Norbert Hofmann hat einen fast untrüglichen Blick für junge Talente, für Fußballspieler mit Perspektiven. So gesehen, kommt es einer Erhebung in den Adelsstand zumindest sehr nahe, wenn sich der ehemalige Bundesligaprofi von Bayer Uerdingen und Trainer der DJK Weingarts intensiv um einen Spieler bemüht, der sich nicht nur von dem für einen Dorfverein perfekten Umfeld und dem stets tiptop gehaltenen Sportheim blenden lässt.

So gesehen könnte der Dormitzer André Singer eigentlich stolz sein, denn er gehört der aufstrebenden Hofmann-Mannschaft an, die in der Kreisliga 2 intensiv an ihrem Wiederaufstieg feilt. Allerdings ist André Singer schon vor Hofmann nach Weingarts gekommen, denn damals war noch Jens Zweck - heute SV Gößweinstein - Trainer der "Maigischer". Der Grund war, wie es so oft der Fall ist, mit dem Schlagwort "cherchez la femme" verbunden. Denn André Singers Freundin ist in Weingarts zu Hause.


Zweiter hinter Auerbach

Ob es am Ende mit dem Aufstieg klappt, wird man sehen, wenn auch der zweite Teil der laufenden Saison beendet ist - und die Mannschaft der DJK Weingarts immer noch dort steht, wo sie gerade überwintert. Anfang November war es kurzzeitig einmal so weit - da stand die DJK Weingarts mit einem 2:0-Sieg gegen das Mittelfeldteam vom FC Troschenreuth auf Platz eins, wenn auch punktgleich mit dem hartnäckigsten Konkurrenten vom SV Auerbach. Doch da Auerbach noch eine Nachholbegegnung auszutragen hatte, musste man mit drei Punkten Rückstand auf die Auerbacher als Zweiter in die Winterpause gehen.

Ein Abstand, den aufzuholen André Singer recht zuversichtlich ist - und nicht nur er, denn mit wem man in Weingarts spricht, spürt man in allen Mannschaftsteilen große Zuversicht. Vertrauen in den großen Sachverstand des Trainers spielt dabei ebenso eine Rolle wie das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten - und auch das zieht sich durch alle Mannschaftsteile. Schlimmstenfalls müsste man als Tabellen-Zweiter in die Aufstiegsrelegation, aber das würde man möglichst vermeiden wollen, denn Relegationsspiele sind voller Unwägbarkeiten - einschließlich der Tatsache, dass man den Gegner aus der benachbarten Liga nicht kennt. Aber das gilt für den Kontrahenten in gleicher Weise.

Nach dem bisherigen Stand der Dinge wäre das der TSV Röttenbach aus der Kreisliga 1. Zum möglichen Favoritenkreis gehören dort auch Mannschaften wie die SpVgg Uehlfeld oder der FC Burk, und darüber, ob der SC Eltersdorf II Anfang Juni 2013 immer noch auf Platz eins liegt, ist auch noch längst nicht das letzte Wort gesprochen.


Aufstieg im Blick

In jedem Fall gilt, was André Singer als sein Ziel ausgibt, aber wohl auch das Ziel der gesamten Mannschaft ist: "Wir wollen mindestens unter die ersten Zwei und dort bleiben. Möglichst sollte es Platz eins sein, um der Relegation zu entgehen."

André Singers "Mutterverein" war der FC Dormitz, wo er von der F-Jugend bis zur D-Jugend spielte. Sein Vater war dort als Jugendtrainer tätig und stieg gewissermaßen mit seinen Jungs auch altersmäßig mit auf. In der C-Jugend war er beim Baiersdorfer SV, erlebte dort noch die Ära von René Hoffmann mit. In der C-Jugend hieß sein Trainer Bernd Schmitt, in der B-Jugend war es Jürgen Katzer, in der A-Jugend Thomas Luckner, den man heute vom TSV Kirchehrenbach kennt. Im Herrenteam war er noch unter Enzo Penna aktiv, bevor dieser für unerwartet kurze Zeit nach Röttenbach ging.


Abstecher nach Uttenreuth

Zu diesem Zeitpunkt war André eigentlich noch A-Jugendlicher, spielte parallel bei den Senioren, dann im darauf folgenden Jahr nur noch bei den Herren. Zuvor, noch in der A-Jugend, begleitete er einige Mitspieler zum SC Uttenreuth, wo sich aber alle nicht recht durchsetzen konnten. André war nach seiner Erinnerung der einzige, der danach den Rückweg nach Baiersdorf antrat, wo er noch ein Jahr spielte.

Der Weg nach Weingarts war vorgezeichnet durch seine Freundin. Andrés Trainer war damals Jens Zweck, der zwar als Torjäger sein Bestes tat, dem aber als Spielertrainer nicht unbedingt das Glück an den Stiefeln klebte. Nach zwei Jahren ließ sich der Abstieg nicht mehr abwenden, und für ein halbes Jahr kam als Trainer noch Ottmar Bayer, um die Spielzeit mit erhobenem Haupt zum Ende bringen zu können.

Dann gab es Gespräche beim Ehrenvorsitzenden der DJK Weingarts, Hans Schmitt, die man wohl als "halboffiziell mit privaten Elementen" bezeichnen kann, und auch hier wusste Schmitt zu punkten, wie er es zuvor schon mit einigen neuen Spielern getan hatte. Das Umfeld, das einem stets das Gefühl gibt, Teil einer großen Familie zu sein, die Nähe zum heimischen Ebermannstadt und den eigenen Enkelkindern waren auch für Norbert Hofmann Argumente, denen er sich nicht entziehen konnte. So gesehen kam sein für viele überraschender Entschluss, trotz des gerade geschafften Aufstiegs dem SV Buckenhofen den "blauen Brief" zu geben und in der niedrigeren Liga ganz von neuem anzufangen.

Mittlerweile zeichnet sich ab, dass dieser Schritt, so unerwartet er für viele kam, der richtige war. Auch einige Spieler des SV Buckenhofen begleiteten Norbert Hofmann nach Weingarts, der jetzt im zweiten Jahr bei den "Maigischern" den Ton angibt. André Singer, der diese Zeit in vollem Umfang miterlebt hat, hegt für die nächste Zukunft vor allem einen Wunsch, nämlich, dass er und damit auch seine Mitspieler von Verletzungen verschont bleiben mögen. "Verletzungsfrei bleiben und den Lauf, den wir im Moment haben, beibehalten", so seine Vorstellung für den zweiten Teil der Spielzeit.

Und vielleicht geht dann auch den Konkurrenten um den hartnäckigen SV Auerbach ein wenig die Luft aus.