Am Sonntag startet der "InFranken-Kick" um 15 Uhr mit dem Derby zwischen Langensendelbach und Poxdorf in die Kreisliga-Saison. Die sportliche Rivalität der beiden südlich von Forchheim gelegenen Gemeinden in der höchsten Spielklasse des Kreises hätte in der Vorsaison beinahe ein jähes Ende erfahren. Denn der SVL zog erst in allerletzter Minute mit dem Sieg im Saisonfinale gegen Lonnerstadt den Kopf aus der Schlinge und rettete sich somit in seine vierte Spielzeit in der Kreisliga.

Eine Saison mehr haben bereits die Poxdorfer auf dem Buckel. Sie reisen nach durchwegs einstelligen Tabellenplätzen leicht favorisiert ins vier Kilometer entfernte Nachbardorf zum Derby an und hatten auch in den Vorjahresvergleichen zweimal denkbar knapp (1:0 und 3:2) die Nase vorne.

Doch die Gastgeber um Spielertrainer David Wägner, der vom noch zum Kader gehörenden Esteban Falconi das Zepter beim SVL übernommen hat, wissen, was sie erwartet - und wollen vor allem zu Hause zu ihren Punkten kommen. Dem 33-jährigen Spielertrainer des SVL treibt nicht nur der personelle Aderlass des Kaders nach der nervenaufreibenden Saison die Sorgenfalten auf die Stirn, sondern die Fortführung der Verletztenmisere: "Ausgerechnet zum Derby fallen uns neben den ohnehin schmerzhaften Abgängen wichtiger Spieler gleich noch sechs Akteure aus. Neben den Verletzten Max Paulus, Alex Wöß, Markus Eger und Manuel Zametzer fehlen uns noch die beiden Urlauber Johannes Böhmer und Florian Erlwein. Unser Kader stößt mit 14 Spielern jetzt schon an seine Grenzen und wir werden mit Akteuren aus der Reserve auffüllen müssen."

Wägner gibt sich zum Saisonauftakt keinen Illusionen hin und nennt den Klassenerhalt als einzige Option um die es ginge: "Aus heutiger Sicht müssen wir davon ausgehen, dass uns eine richtig, richtig schwere Saison erwartet und der Klassenerhalt wohl schon ein kleines Fußballwunder wäre. Aber vor allem der tolle Zusammenhalt auf der Zielgeraden in der letzten Saison, der uns sicherlich auch zusammengeschweißt hat, lässt mich hoffen. Die große Unbekannte wird sein, ob und wie schnell unsere jungen Nachwuchsspieler die entstandenen Lücken der Abgänge qualitativ füllen können. Das Potential dazu wäre durchaus vorhanden, braucht aber Zeit."

Neuer Mann am Ruder

Nach Tobias Dachwalds Rücktritt vom Traineramt, der eine familiäre Pause einlegt, hat in Poxdorf Peter Kellner das Ruder übernommen. Der 49-jährige Polizeibeamte aus Erlangen ist ein erfahrener Übungsleiter, kam jedoch als eines der größten deutschen Leichtathletik-Talente erst relativ spät zum Fußball, seiner zweiten sportlichen Karriere. Bemerkung am Rande: Mit 15 Jahren saß der 36-fache bayerische Meister, dem als 14-Jähriger ein Weitsprung-Satz auf 6,75 Meter gelang, bei Harry Valerien im Sportstudio und träumte von der Olympiateilnahme 1984 in Los Angeles. Aber Zurück nach Poxdorf: Kellner kennt die Mannschaft inzwischen und ist ebenso über die Konkurrenz im Bilde: "Wir hatten eine durchwachsene Vorbereitung mit schwankenden Ergebnissen. Das lag aber auch daran, dass ich in manchen Spielen fast die komplette Mannschaft tauschte, um mir einen Eindruck von jedem meiner Akteure machen zu können. Die Karten werden neu gemischt." In manchen Partien habe sein Team eine überragende Halbzeit gespielt, wie zuletzt gegen Ermreuth, dann jedoch eine 2:0-Führung noch zu einem 2:4 hergegeben: "Manchmal fehlte noch die Konstanz, aber wir haben uns schon stabilisiert und allmählich kristallisierte sich auch der Kader heraus. Bisher hatte ich nur beobachtet, nun kann ich taktisch einwirken. Wir haben das System geändert."

Von der Trainingsbeteiligung mit knapp 20 Akteuren ist Kellner beeindruckt, da alle mitzögen, und sieht sich in der Breite des Kaders auch zur Genüge aufgestellt: "Trotzdem müssen natürlich erst solche Karäter wie Torjäger Christoph Reck und eben Tobias Dachwald kompensiert werden, die nicht mehr da sind. Fürs Derby fehlen uns aber nur die Urlauber Lukas Riedel und Fabian Metzner. Für Tobias Hirt, der an einer Wadenprellung laboriert, kommt das Derby wohl noch zu früh."

Das Saisonziel sieht Kellner zunächst im Klassenerhalt einer stark aufgestellten Liga. Wenn der Start glücke, könne man sich noch immer umorientieren: "Ein Spitzenplatz gegenüber der Konkurrenz ist aus heutiger Sicht für mich Utopie."

Vielleicht gelingt seinem Team am Ende aber auch ein gelungener Weitsprung?