Ein auffälliges Tattoo ziert den rechten Oberarm von Claudia Marsching. Es besteht aus einem großen, roten Herz, das von einem Spruchband umwickelt ist. Es zeigt den Namen ihres Lieblingsklubs, des 1. FC Nürnberg. "Für mich gibt es nur diesen einen Verein", sagt die 44-Jährige voller Überzeugung und ohne Zweifel.
Seit ihrem sechsten Lebensjahr ist die Hausfrau aus Kirchehrenbach dem "Club" verbunden. "Das geschah damals eher aus Protest, weil meine Eltern und Großeltern Bayern- und Fürth-Fans waren und immer auf den Club geschimpft haben", schmunzelt sie. Mit zwölf stand der erste Stadionbesuch in Nürnberg an und von da an war sie endgültig mit dem "Fußballvirus" infiziert.
Doch Marsching ist nicht nur Fan, sondern auch ehrenamtlich tätig, um andere Gleichgesinnte zu unterstützen. Im April wurde sie zur Vorsitzenden des FCN-Fanverbandes gewählt und ist damit verantwortlich für rund 18 000 Mitglieder, die in 250 Fanclubs organisiert sind. Der Verband versteht sich als eine Art Dachorganisation für die Fanclubs und bietet Unterstützung bei Problemen und Neugründungen oder stellt Kontakt zur FCN-Fanbetreuung her.

Ansprechpartner für alle Fälle


"Wir sehen uns als Bindeglied zwischen dem Club und den einzelnen Fanclubs", erklärt Claudia Marsching. Ob es um Hilfe bei juristischen Fragen, den Aufbau der Homepage, die Erstellung einer Satzung oder um die Organisation der Auswärtsfahrten geht, der Fanverband steht jederzeit als Ansprechpartner zur Verfügung.
Über die Auswärtsfahrten kam auch die Kirchehrenbacherin das erste Mal mit dem Fanverband in Kontakt. Schon seit 2005 fährt sie mit ihrem Mann zu jedem Auswärtsspiel. "Ich will einfach den Club live sehen, nicht nur vor dem Fernseher", beschreibt die 44-jährige ihre Motivation. Die Atmosphäre in den verschiedenen Stadien und die unterschiedlichen Fans zu erleben, das sei für sie das Besondere daran. Eine ganz spezielle Erfahrung war natürlich das Europapokalspiel in Lissabon 2008. Dort lernte sie den damaligen Vorsitzenden des Fanverbandes kennen und nahm daraufhin an den von dort aus organisierten Auswärtsfahrten teil.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel


Im Sommer 2010 sei sie schließlich gefragt worden, ob sie sich vorstellen könne, Schriftführerin des Verbandes zu werden, erzählt Claudia Marsching. Sie musste nicht lange überlegen, denn sie hatte auch zuvor schon bei den Busfahrten mitgeholfen. 2012 kam dann die Idee auf, eines der vier bis dato gleichberechtigten Vorstandsmitglieder als Ansprechpartner für die Fanclubs und die Auswärtsfahrten zu bestimmen: Die Wahl fiel einstimmig auf Marsching.
Die zeitliche Belastung als Vorstandsmitglied ist jedoch sehr groß. "Sonntags nach der Auswärtsfahrt beginnt im Prinzip schon wieder die Vorbereitung für das nächste Wochenende", erzählt die Kirchehrenbacherin. Neben der Organisation der Reisen zu den Auswärtsspielen gehört auch die Datenverwaltung der Fanclubs und der Mitglieder zu ihren Aufgaben. Jeden Tag kommen einige Stunden zusammen, viel Zeit davon am PC.
Darüber hinaus betreut sie die Fanclubs vor Ort, stattet einen Besuch ab bei Jubiläen oder Neugründungen. Zwei bis drei Termine seien das schon pro Woche und oft mit langen Autofahrten verbunden, gibt Marsching zu. Wenn der Ball ruht, sei der Stress für sie sogar noch größer. "In der Sommerpause finden viel mehr Veranstaltungen statt, weil die Fanclubs die fußballfreie Zeit ausnutzen", berichtet die 44-Jährige.

Es wird nie langweilig


Doch die Strapazen nimmt sie gerne auf sich, denn "der Club ist nun mal meine Leidenschaft". Ihr schönstes Erlebnis mit dem Verein war der Pokalsieg 2007, den sie live im Berliner Olympiastadion genießen durfte. "Das war Gänsehaut pur", erinnert sich Claudia Marsching. Der Club habe nicht nur die besten Fans der Liga, es werde auch als Fan "nie langweilig". So geschehen beim Abstieg 1999, der für sie den absoluten Tiefpunkt ihres Fandaseins darstellt. "Aber wir sind eben nicht nur Erfolgsfans, wir stehen immer zum Club", erklärt Marsching die besondere Beziehung der Anhänger des 1. FC Nürnberg zu ihrem Verein.
Dass sie als eine Frau eher eine Ausnahmeerscheinung in der Fanszene ist, war für die Kirchehrenbacherin nie ein großes Thema. "Zu Beginn musste ich mich schon etwas durchboxen", sagt sie, aber mittlerweile spiele das überhaupt keine Rolle mehr. Durch ihr Ehrenamt und ihre ständige Präsenz im Stadion sei auch die Akzeptanz gestiegen. Nach wie vor gebe es noch zu wenige Frauen in der Fanszene, doch Marsching ist zuversichtlich, dass sich das ändert.

Auszeit vom Ehrenamt am Meer


Claudia Marschings Engagement beschränkt sich nicht nur auf den Fanverband. Bei ihrem Heimatverein, dem TSV Kirchehrenbach, betreute sie zehn Jahre lang eine Jugendmannschaft. Außerdem ist sie 2. Vorsitzende im Fanclub "Der Club" Club Ehraboch. Abseits des Fußballs kümmert sie sich um ihre drei Katzen oder geht auf Reisen. Im Herbst nimmt sie sich jedes Jahr eine Auszeit von der ehrenamtlichen Tätigkeit, um den Akku wieder aufzuladen. Besucht hat sie schon viele Orte. "Hauptsache, sie sind am Meer", lacht Marsching.
Mit der zurückliegenden Bundesliga-Saison ist sie sehr zufrieden. "Klar gibt es immer kleine Kritikpunkte, aber Hecking und Bader leisten gute Arbeit", bilanziert Marsching. Für die kommende Spielzeit hofft sie darauf, dass "der Club mit dem Abstieg nichts zu tun haben wird". Letztlich komme es aber hauptsächlich darauf an, wie die Neuzugänge einschlagen.
Doch die 44-jährige ist optimistisch: "Wir halten die Klasse auf alle Fälle." Selbst wenn dieser Plan nicht aufgehen sollte: In ihrem Herzen und auf ihrem Arm wird "der Club" trotzdem für immer einen festen Platz haben. Ganz sicher.