Die SpVgg Jahn Forchheim startet morgen in die Vorbereitung auf die Rest-Saison in der Fußball-Bayernliga. In nur vier Wochen muss Trainer Michael Hutzler seine Mannschaft auf den Klassenerhalt einschwören - und sie spielerisch in Form bringen. Es werden intensive Wochen. Im Interview spricht der Jahn-Coach über die diesmal sehr kurze Vorbereitung, Lockerheit trotz sportlicher Nöte - und äußert sich zu seiner eigenen Zukunft.

Herr Hutzler, am Dienstag bitten Sie zum Trainingsauftakt, vier Wochen später findet das erste Ligaspiel statt. Die Vorbereitungsdauer erscheint knapp bemessen...

Michael Hutzler: Es ist eine bewusste Entscheidung, wir verzichten heuer auf manches Drumherum - wie etwa Spinning, Boxen oder Handball. Die Jungs haben Hausaufgaben bekommen, die Laufeinheiten absolvierten alle zu Hause. Das mussten sie uns per App beweisen - inklusive Foto, das sie verschwitzt und abgekämpft zeigt (lacht). Und ab Dienstag geht es in die knackig-kurze Vorbereitung. Zwar sind es nur vier Wochen, diese werden aber richtig intensiv. Wir haben 19 Trainingseinheiten angesetzt und acht Testspiele vereinbart, allesamt auswärts und oftmals auf Kunstrasen.

Hat das Spielen auf Kunstrasen schon mit der schweren Auswärtspartie beim Würzburger FV, dem Tabellenletzten, zu tun?
In gewisser Weise schon. In der Bayernliga haben die Vereine leider unterschiedliche Trainingsvoraussetzungen. Würzburg oder der FC Sand können im Winter auf Kunstrasen trainieren, das ist natürlich paradiesisch und gibt einem Trainer ganz andere Freiheiten im Führen und Anleiten der Spieler. Diese Möglichkeit haben wir in Forchheim nicht. Für uns ist das schon ein Nachteil, wir sind eine Mannschaft, die über das Spielerische kommt. Im Training werden diverse Abläufe und Kombinationen immer und immer wieder geübt und sind Bestandteil in vielen Trainingselementen. Dazu braucht es aber die entsprechenden Bedingungen. Auch deswegen haben wir im Trainerteam entschieden, in diesem Jahr erst später mit der Vorbereitung auf dem Platz zu beginnen und darüber hinaus viele Testspiele zu vereinbaren, um eben auch diese Partien zum Einstudieren gewisser Abläufe zu nutzen.

Sie führen das Team als Tabellen-15. ins neue Jahr, zwischen direktem Abstieg, Relegation oder Klassenerhalt ist alles drin. Verspüren Sie einen größeren Druck als in den Jahren zuvor?
Den Druck mache ich mir immer, das hat aber nichts mit der sportlichen Lage zu tun. Ich bin heute vor einem Spiel genauso angespannt wie vor sechs Jahren, als ich beim Jahn angefangen habe. Es ist eine interessante Aufgabe, die das Trainerteam und mich erwartet. Wenn es sportlich nur so flutscht wie in den letzten Jahren, merkt man gar nicht, was man alles richten muss, wenn eben der Wurm drin ist. In den nächsten vier Monaten gilt es für uns: Der Klassenerhalt ist das große Ziel - und dafür werden wir alles geben.

Idealerweise ohne Relegation?
Das Wichtigste ist der Klassenerhalt, egal auf welchem Weg. Für den Verein ist die Bayernliga von immenser Bedeutung, auch die Region profitiert von einem Bayernligisten als Zugpferd und Aushängeschild. Selbst wenn wir auf einem Relegationsplatz landen: Das ist für uns keine Bestrafung, so darf man grundsätzlich nicht herangehen. Und vielleicht liegt darin auch ein Mitgrund, weswegen sich viele Teams im letzten Jahr so schwer getan haben (Anm. d.R: Alle vier Bayernliga-Releganten sind abgestiegen). Ehrlich gesagt bin ich recht froh, dass der magische Strich sehr tief liegt, also nur der Letzte absteigt und vier Teams in die Relegation müssen. Ich habe diese Konstellation in den vergangenen Jahren etwas belächelt, heuer bin ich sehr dankbar darüber. Es schafft eben Möglichkeiten.

