Es war ein vergleichsweise harmloser Zweikampf an der Außenlinie, die mittelfristigen Folgen sind aber für Verein und Spieler fatal: Firat Güngör von der SpVgg Jahn Forchheim ist für seine Rote Karte bei der 0:4-Niederlage gegen den TSV Großbardorf vom Bayerischen Fußball-Verband (BFV) hart bestraft worden: Sechs Spiele muss der Linksverteidiger aussetzen und darüber hinaus eine Strafe von 250 Euro zahlen.

"Angesichts der Videobilder hatten wir auf eine mildere Strafe gehofft. Wir sind enttäuscht", sagte Sportvorstand Uwe Schüttinger: "Die Strafe fällt aus unserer Sicht insgesamt zu hart aus." Sie hätte aber noch gravierender sein können: Der Verband hatte gefordert, Güngör für acht Spiele aus dem Verkehr zu ziehen. Auch deshalb, weil er nach Zeigen der Roten Karte dem Schiedsrichter gegen den Oberkörper geschlagen und auf dem Weg in die Kabine einen Assistenten beleidigt haben soll - wie es das Sportgericht formuliert.

Beim Schlag gegen den Oberkörper sprach der Schiedsrichter im Nachgang selbst von einer "geringen Intensivität", weshalb das Gericht dies als unsportliches Verhalten, aber nicht als Tätlichkeit wertete.


Gelb ja, Rot nein

Über die Szene, die zum Platzverweis führte, lässt sich lange und ausführlich diskutieren. Um einen schnellen Gegenstoß zu vermeiden, griff Güngör in der 35. Minute zu einem taktischen Foul. Der Forchheimer traf den Gegner an der Außenlinie zwar von hinten, aber erst, als Güngör schon selbst auf dem Rasen lag. Der Schiedsrichter wertete das Vergehen als rohes Spiel, dieser Darstellung folgte nach Einholen der diversen Stellungnahmen auch das Sportgericht.

"Das Sportgericht hat [....] insbesondere die Videoaufnahmen von "sporttotal" zur Entscheidungsfindung herangezogen. Danach lässt sich zwar das Foulspiel [...] als bewusstes Treten nicht mit letzter Sicherheit spezifizieren; an der Berechtigung des Feldverweises auf Dauer wegen rohen Spiels [...] besteht letztlich aber kein Zweifel", heißt es in der Urteilsbegründung, die unserer Redaktion vorliegt.

Dass es ein Foul war, ist unstrittig, das sagt auch der Verein. "Es war ein vielversprechender Angriff des Gegners und ein taktisches Foul von Firat. Das streiten wir gar nicht ab. Aber Rot ist definitiv zu hart, er hat ihn mit einem Nachhaken zu Fall gebracht, aber nicht umgetreten", sagt Schüttinger.

Der Sportvorstand des Jahn erwartet in den kommenden Tagen eine weitere Mitteilung des Verbands, darüber nämlich, wie das Urteil im Fall Christian Springer ausfällt. Erregt durch den Güngör-Platzverweis hatte der Jahn-Coach bei derselben Partie einen Innenraum-Verweis kassiert, bereits der zweite in dieser Saison. Schüttinger ist in dieser Causa aber guten Mutes. "Wir rechnen hier mit einer Geldstrafe im unteren dreistelligen Bereich, entsprechende Signale haben wir bereits bekommen", so Schüttinger: "Das wäre sehr fair, aber man weiß nie, wie das Urteilt tatsächlich ausfällt." Immerhin: Seit dem Großbardorf-Spiel ist der Trainer bei den Schiedsrichtern nicht mehr negativ in Erscheinung getreten: "Gegen Sand und Don Bosco, zwei sehr hitzige Spiele, hat sich Christian vorbildlich benommen."