Der König der Kunstradsportler kommt weiterhin aus Ebermannstadt. Bei der Hallenrad-Weltmeisterschaft im belgischen Lüttich krönte sich Lukas Kohl nach 2016 in Stuttgart und 2017 in Dornbirn/Österreich erneut zum Champion in der Königsdisziplin, dem 1er im Kunstrad der Männer. Der 22-Jährige überschritt als Einziger im Finale der besten Vier knapp die 200-Punkte-Marke. Damit war der WM-Titelhattrick für den Sportler des RMSV Concordia Kirchehrenbach perfekt.

Einziger kleiner Wermutstopfen: Im Endlauf ging er bei der schwierig zu fahrenden Seitvorhebehalte rückwärts vom Rad. "Das kann bei dieser Übung passieren", erklärte Kohl. "Das hat sicherlich etwa vier Punkte gekostet. Ich weiß gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal bei einem Wettkampf vom Rad musste. Das ist bestimmt schon eineinhalb Jahre her", berichtete der Ebermannstadter.

Alle Radballräder geklaut

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Am Mittwochmorgen hatte er sich auf den Weg nach Frankfurt gemacht, wo sich die gesamte Nationalmannschaft traf. Im Hotel in Lüttich gab es am Donnerstag einen großen Schreck, denn der Radballmannschaft wurde das Teamfahrzeug aufgebrochen und alle sieben Räder entwendet. "Da mussten wir erstmal neue Räder besorgen", sagte der Teamverantwortliche des Bundes deutscher Radfahrer (BDR), Marco Rossmann. Geholfen hat die Familie Mlady aus Stein bei Nürnberg, die einen Fahrradladen besitzt und schnell die speziellen Sportgeräte anfertigte. "Mit so einem Rad kannst du außer Radball nichts machen", wunderte sich Rossmann über den Diebstahl.

Für Kohl und Kollegen stand vor jedem Frühstück und am Abend Jogging und Training auf dem Plan. "In die Stadt konnten wir zwar am Donnerstag, aber außer Museen gab es da nicht viel und das ist nicht so mein Ding", erzählte der Weltmeister. Bis Freitag gewöhnte er sich an den Boden, dann zog er erstmals sein Testprogramm durch. "Das gelang mir super." Auch die Eröffnungsfeier mit den anderen 21 Nationen genoss der 22-Jährige. Bis er selbst aufs Parkett durfte, fieberte er mit den Mannschaftskollegen mit, die vier weitere goldene sowie vier silberne und eine Bronzemedaille holten.

23 Konkurrenten im 1er

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Am dritten WM-Tag stand kurz vor Mittag die Vorrunde auf dem Programm: 24 Männer aus 16 Ländern hatten für den Wettkampf im 1er der Männer gemeldet, für das Podest kamen aber nur wenige in Frage. Fürs Finale qualifizierten sich der Schweizer Lukas Burri mit 167,34 Punkte, Chin To Wong aus Hongkong (159,88), Kohls Zimmergefährte Moritz Herbst aus Baden-Württemberg (186,34) und der Oberfranke, der mit einem fehlerfreien Vortrag auf 204,08 Zähler kam.

Den Kampf um die Medaillen eröffnete Geburtstagskind Burri, der sich leicht auf 170,12 steigerte. Der WM-Dritte von 2017, Wong, patzte zwar, doch 176,34 reichten wieder für Bronze. Herbst stieg beim Drehsprung vom Rad und blieb mit 183,67 Punkten unter seinen Möglichkeiten. Kohl beobachtete die Auftritte der Konkurrenten, dann trug er sein Rad mit einem Lächeln Richtung Fahrfläche. Mutter und Trainerin Andrea nahm in der zweiten Reihe Platz. Totenstille herrschte in der Halle.

Knackpunkt Seitvorhebehalte

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Vom Start im Sattelstand folgte der Maute-Sprung vom Sattel auf den Lenker, während das Rad weiter rollte. Über den Sattellenkerhandstand arbeitete er sich bis zur Seitvorhebehalte. Kurz vor Vollendung dieser Übung unterlief ein kleiner Fehler. "Zum Glück habe ich meinen Rhythmus schnell wieder gefunden", erzählte er. Der Drehsprung folgte zweifach, die Lenkerstanddrehung erweiterte er von vier- auf siebenfach und bekam Zusatzpunkte. Der Rest war Formsache. 200,36 Punkte blieben stehen, Titel Nummer 3 war geschafft.

Entsprechend groß war der Applaus. Bei der Siegerehrung erhielt Kohl neben der Goldmedaille das Regenbogentrikot, das er für ein weiteres Jahr tragen darf. "Es waren lange Tage und kurze Nächte für mich. Meine Waden spüre ich ganz gut", sagte der Ebermannstadter nach der Veranstaltung. "Aber der Titel entschädigt für all den Aufwand, den ich betreiben muss, um ganz oben zu stehen. Ich habe versucht, die Atmosphäre in der Halle aufzunehmen und daher bei den Radballspielen kräftig mitgefiebert. In meinen Tunnel bin ich gut hineingekommen, denn in unserem Sport zählen nur diese fünf Minuten, Fehler kannst du nicht wiedergutmachen", lautete sein Fazit.

Nach ein paar Wochen mit geringerem Pensum steht im März der erste Weltcup in Prag im Kalender. Neue Übungselemente sind da von ihm nicht zu erwarten. "Mein Programm ist zeitlich ausgereizt. Ich könnte zwar noch ein, zwei Übungen zeigen, aber dann bringe ich das nicht in die Zeit. Da gehe ich lieber auf Nummer sicher."