Die Zahl 94 wird man in Eggolsheim auf längere Sicht in Erinnerung behalten, und das nicht etwa wegen der Schleuse 94, die unterhalb des Gemeindeteils Bammersdorf an der alten Bundesstraße am Rand des Naturschutzgebiets Büg liegt. Denn die 94. Minute des letzten Punktspiels in der Fußball-A-Klasse 2 Erlangen/Pegnitzgrund zwischen der SV-DJK Eggolsheim und dem SV Bammersdorf war einer der ganz großen Höhepunkt der abgelaufenen Saison - und Patrick Gnad war mittendrin.
Vor diesem letzten Spieltag war Eggolsheim Tabellenführer mit zwei Punkten Vorsprung vor dem SV Bammersdorf, und die Bammersdorfer waren wild entschlossen, die enge Konstellation zu ihren Gunsten zu nutzen. Allerdings fand das "Gemeinde-Endspiel", das über Meisterschaft und Relegation entscheiden sollte, in Eggolsheim statt. So gingen die Eggolsheimer als Heimmannschaft und daher als Favorit ins Rennen. Als nach der Eggolsheim Halbzeitführung die Bammersdorfer kurz vor der 80. Minute den Ausgleich erzielten, dachte sich noch niemand etwas dabei. Denn auch das Remis hätte den Eggolsheimern zur Meisterschaft gereicht. Bis dann die vermaledeite 94. Minute kam.
Zunächst ließ ein Freistoßpfiff des Schiedsrichters die Eggolsheimer jubeln, denn die hielten das schon für den Schlusspfiff. Doch der Unparteiische scheuchte die Offiziellen vom Platz und ließ den Freistoß ausführen. Was dann folgte, beschrieb Patrick Gnad als einen langen Flankenball, "von dem ich selbst nicht wusste, für wen er bestimmt war. Aber ich habe nicht lange nachgedacht und einfach den Fuß hingehalten."

Plötzlich steht es 2:1


Mit Folgen, an die der frühere VfBer selbst nicht gedacht hatte. Der Ball ging ins Tor, und es stand 2:1 für Bammersdorf, das nun plötzlich einen Punkt Vorsprung vor Eggolsheim hatte. Mit einem Glücksschuss war der SVB Meister und Aufsteiger geworden - und schickte die wohl etwas zu sorglosen Eggolsheimer in die Aufstiegsrelegation.
Wenn zwei Fußballvereine auf engstem Raum, möglichst noch in der gleichen Gemeinde, ähnliche Ambitionen haben - man denke nur im "Pott" an die Dauerfehde zwischen Dortmund und Schalke, im heimischen Franken an den Club und die Mannschaft mit dem Kleeblatt auf der Brust - , liegen Triumph und Schadenfreude meist dicht beieinander.
So war es auch den Siegern nicht zu verdenken, dass sie nach dem Spiel nicht nur im Jubel durch Bammersdorf und die benachbarten Dörfer der Gesamtgemeinde zogen, sondern auch durch Teile von Eggolsheim. "Ich bin Forchheimer", bekennt der Torschütze Patrick Gnad, "ich habe mich nur gefreut, dass ausgerechnet ich den entscheidenden Siegtreffer erzielt habe. Bei den meisten meiner Mitspieler ist ein Traum in Erfüllung gegangen."

Beim VfB unter Trainer Rödl


Es war das erste Spieljahr, das Patrick Gnad in Bammersdorf mit dem Aufstiegstor krönte. Davor war er ununterbrochen beim VfB Forchheim, und zwar schon seit der F-Jugend. In der Herrenmannschaft tauchen so renommierte Namen wie Uwe Späth und Goran Pavkovic als seine Trainer auf, aber auch pikanterweise der von Michael Rödl, der jetzt Trainer der Eggolsheimer ist - dessen Mannschaft er mit seinem "94.-Minuten-Coup" gerade die Meisterschaft versalzen hatte.
Mit Uwe Späth war er als A-Klassen-Meister in die Kreisklasse aufgestiegen, mit Michael Rödl später als Kreisklassen-Meister in die Kreisliga. Und jetzt das. "Aber so ist Fußball", sinniert Patrick Gnad über das Unglück der Eggolsheimer, die aber über die Relegation doch noch den Bammersdorfern in die Kreisklasse folgten.
Eigentlich hatte der Forchheimer ganz aufhören wollen, nachdem es mit der Fußballabteilung des VfB nicht gerade zum besten stand. "Mit dem VfB hatte ich abgeschlossen", lässt er durchblicken. Doch dann kamen einige Mitspieler und ließen ihn noch einmal nachdenken: "Wir gehen nach Bammersdorf", lautete die Devise. Dort sollten Florian Eichinger und Martin Paulus das Trainergespann werden, und das ließ sich auch gut an. Mit sieben Punkten Vorsprung überwinterte die Mannschaft auf Platz 1, und Patrick Gnad warnte, dass ein solcher Abstand auch schnell wieder verspielt sein könne.
Er sollte recht behalten. Hier eine Niederlage gegen die SpVgg Etzelskirchen, dort ein Unentschieden gegen den TSV Drügendorf, und drei Wochen später stand Eggolsheim auf dem ersten Tabellenplatz. Es folgten turbulente Zeiten - insgesamt fanden vier Trainerwechsel statt. Zunächst machte Florian Eichinger nur noch als Spieler weiter, und ein Team aus Larsen Schubert, Martin Paulus und Thomas Hassa übernahm die Trainingsleitung. In den letzten neun Saisonspielen hieß der Trainer Ramo Bajric, und der neue Cheftrainer ist nun Wilhelm Satzinger.
Dessen Beinamen "Feldherr" hat Patrick Gnad bereits kennen gelernt, als Satzinger in Abwesenheit von Bajric an der Bande aushalf und sofort zu erkennen gab, dass er selbst kleinste Disziplinlosigkeiten zu sanktionieren gedenkt. "Ich habe bisher immer nur gegen seine Mannschaften gespielt", sagt Patrick Gnad, "und nun ist er mein Trainer."