Der offene Brief von Peter Müller verursachte großen Wirbel in der Fußballszene. Der ehemalige Burker Funktionär sprach in einer schonungslosen Bilanz Missstände an, die meist zu Lasten der unterklassigen Vereine, vor allem finanziell, ausarten. Dem Fränkischen Tag liegen noch weitere Stellungnahmen von Fußballfunktionären aus der Region vor, die namentlich nicht alle genannt werden wollen. Die Kritik richtet sich vor allem an die Zweischneidigkeit mancher Verbandsvorgaben.

Ablösesummen bei Wechsel

Stefan Nützel (49), Abteilungsleiter beim TSV Ebermannstadt, prangert die Richtlinien zum Ausbildungswesen der Jungfußballer an. Diese wurden vom BFV eigentlich geschaffen, um den sogenannten "Ausbildungsvereinen" zumindest eine Aufwandsentschädigung zu garantieren, wenn ein junger Spieler den Verein verlässt. Allerdings - und das ist das Hintertürchen - können finanzstärkere Vereine mit der Umwandlung des Spielrechtes in den Status "Vertragsamateur" die Entschädigungen leicht umgehen.

Nützel ist verbittert: "Vor kurzem verließ uns ein Spieler, der über 15 Jahre von der F-Jugend bis in den Erwachsenenbereich ausgebildet wurde und noch unter 21 Jahre alt war. Dafür hat der Verband offiziell gestaffelte Wechselsummen festgelegt. Diese richten sich nach der Klassenzugehörigkeit des abgebenden und des aufnehmenden Vereins, sowie nach der Altersstufe des Spielers und kann somit von 1500 Euro bis 4000 Euro betragen. Im angesprochenen Fall wären uns 3700 Euro zugestanden, die Summe aber wurde vom aufnehmenden Verein auf einen mittleren dreistelligen Betrag reduziert, mit dem Hinweis, dass für den Spieler als Vertragsamateur gar keine Ablöse mehr fällig wäre. Wir waren gezwungen, schon alleine um dem Spieler keine Steine in den Weg zu legen, uns auf diesen Kuhhandel einzulassen". Den anderen Verein kann Nützel nicht einmal als Schuldigen ausmachen, denn dieser habe seine besten Möglichkeiten, die der Verband eben geschaffen habe, nur zu seinem Vorteil ausgenutzt.

"Vielleicht hätte ich mich in einem ähnlichen Fall auch so verhalten müssen, zum Wohle meines Vereins. Aber unter dem Strich bleibt der fade Beigeschmack: Viele höherklassigen Vereine machen keine Jugendarbeit und holen sich mit dem Druckmittel Vertragsamateur einfach die Talente fast zum Nulltarif." Was den 49-jährigen Funktionär am meisten wurmt: "Dem Verband ist unser Schicksal doch egal, weil er ja sogar davon am meisten profitiert, wenn zwei Vereine sich nicht einigen können. Denn bei jedem Vertragsamateur kassiert der BFV natürlich durch die monatliche Pauschalabgabe ohne eigenen Aufwand kräftig mit."

Abzocke im Jugendbereich

Nützel beklagt zudem die ständig mehr werdenden Gebühren und die sofortigen finanziellen Bestrafungen durch den Verband, wenn festgelegte Quoten jeglicher Art nicht eingehalten werden können. "Wir haben von den Kleinsten bis zu den Größten durchgehend zwölf Jugendmannschaften. Wir stemmen diesen Aufwand mit etwa jährlich 4000 Euro Bezuschussung. Und das ist noch lange nicht der Betrag, den die Jugendleiter und Trainer noch aus eigener Tasche für Limo oder Benzin drauflegen. Die Summierung der Gelder für allerlei Verbandsgebühren erschlägt uns bald, weil wir ja alle Teams besetzt haben. Es fallen Pass- und Meldegebühren an sowie Gelder für Sportgerichtsfälle. Dann kommen noch Strafzahlungen dazu, wenn ein Ergebnis nicht binnen einer Frist gemeldet wurde. Der Gipfel ist die Strafe von 500 Euro, weil wir die Quote der Schiedsrichter nicht erfüllen können. Wenn der BFV etwas flexibel wäre, würde er Vereinen hier entgegenkommen die, wie wir, mit großem Aufwand dafür sorgen, dass alle Jugendmannschaften besetzt sind."

Nützel stellt sich abschließend die Frage: "Für was und für wen machen wir denn Jugendarbeit? Der BFV kann sich noch so oft hinstellen und propagieren, wie wichtig Jugendarbeit ist, um dann im Gegenzug uns ausbildenden Vereinen den Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Es ist traurig, dass es nur um die großen Vereine beim BFV geht. Die Kleinen mit Jugendarbeit werden klein gehalten."