Was bestärkt Sie im Glauben an den Klassenerhalt?
Was uns beim Jahn auszeichnet, auch jetzt, in sportlich eher schweren Zeiten, ist die lockere und ruhige Art, die Kameradschaft und das Zusammengehörigkeitsgefühl. Wir verfallen nicht in Aktionismus, bauen keine Drohkulissen oder einen noch größeren Druck auf. Das führt nur zu weiterer Verkrampfung. Diese Art lebe nicht nur ich den Jungs vor, auch mein Co-Trainer Christian Michel und Torwart-Trainer Dirk Schrott bleiben ihrer Linie und ihrem Umgangston treu.

Seitdem Sie beim Jahn sind, arbeiten Sie mit beiden zusammen...
Ja, seit nunmehr fünfeinhalb Jahren. Und ich meine, behaupten zu dürfen, dass wir ein prächtiges Team sind. Dazu gehört natürlich auch Sportvorstand Uwe Schüttinger, der sich mit großem Herzen um die Jugend und viele Belange im Verein kümmert. Christian und Dirk machen viel mehr für das Team, als es ihre eigentliche Aufgabe erfordert: Pässe checken, Medizinkoffer schleppen, Wunden versorgen - für all das gibt es anderswo spezielle Personen. Und das ist es leider auch, woran es im Umfeld etwas fehlt: an engagierten Menschen. Ich wünsche dem Verein, dass sich mehr Leute ehrenamtlich einbringen. Die Last ist derzeit auf zu wenigen Schultern verteilt, das geht sicherlich eine gewisse Zeit gut, auf lange Sicht kann es aber nicht funktionieren. Nichtsdestotrotz ist der Verein auf einem guten Weg: Die Jugendarbeit ist so umfassend, dass es womöglich in zwei bis drei Jahren wieder eine zweite Mannschaft geben kann - mit Spielern aus dem eigenen Nachwuchs und nicht von Fern.

Sie reden von der Zukunft, da stellt sich auch die Frage, was Sie persönlich planen. Beim Jahn gibt es bekanntlich nur Jahresverträge...
Stand jetzt weiß ich nicht, was ich zur kommenden Saison mache. Eine Entscheidung wird mit Sicherheit noch vor dem Saisonende fallen, ich gehe von März oder April aus. Das gilt aber auch für die Spieler, momentan gibt es keinen Kader der Saison 2016/2017. Fakt ist, dass ich mir definitiv vorstellen kann, beim Jahn zu bleiben. Wir haben in den vergangenen Jahren viel erreicht. Ich war als Spieler schon immer sehr treu und bin es gegenüber dem Jahn auch als Trainer stets gewesen. Trotzdem spiele ich schon mit dem Gedanken, auch einmal woanders hinzugehen.

Eine Pause - heute als Sabbatical bekannt - wäre keine Option?
Nein, in keiner Weise. Ich bin ein Besessener, als Trainer wohl noch mehr als zu aktiven Zeiten. Das Feilen am Optimum, das Lösen von Problemen, das Weiterentwickeln von Spielsystemen - ich brauche dieses Dauerfeuer. Nicht ab und zu, sondern regelmäßig. Danach giere ich. Das Abschalten fällt mir ungemein schwer, das geht eigentlich nur in Phasen wie jetzt, wenn die Winterpause über zwei Monate geht. Aber damit ist ab Dienstag endlich Schluss, wenn der Trainingsauftakt stattfindet. Ich freue mich ungemein, die Jungs wiederzusehen. Und dann heißt es: Vollgas zum Klassenerhalt.


Testspiele des Jahn

Mittwoch, 27. Januar, 18.30 Uhr
Greuther Fürth U19 - Jahn Forchheim

Samstag, 6. Februar, 13 Uhr
Greuther Fürth U23 - Jahn Forchheim

Sonntag, 7. Februar, Uhrzeit offen
Baiersdorfer SV - Jahn Forchheim

Mittwoch, 10. Februar, 19 Uhr (in Neudrossenfeld)
SpVgg Bayreuth - Jahn Forchheim

Sonntag, 14. Februar, 15 Uhr
SV Memmelsdorf - Jahn Forchheim

Samstag, 20. Februar, Uhrzeit offen
SG Quelle Fürth - Jahn Forchheim

Sonntag, 21. Februar, 19 Uhr
ATSV Erlangen - Jahn Forchheim

Mittwoch, 24. Februar, 19.30 Uhr
ASV Weisendorf - Jahn Forchheim