiten wurden in Abstimmung mit seiner Frau aufs Wochenende verlegt. Im Schwimmen sollten neue Trainingsreize Selbstvertrauen bringen.
Alles in allem blickte er so auf eine erfolgreiche Vorbereitung zurück, auch wenn er gerade im Radfahren im Vergleich zu vorherigen Ironman-Teilnahmen Abstriche im Trainingsumfang machen musste. Zusammen mit familiärem Anhang und zwei weiteren Athleten aus dem Bamberger Raum machte er sich auf, um sein Ziel zu verwirklichen.
Seine schwächste Disziplin, das Schwimmen, verlief gut - trotz eines Fußtrittes in die Magengegend nach circa 400 Metern und den üblichen Positionskämpfen im Wasser. 1:04:48 Stunden benötigte er für die 3,8 Kilometer, womit er auf Rang 76 in seiner Altersklasse lag. Beim Schwimm-Ausstieg kam für ihn die Überraschung, dass sich einer seiner beiden Begleiter direkt hinter ihm und nicht einige Minuten vor ihm befand. Auch wenn er "seinen Wettkampf" machen wollte, so war es eine willkommene Motivationsspritze.
Das Radfahren ging er kontrolliert an, wohlwissend, wie hart der Tag werden würde. Auf die im Vergleich zu seinen bisherigen Rennen schlechtere Versorgung an den Verpflegungsstellen war er vorbereitet. So wusste er genau, an welchen Stellen er zu seiner nötigen Riegel- und Energie-Gel-Aufnahme kam.
Der Wind wehte, blieb aber für kanarische Verhältnisse erträglich. Bis zur Hälfte der Radstrecke lief es wie am Schnürchen. Doch dann bekam er an einem der Anstiege eine sechsminütige Zeitstrafe wegen zu nahen Auffahrens auf einen Vordermann aufgebrummt, bergan eine zumindest diskussionsfähige Regelauslegung der Windschatten-Regel.
Ihm blieb schließlich nichts anderes übrig, als die Strafe auf der Strecke abzusitzen und nach vorne zu blicken. Nach 5:45:19 Stunden auf dem Rad hatte er bereits 36 Plätze in seiner Altersklasse gutgemacht und begab sich auf die erste etwas längere von drei Laufrunden.

Ein kurzer Boxenstopp


Da die Laufstrecke zunächst entgegen der Radstrecke verlief, hatte er das Geschehen gut im Blick. Überrascht wurde er bei Laufkilometer 2 von den Anfeuerungsrufen seines Begleiters, den er vor sich wähnte, hatte er ihn schließlich auf der gesamten Radstrecke nicht zu Gesicht bekommen. Stets darauf bedacht, nicht zu hohes Tempo zu riskieren absolvierte er die Laufkilometer. Eine kurzzeitig zu hohe Energieaufnahme zwang ihn bei km 22 zu einem kurzen "Boxenstopp".
Doch die folgenden zwölf Kilometer sollten ohne weitere Probleme ablaufen. Die Beine wurden immer schwerer, als er schließlich bei Kilometer 34 die erste kurze Gehpause einlegen musste. Doch auch wenn er zu diesem Zeitpunkt muskulär bereits stark angeschlagen war, biss er sich laufend und nicht gehend bis ins Ziel durch. Glücklich beendete er nach seinem bisher besten Marathon (3:39:31 Stunden) im Triathlon als 159. und 38. seiner Altersklasse nach 10:38:51 Stunden "seinen Tag".