Doppelt melden, doppelt zahlen

Von einem weiteren Fall zum Kopfschütteln berichtet Abteilungsleiter Manfred Bauer vom SC Oberreichenbach. Aufgrund mangelnden Nachwuchses tat sich der SCO mit dem Nachbarn aus Münchaurach zusammen, um gemeinsam eine Jugendfördergemeinschaft zu gründen: "Obwohl die Jugendlichen schon in ihrem Stammverein gemeldet waren und somit bereits Verbandsgebühren mit einer Versicherungspauschale abgeführt wurden, mussten für alle Kinder über die JFG nochmals Mitgliedsbeiträge inklusive Versicherungsgebühren abgeführt werden. Viele Eltern sahen diese Doppel-Verbandsabgabe als reine Abzocke und wollten die Kinder dann doch nicht in den gemeinsamen Spielbetrieb geben. Erst als wir, die beiden Hauptvereine, uns bereit erklärten, alle Gelder der doppelten Anmeldung zu übernehmen, konnten wir die JFG spielen lassen."

Der 47-jährige Abteilungsleiter hätte noch viel mehr zu erzählen: "Ich könnte diese Liste der unglaublichsten Fälle noch beliebig fortsetzen. Statt einer Hilfe, die an die Basis angepasst ist, werden wir zunehmend mit weltfremden Maßnahmen schikaniert, die meist den Sinn haben, so irgendwelche Gelder zu begründen, die deswegen eben zu zahlen sind. Manchmal kommt man sich vor wie bei Don Quichotte, im Kampf gegen die Windmühle BFV."

Aufgeblähte Relegation

Trainer Joachim "Jojo" Müller vom TSV Röttenbach fand zur Relegationsrunde sowie zum Saisonspielplan, der verlängert wurde, klare Worte: "Wegen Chancengleichheit durften wir unser letztes Spiel zur Vizemeisterschaft nicht am Sonntag, sondern erst am Dienstag austragen. Dadurch hatten wir aber am Donnerstag das erste Relegationsmatch zu bestreiten und mussten dann am Sonntag ein drittes Spiel, das entscheidend für die gesamte Saison war, absolvieren. Viele der Spieler gingen bis an und teils über ihre körperlichen Grenzen. Für mich ist es keine Überraschung, dass sich mit Windsbach die Mannschaft durchsetzen konnte, die die größte Pause hatte. Die Relegation war in meinen Augen ein Skandal. Erst wenn jemand auf dem Platz umkippt, ist das Geschrei danach groß."

Für Müller sind dies Ergebnisse der geänderten Rahmenstrukturen: "Früher wurde bis knapp vor Weihnachten gespielt, wenn es das Wetter zuließ. Seit ein paar Jahren ist bereits nach der zweiten oder dritten Woche im November Schluss, damit die Hallenrunde nahtlos starten kann. Die unsäglichen Auswüchse der Qualifikationsrunden, als manchmal sogar der fünftbeste Vierte weiter kam, sind ein Grund, weshalb der Stellenwert sank. Die Einführung der aufstiegsberechtigten Reserven hat alles noch verschlimmert. Nun wurde versucht, diese irrsinnigen Verbandsentscheidungen durch eine weitere Maßnahme in dieser Saison etwas zu entschärfen: Alle Klassen spielen nach dem 18er-Schlüssel. Aber dadurch waren in der Vor- und der Rücksaison je zwei spielfreie Tage dabei, die den Spielplan um vier Spiele streckten. Das Fiasko war hausgemacht und kontraproduktiv für den Erhalt des Fußballs. Bald gibt es überhaupt keine Erholungsphase mehr, und wir gehen nahtlos in die neue Saison. Vielleicht merkt irgendwann mal einer da oben: Wir sind Amateure!"

Toto-Pokal-Modus unattraktiv

Eggolsheims Trainer Michael Rödl ärgert sich vor allem über die Ignoranz, mit der von Seiten des BFV auf Meinungen reagiert wird: "Verband und Vereine sind schon lange kein Team mehr! Ich habe schon von vielen Mannschaften gehört, dass sie sich nicht mehr für die Hallenrunde und für den nächsten Pokal anmelden werden. Wozu auch? Wir wollen auch mal Pause für Urlaub und Familie - und keine übermäßig langen Relegationen! Auch der Toto-Pokal in Turnierform funktioniert nicht. Die Einnahmen schrumpfen und müssen durch vier geteilt werden, der Aufwand steigt. Mit dem üblichen Modus im Pokal konnte man sich bei Wettkampfbedingungen und der regulären Spielzeitlänge auf die Saison einstimmen. Fazit: Der kleine Verein ist denen völlig egal. Und dessen Meinung allemal."