Als Chris Dels mit dem Fahrrad eine Bodenunebenheit erwischte, nahm das Unglück seinen Lauf. Die Gelflasche flog aus der Halterung, und zu allem Überfluss zerplatzte sie auch noch, als er mit dem Rad darüber fuhr. Der wichtige Energiespender war verloren und damit für den Triathleten des SSV Forchheim der Traum von einer Platzierung in den Top 100 bei der Weltmeisterschaft auf Hawaii vorbei. Das Ziel in Kona erreichte der 33-Jährige nach 9:34:13 Std. dennoch auf dem beachtlichen 139. Platz im 1603 starken Männerfeld.


Gemischte Gefühle

"Ich muss selbstkritisch bleiben und zugeben, dass ich gemischte Gefühle über das Ergebnis habe. Einerseits bin ich wahnsinnig zufrieden und stolz, dass ich es trotz brutaler Schmerzen so gut durchgezogen und mich der Hitze gestellt habe. Andererseits hatte ich auf dem Rad Riesenpech, was den Rennverlauf deutlich beeinflusst hat, so dass ich mein volles Potenzial nicht ausschöpfen konnte. Von daher habe ich mit diesem Wettbewerb noch nicht abgeschlossen", sagte Dels in einem Videoblog auf seiner Facebookseite.

Der erste Auftritt beim legendären Ironman auf Hawaii, wo er sich derzeit noch einige Tage von den Strapazen erholt, dürfte wohl nicht sein letzter gewesen sein. Mit der Zeit von 8:50:00 Std. hatte sich der Lehrer aus Bamberg im August als Zweiter der Altersklasse M30-34 das Ticket nach Kona gesichert. Dass er diese Zeit auf der berühmt-berüchtigten Strecke nicht wiederholen konnte, war klar, zumal der angekündigte Regen ausblieb und sich auch keine Wolken bildeten. So hatten die Starter auch in diesem Jahr mit Temperaturen von 28 Grad an der Küste und bis zu 38 Grad in den Lavafeldern bei einer Luftfeuchtigkeit von 90 Prozent zu kämpfen.

Für Dels begann der Wettkampftag früh mit dem Aufstehen um 3 Uhr in der Nacht und der ersten Teildisziplin, dem Schwimmen, am frühen Morgen. Aus der ersten Reihe startend, fand er schnell seinen Rhythmus und war "voll zufrieden", als er nach 3,86 Kilometern und 1:02:16 Std. aus dem Pazifik stieg.


Kleines Malheur, große Wirkung

Doch schon nach drei Kilometern auf dem Rad passierte das Unglück mit der Trinkflasche, das sein Rennen für den Rest des Wettkampftages beeinflussen würde. "Ich musste mich bei jeder Verpflegungsstation mit Energieriegeln versorgen. Das hat natürlich Zeit gekostet, außerdem bekam ich davon Magenprobleme", erläutert Dels. Die Fahrt bis zum Wendepunkt war für ihn daher eine Qual. Auf dem zweiten Streckenabschnitt lief es aber wieder besser. Für die 180 Kilometer benötigte er 5:01:49 Std., dann ging es auf den abschließenden Marathon, bei dem Dels die Hitze mächtig zusetzte. Schon nach wenigen Kilometern machten sich wieder körperliche Probleme bemerkbar. Wieder musste er die Verpflegungsstationen anlaufen. "Ich habe mir Eis reingeworfen, wo es nur ging, auch in die Hose, nur um den Körper einigermaßen runterzukühlen. Es war ein verdammt harter Kampf. Die Sonne hat mir den Rest gegeben", sagt Dels.

Durchgehalten habe er nur, weil er die Freunde und Bekannten, die ihm viel Glück gewünschte hätten, nicht enttäuschen wollte. "Ich habe auf den letzten Kilometern an alle gedacht, die vor dem Fernseher oder Computer sitzen und mit mir mitfiebern oder die mir Nachrichten geschrieben haben. Quasi jeden Kilometer bin ich für jemanden anderen gerannt. Das war nötig, sonst hätte ich es wohl nicht geschafft", sagt Dels.

Den Zielbogen auf dem Aii Drive in Kona durchquerte Dels mit nach oben gereckten Händen erschöpft, aber glücklich nach der Laufzeit von 3:23:15 Std. Die addierte Gesamtzeit, die Rang 31 in der Altersklasse der 30- bis 34-Jährigen bedeutete, war dem Bamberger Ausdauersportler aber egal: "Letztlich ging es nur noch darum, den Wettkampf zu Ende zu bringen. Ich bin superstolz auf mich, dass ich das geschafft habe. Und ich habe sehr großen Respekt vor denjenigen, die das schon mehrere Male mitgemacht haben. Es ist unglaublich, was sich die Leute da antun."