Kurze Wege zwischen den Austragungsorten, eine familienfreundliche Atmosphäre und Tickets, die kaum einmal mehr als 20 Euro kosten. Die aktuell stattfindende Frauenfußball-EM ist für Edmund Kainer ein Musterbeispiel für ein perfekt organisiertes Turnier, ein Fußball-Fest, wie es sein sollte. Und doch ein Gegenentwurf zu dem, was in der Zukunft auf den Fußball-Fan wartet. Vor allem, wenn er sich für Herren-Fußball interessiert.

Wenn irgendwo auf der Welt eine Endrunde stattfindet, darf Edmund Kainer eigentlich nicht fehlen. Der langjährige Trainer der Fußball-Frauen des 1. FC Burk hat seit 1990 jede Welt- und Europameisterschaft der Herren besucht, reiste 2015 auch zur Frauen-WM nach Kanada. Wenn jemand einen objektiven Vergleich zwischen den einzelnen Turnieren ziehen kann, ist das Edmund Kainer: "Einheimische wie Fans sind hier durchweg friedlich. Das sind ja alles Fußball-Interessierte, keine fanatischen Krawallmacher. Die Städte haben sich rausgeputzt und nutzen die Gelegenheit, auch touristisch auf sich aufmerksam zu machen. Neben dem Sport wollen wir auch Land, Leute und die Kultur kennenlernen. Das geht hier auch deshalb so gut, weil die Entfernungen gering sind."

Im Fokus sind Städte wie Utrecht, Tilburg, Deventer, Enschede, Breda oder Doetinchem. In Eindhoven, Amsterdam oder Den Haag findet dagegen kein einziges Spiel statt. Gekickt wird zwar in Rotterdam, aber nur im Stadion von Sparta, das ungefähr ein Fünftel der Kapazität im Vergleich zur 50 000 Zuschauer fassenden Arena von Feyenoord aufweist. "Gerade das macht auch den Reiz aus, dass es eben nicht diese übergroßen Fußball-Tempel, sondern kleine schmucke Stadien sind", sagt Kainer.


Spontane Spielplanung

Für drei Wochen, also die komplette Dauer des EM-Turniers, befindet er sich mit Ehefrau Gabi in den Niederlanden, das Eröffnungsspiel haben sie mitgemacht, ebenso das Auftaktspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Schweden. Nun, einen Tag nach der Nullnummer, sitzen beide in einem Café in Breda und schmieden weitere Pläne. Zwar haben sie Karten für insgesamt acht Spiele, weitere werden aber folgen. Spontanität sei hier noch möglich. "Wir haben uns entschieden, am Abend noch Frankreich gegen Island anzusehen", sagt Kainer. An Tickets kommt man auch kurzfristig. Das Spiel findet zwar in Tilburg statt, die 24 zu fahrenden Kilometer aus Breda sind aber kaum der Rede wert.

Das ist ein Luxus, wie ihn Kainer so schnell nicht mehr erleben wird - bei den Frauen wohl noch eher als bei den Herren. Die Herren-Weltmeisterschaften 2018 in Russland und 2022 in Katar sind nichts für Fußball-Romantiker und werden ohne die Kainers stattfinden, das sei schon jetzt beschlossene Sache. "Das tue ich mir nicht mehr an, der Fan steht da schon lange nicht mehr im Mittelpunkt. Es geht nur noch um den Kommerz", sagt Kainer. Und auch ein wenig darum, diese Auswüchse nicht zu unterstützen.

Die Burker Fahne, seit vielen Jahren ein treuer Begleiter, wird dann in keinem Stadionrund zu sehen sein, weder in Doha noch in St. Petersburg. Fest im Blick hat Kainer dagegen die in zwei Jahren stattfindende Frauen-WM in Frankreich. "Darauf freuen wir uns schon jetzt. Bei den Frauen ist zwar alles kleiner, letztlich aber auch ehrlicher und authentischer", sagt Kainer und verweist auf die Begegnung mit drei englischen Nationalspielerinnen in einer Hotellobby in Utrecht: Die blieben für einen kurzen Plausch gerne stehen und nahmen für ein Erinnerungsfoto sogar die schwarz-rot-goldene Burk-Fahne in die Hand.


Klare Sache gegen Italien

Das nächste Spiel der deutschen Mannschaft findet am Freitagabend in Tillburg statt, natürlich wieder mit den Kainers auf den Zuschauerrängen. Sportlich war das 0:0 gegen Schweden zum Auftakt noch nicht das Gelbe vom Ei, ohnehin befindet sich Deutschland - seit 1993 durchgehend Europameister - in einem großen Umbruch. Ob es wieder zum EM-Titel reicht? Darauf hoffen die Kainers zwar, eine Steigerung unter der neuen Bundestrainerin Steffi Jones sei in den folgenden Spielen aber zwingend nötig - am besten gleich gegen Italien, den Freitagsgegner. Eine machbare Aufgabe für das deutsche Team, größere Stolpersteine würden nach dem letzten Gruppenspiel gegen Russland erst in der K.o.-Phase warten.

Frankreich oder England nennt Kainer als weitere Anwärter auf den Titel. Dort habe die Entwicklung im Frauenfußball in den letzten Jahren enorm an Fahrt aufgenommen. Und die deutsche Mannschaft müsse noch beweisen, dass sie den Umbruch bereits vollzogen hat. "Für das Spiel gegen Italien bin ich sehr zuversichtlich. Wir werden 3:0 gewinnen", sagt Edmund Kainer. Er hofft, dass sich die DFB-Elf den Gruppensieg holt. Denn darauf basierend sind die weiteren Tickets für die K.o.-Phase gebucht. Und falls es doch anders kommen sollte, sei das auch kein Hindernis: Das kurzfristige Umplanen geht hier ja völlig problemlos.