Obwohl von der Konkurrenz eine Zeit lang gar nicht mehr wahrgenommen, steht das Team um Spielertrainer Jens Zweck zum ersten Mal in dieser Saison ganz oben und offenbart dabei Tugenden, die seit jeher dem "Canis Lupus", dem Wolf, nachgesagt werden. Andererseits sind die im Oberland des Spielkreises als "Wölfe" bezeichneten Gastgeber zuletzt nicht immer dem räuberischen Mythos gerecht geworden. Die Frage, ob Gößweinstein in Wolfsberg auf ein hungriges Rudel oder auf elf Schoßhunde trifft, wird bereits heute um 17 Uhr beantwortet.
Spielertrainer und SVW-Methusalem Reinhard Häfner wird am heutigen Samstag 41 Jahre alt und bringt die nach oben und unten ausschlagende Leistungskurve auf den Punkt: "Wir spielten zuletzt zu launisch und haben in den vergangenen Spielen wichtige Punkte liegen lassen, um nochmals ernsthaft nach vorne einzugreifen. Zwar darf man nicht vergessen, dass unsere Platzierung und der Punktestand vor der Saison ein Wunschtraum gewesen war. Denn vorgenommen hatten wir uns, nicht abzusteigen."

Und auch zum gegenwärtigen Zeitpunkt habe man das gesteckte Ziel - 40 Punkte und weg von den Abstiegsplätzen - noch nicht geschafft: "Aber in die Analyse sollte schon mit einfließen, dass etwas mehr drin war, wenngleich ich meiner Truppe gegen Pegnitz keinerlei Vorwurf machen kann."

Zuletzt fehlte jedoch oftmals der letzte Biss, der das Spiel der Wölfe zuvor geprägt hatte. Aus den vergangenen sechs Partien schlagen zwei Siege, zwei Unentschieden und zwei Niederlagen zu Buche. Dennoch wurden im Verlauf der Saison gerade gegen die stärker eingeschätzten Teams der Klasse durchaus beachtliche Leistungen abgerufen. Aber die vier denkbar knappen Saisonniederlagen gab es trotzdem allesamt gegen Mannschaften des vorderen Drittels: Nach der Winterpause jeweils ein 1:2 gegen Hiltpoltstein und den Geheimfavoriten ASV Pegnitz II vor Wochenfrist, zur Hinspielrunde jeweils ein 0:1 gegen Gräfenberg und den heutigen Gegner Gößweinstein: "Damals verloren wir unglücklich, denn wir hatten mehr Spielanteile und mussten die Punkte durch einen Sonntagsschuss von Michael Stenglein, der an diesem Tag Geburtstag hatte, kurz vor Abpfiff hergeben, obwohl wir den Gegner fast schon auf den Knien hatten. Inzwischen ist Gößweinstein zwar stabiler geworden, aber diesmal habe ich Geburtstag und nehme Geschenke jeder Mannschaft gerne an."

Keine Unbekannten

Die beiden Kader kennen sich gegenseitig seit Kindesbeinen an, so dass große Überraschungsmomente gar nicht möglich seien: "Sie gehen miteinander auf Disco-Tour oder ins Bierzelt und sehen sich gegenseitig am Sportplatz zu. Deshalb werden derartige Spiele, fast wie unter Brüdern, oft durch Kleinigkeiten entschieden, wie im Hinspiel eben." Häfner muss auf Tobias Schütz verzichten (Innenbandriss im Knie) und auf Alex Grembler, der wegen seines Studiums verhindert ist. Der Bärnfelser selbst ist auch leicht angeschlagen, biss sich im Nachholspiel aber durch. Zum Glück für sein Rudel, denn Häfners Anschlusstreffer zum 2:3 war der Auftakt zum Remis in Pottenstein. Sein Einsatz am Samstag scheint sicher, aber er sagt: "Wir sind sowieso klarer Außenseiter."

Gößweinsteins Spielertrainer Jens Zweck geht selbstbewusst mit seinem Team an die Aufgabe heran - und das Geheimnis des Erfolges ist für ihn eigentlich gar keines: "Wir sind lediglich von schweren Verletzungen heuer verschont geblieben, toi toi toi. Bei dem kleinen Kader, den wir haben, wäre das fatal." Umliegende Vereine haben da nicht so viel Glück gehabt und bis zu einer halben Mannschaft zu ersetzen. Aber auch das wiedergekehrte Selbstvertrauen und der Wille, ein Spiel noch drehen zu wollen, sei derzeit vorhanden. Vor allem die Brüder-Paare Probst, Helldörfer und Stenglein sind prima drauf: "Der Andi spielt eine überragende Saison im Tor - und das als ursprünglicher Notnagel. Wenn alle in ihrer Form fit und gesund bleiben, können wir schon noch etwas vorne bei den ersten beiden Plätzen mitreden. Obwohl das kein Muss ist und es der Verein überhaupt nicht zur Vorgabe gemacht hat. Wir haben keinen Druck und das ist kein Nachteil."

Dabei kam der SVG mit nur vier Zählern aus den ersten vier Spielen sehr schwer in die Gänge. Seit dem fünften Spieltag aber schob sich die Zweck-Truppe mit zwölf Siegen und einem Remis - gegenüber zwei Niederlagen - zum Platz an der Sonne vor. Dennoch meist etwas hinterher hinkend und von der Konkurrenz wohl deshalb ohne Ernsthaftigkeit registriert. Bis jetzt.

Nur Händel fehlt dem SV

Den heutigen Gegner hat Zweck noch unangenehm aus dem Hinspiel in Erinnerung, obwohl es am Ende zum knappen Siegtreffer durch Michael Stenglein reichte: "Wolfsberg kenne ich als kompakt auftretende Mannschaft mit einem starken Kurzpassspiel und lauffreudiger Spielanlage. Das wird kein Spaziergang." Zweck kann ohne größere Personalprobleme anreisen, lediglich Matthias Händel fehlt beruflich bedingt und er selbst laboriert an leichten muskulären Problemen. Dennoch sieht er den Weg seiner Mannschaft noch nicht zu Ende. Seine Truppe hatte sich zuletzt durch kontinuierliche Leistungssteigerung den Weg von den mittleren Rängen bis ganz nach vorne verdient: "Klar, der Aufstieg ist das Ziel eines jeden Fußballers. Das geht auch gar nicht anders. Aber eigentlich ist diese Spielklasse viel zu attraktiv, um aufzusteigen." Für die kommende Saison hat der 30-Jährige bereits in Gößweinstein verlängert, unabhängig von der Liga.

Sein Gegenüber Reinhard Häfner schaut ob der immer kürzeren Intervalle allerlei Wehwehchen nicht so weit voraus. Wie bei Zweck sind seine Beschwerden muskulärer Natur, dennoch gibt es auch einen familiären Grund für Häfners Abschiedsgedanken: "Irgendwann fordert jeder Körper seinen Tribut. Aber ich möchte auch mehr Zeit haben, um mich um meinen Vater zu kümmern." Sein Alter nimmt er dennoch mit Humor. "Vielleicht schenkt mir heute jemand einen Nagel, damit ich meine Schuhe daran bald aufhängen kann."

Ob der Leitwolf die Zähne fletscht oder ob aus dem Rudelführer inzwischen ein zahnloser Schakal wurde, davon können sich die Zuschauer heute ab 17 Uhr überzeugen.