Zeit ist für Lukas Kohl relativ. Mit 21 Jahren ist er im perfekten Kunstrad-Alter, zudem zweifacher Weltmeister im 1er der Männer und in dieser Disziplin derzeit das Maß der Dinge. Was aber wird in fünf Jahren sein? Viele Kunstradfahrer hören mit Mitte oder Ende 20 auf, weil der Einstieg in den Beruf folgt oder der Körper träger wird und die Reaktion nachlässt. Auch das wird auf Kohl eines Tages zukommen, noch ist es aber Zukunftsmusik.

"Ich habe Sport und Studium bislang gut unter einen Hut bekommen. Im Januar mache ich meinen Bachelor, hänge anschließend den Master dran. Damit bin ich bis Winter 2020 beschäftigt. Was danach kommt, ist nicht absehbar", sagt der Athlet des RMSV Concordia Kirchehrenbach: "Ich richte den Blick daher gar nicht so weit in die Zukunft. Für mich zählt das kommende Jahr."


Neu: Weltcup-Serie und EM

2018 ist der Terminkalender sehr eng getaktet. Mit der vierteiligen Weltcup-Serie, unter anderem in Hongkong, Tschechien und den Niederlanden, sowie der erstmals stattfindenden Europameisterschaft, sind neue Veranstaltungen hinzugekommen. "Ich stehe diesen Neuerungen grundsätzlich positiv gegenüber und freue mich darauf, besonders auf Hongkong. In Asien zu starten, ist außergewöhnlich. Dadurch ist der Kalender aber noch voller geworden, dazu kommen viel höhere Ausgaben. Ich muss schauen, wie ich das irgendwie bewerkstelligen kann."

Reich wird man mit dem Kunstradsport nicht, Siegprämien sind nicht vorgesehen, das gilt auch für einen Weltmeister. Und weil er in der Weltcup-Serie für seinen Verein startet und nicht für die Nationalmannschaft, muss er hier die Ausgaben selbst finanzieren. "Flug-, Fahrt- und Übernachtungskosten steigen deutlich, leider ist es weiter schwer, Sponsoren zu finden", sagt Kohl. Daran haben auch die zwei WM-Titel wenig geändert. Geldgeber würden sich eher auf Mannschaftssportarten konzentrieren, da tragen gleich mehrere Akteure den Sponsor auf der Brust. Einzelsportler hätten es immer schwer, in einer medial wenig beachteten Sportart ohne nennenswerte TV-Präsenz erst recht. Finanzielle Unterstützung komme aus der unmittelbaren Umgebung. Von Menschen, die ihn fördern möchten, der werbliche Effekt ist da nebensächlich. "Dafür bin ich ausgesprochen dankbar", sagt Kohl: "Dennoch bin ich weiterhin auf der Suche, um meinen Sport irgendwie finanzieren zu können. Unter dem Strich bleibt ein Minus."

Für den WM-Triumph im österreichischen Dornbirn bekam er einen Laib Käse geschenkt, der 6,5-Kilo-Brocken machte sich gut neben den 100 Weinflaschen, die er zuvor für seinen Sieg beim Großen Weinpreis in Mainz erhalten hatte. "Das war eine nette Geste, ich habe mich darüber gefreut", sagt der Student: "Nur finanzieren kann ich damit nichts." Gefreut haben sich über Käse und Wein auch seine Vereinskollegen, mit denen er den Titel gefeiert hat. Der Käse ist verputzt, vom Wein sind noch ein paar Flaschen übrig.


Verschiebung im Kalender

Die Saison im Hallenradsport hatte sich bislang immer auf die WM im November ausgerichtet, weil aber die erste Weltcup-Station in Prag schon im Februar stattfindet und die EM im April in Wiesbaden folgt, verschiebt sich auch die Ausrichtung über das gesamte Jahr. "Ich bin im Frühling immer auf einem sehr hohen Niveau gewesen und glaube, dass es keine große Umstellung sein wird", sagt Kohl.

Um bei der WM im November im belgischen Lüttich starten zu dürfen, muss er sich vorab über die German-Masters-Serie qualifizieren. Das sollte kein allzu großes Hindernis darstellen: Kohl hat 2017 jeden seiner Wettkämpfe gewonnen und den WM-Titel mit großem Vorsprung nach Franken geholt.

Schon bald befindet sich der 21-Jährige wieder im Training. Große Veränderungen an der Kür wird es nicht geben, Kohl ist schon nah an der Grenze des Leistbaren. Die Seitvorhebehalte hat er dieses Jahr in sein Programm integriert und somit alle im Reglement aufgeführten Übungen im Repertoire. Luft nach oben ist noch bei den Übungen mit Erweiterungen, etwa dem Drehsprung. Im WM-Finale hat er diesen kurzentschlossen von zwei- auf vierfach erweitert, das gab Bonuspunkte. Bis auf zehnfach kann der Drehsprung ausgebaut werden. Ob das allerdings sinnvoll ist? "Es bringt zwar mehr Punkte, birgt aber das größere Risiko eines Sturzes. Da gilt es abzuwägen", sagt Kohl.

Von einer erneuten Titelverteidigung möchte er aktuell noch nicht sprechen, trotzdem wird er als der Gejagte in die Saison starten, die Augen richten sich auf den zweifachen Weltmeister. "Natürlich rutscht man in eine Favoritenrolle hinein”, sagt er: "Als amtierender Weltmeister ist der Druck größer, auch die Erwartungshaltung von außen. Das muss mir aber egal sein. Meine Erwartung an mich ist, eine super Kür zu fahren."


Termine im neuen Jahr

10. Feb.: Weltcup in Prag. 15. April: "Oberfränkische" in Hallstadt. 21. April: EM-Quali in Wendlingen. 1./2. Juni: EM in Wiesbaden. 30. Juni: Weltcup in Heerlen (NED). 21. Juli: "Bayerische" in Obernau. 12. August: Weltcup in Hongkong. 18. August: Pfungemer Pokal (SUI). 25. August: Ems Cup in Hohenems (AUT). 1. Sept.: 1. Swiss Austria Masters. 8. Sept.: 1. German Masters in Wendlingen (WM-Quali). 15. September: 2. Swiss Austria Masters. 22. September: 2. German Masters (WM-Quali, Ort noch offen). 6. Oktober: 3. German Masters (WM-Quali) in Märkisch Buchholz. 13. Oktober: 3. Swiss Austria Masters. 19./20. Oktober: Deutsche Meisterschaft, Ort offen. 10. Nov.: Drei-Nationen-Cup, Ort offen. 17. Nov.: Weltcup in Erlenbach bei Heilbronn. 23. bis 25. November: WM in Belgien